Fahrräder in Schwertes Fußgängerzone - Händler sagen: „Es kommt zu gefährlichen Szenen“

hzFahrräder in Schwerte

Fahrradfahren? Das ist in der Schwerter Fußgängerzone verboten - zumindest von 9 bis 19 Uhr. Wer sich mit den Händlern unterhält, hört jedoch: Es kommt immer wieder zu gefährlichen Szenen.

Schwerte

, 05.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal, wenn Olaf Bachmann wieder einen Fahrradfahrer sieht, verlässt er seinen Buchladen. Treppe hinunter, zwischen den Postkartenständern hindurch, ab auf die Mährstraße. Bachmann schaut sich dann raumgreifend um, schaut auf sein Geschäft und dreht sich dann im letzten Moment um zum Fahrradfahrer: „ ‚Ach, hallo‘, sage ich dann. Aber so bremse ich die dann automatisch auch ein bisschen aus.“

Bachmann lächelt verschmitzt, aber dennoch ist es ihm ernst: „Es kommt schon zu gefährlichen Szenen. Es ist erstaunlich, dass noch nichts Schlimmes passiert ist.“ Immer wieder seien Radfahrer in der Schwerter Innenstadt unterwegs - und das, obwohl es zwischen 9 und 19 Uhr verboten ist.

Während Bachmann das erzählt, radeln hinter ihm ein Mann und ein Junge durch die Fußgängerzone. Zwar langsam, aber auch nicht ganz ungefährlich. Als das Kind kurz wegschaut und den Papa an der Ecke Mährstraße/Hüsingstraße aus den Augen verliert, schlingert es fast gegen den Rollator einer Frau.

Ist solch eine Situation nun harmlos oder gefährlich? Ist es wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, dass ein älterer Mensch in einer Szene wie dieser stürzt und sich verletzt, womöglich einen Oberschenkelhalsbruch zuzieht?

Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Und in der offiziellen Stellungnahme der Polizei zum Thema heißt es nur: „Die Unfalllage ab Januar 2017 bis jetzt stellt sich als absolut unauffällig dar.“

„Halte mich für fit, aber selbst ich könnte nicht ausweichen“

Gefährdet fühlen sich indes viele. Jörg Schroeder zum Beispiel, Verkäufer in der Ruhrtal-Buchandlung einige Meter weiter: Wie da vor allem morgens oder in den späten Nachmittagsstunden gerast werde - „ich halte mich selbst für sehr fit, aber ich glaube, selbst ich könnte manchmal nicht ausweichen, wenn da so einer angerast kommt“.

Fahrräder in Schwertes Fußgängerzone - Händler sagen: „Es kommt zu gefährlichen Szenen“

Verboten, aber Alltag: Fahrradfahrer in der Schwerter Fußgängerzone. © Björn Althoff

Nicht, dass er etwas gegen Radfahrer hätte - ganz im Gegenteil. Schroeder sitzt selbst häufig im Sattel. Einmal, als er etwas spät dran gewesen sei, habe er sich gedacht: „Ach, radel doch eben ganz langsam die Hüsingstraße bergauf, du gefährdest doch niemanden.“

Er sei nicht einmal bis zum Cava-dei-Tirreni-Platz gekommen, sondern direkt am Eingang zur Fußgängerzone von einem Polizisten belehrt worden: Runter, sonst wird es teuer.

Die Polizei kann ein Bußgeld von 15 bis 30 Euro verhängen

Zwischen 15 und 30 Euro Bußgeld können anfallen - „je nach Tatbestandlage“, schreibt die Polizei. Denn: „Das Fehlverhalten der Radfahrer wird selbstverständlich auch geahndet.“ Nur: Wie oft eigentlich? Die Polizei spricht von einer „immer wiederkehrenden Aufgabe“. Die Stadt weist darauf hin, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes regelmäßig unterwegs seien - auch in der Fußgängerzone.

Wobei Stadtsprecher Ingo Rous auch sagt: „Es gibt keine massiven Beschwerden, deshalb auch kein allzu großes Engagement.“

Kontrollen? Die sehe er selten, rasende Radfahrer aber schon, unterstreicht Mike Zörnack. Der Shop-Manager bei Mobilcom-Debitel hat durch die lange Glasfront immer einen guten Blick auf die Hüsingstraße: „Einige fahren vorsichtig, viele aber auch nicht.“

Wer vor allem? Jugendliche - darin sind sich Zörnack, Schroeder und Mitarbeiter anderer Shops an der Hüsingstraße einig.

Olaf Bachmann beobachtet wenige Meter weiter genau das Gegenteil: „Es sind eben nicht die Jugendlichen, sondern oft Ältere. Und meistens auch nicht die Touristen, sondern viele, die ich aus Schwerte kenne.“

Logisch: Sonst würde der Trick mit dem Aus-dem-Laden-Kommen ja auch nicht so gut klappen.

Kleiner Trick

Was, wenn der Radfahrer nicht auf dem Sattel sitzt?

Ein beliebter Trick, der uns auch bei unserer Vor-Ort-Recherche in der Fußgängerzone auffiel: Statt das Rad zu schieben, stellen sich viele Radfahrer auf eine Pedale, benutzen das Fahrrad also als Roller. Ist das erlaubt? Nein, ist es nicht, lautet die offizielle Antwort der Polizei. Natürlich könne es sein, dass es in diesen Fällen bei einer Ermahnung bleibe. Verlassen sollten sich Radfahrer darauf aber nicht. Es könne auch in diesen Fällen ein Bußgeld von 15 bis 30 Euro geben.
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