Fahrschulen: Unterricht mit Maske – aber noch keine Fahrprüfung?

hzAusnahmeregelung

Das Land NRW macht eine Ausnahme für Fahrschulen. Die dürfen aber nur unter strengen Auflagen öffnen. Manche Szenarien sind umsetzbar, andere nicht, erklärt Fahrlehrer Klaus Stemkowicz.

Schwerte

, 25.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund drei Monate - so rechnet es Klaus Stemkowicz vor - könne eine Fahrschule wie seine ohne Einnahmen überleben. Eigentlich hatte er sich schon auf das Schlimmste eingestellt, auf Schulden, Kündigungen und Insolvenzen. Und die Soforthilfe von 9000 Euro seien bei rund 10.000 Euro monatlichen Kosten nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Ja, diese Sorgen hatte der Inhaber der Fahrschule Schürmann in der vergangenen Woche, als er mit uns über den Zustand vieler Fahrschulen gesprochen hatte. Dann kam am Donnerstag die Erlösung aus Düsseldorf.

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Eine Allgemeinverfügung des Landes NRW erlaubt den Fahrschulen seit Mittwoch wieder den Theorie- und Praxis-Unterricht, allerdings nur unter besonders strengen Auflagen.

„Wichtig, dass wir überhaupt wieder arbeiten können“

Für Klaus Stemkowicz ist das erstmal nebensächlich: „Wichtig ist, dass wir wieder arbeiten können. Das ist ein Anfang, bevor viele Fahrschulen zumachen müssen, weil es nicht mehr weiter geht.“

Nach der guten Nachricht will der Schwerter jetzt gemeinsam mit seinem Team schauen, wie die Auflagen des Landes umgesetzt werden sollen. Gut umsetzbar seien da natürlich die Standards wie regelmäßiges Händewaschen.

Außerdem müssen im Unterrichtsraum etwa Tischplatten oder Stühle desinfiziert werden. Nach der Fahrstunde gilt das für Lenkrad, Griffe und Knöpfe.

Fahrunterricht nur mit Maskenpflicht

Sonst ändert sich im Praxis-Unterricht aber nicht viel - Schüler und Lehrer dürfen gemeinsam im Auto sitzen, auch der Prüfer darf mitfahren, wenn es dann ernst wird. Allerdings: jeder nur mit Mund- und Nasenschutz.

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Kniffelig wird es dann beim Mindestabstand im Theorie-Unterricht. Hier gelten natürlich wieder die 1,5 Meter, allerdings darf sich nicht mehr als eine Person auf zehn Quadratmetern aufhalten.

„Wenn ich an meine Räumlichkeiten denke, könnte ich fünf Schüler gleichzeitig unterrichten. Ich habe zur Zeit rund 100 Fahrschüler, da kann sich ja jeder ausrechnen, wie viele Stunden ich täglich geben muss, um sie alle abzuarbeiten.“ Viele seiner Kollegen - auch in anderen Städten - seien da noch deutlich schlechter dran.

Fahrschulen unterrichten - aber TÜV prüft noch nicht

Bei einer Person pro zehn Quadratmeter könne man da fast von Einzelunterricht sprechen. Stemkowicz und sein Team wollen ab kommender Woche die Räumlichkeiten ausmessen. „Natürlich ist das ein erheblicher Mehraufwand. Aber wir sind ja alle auf unsere Gesundheit bedacht“, so der Fahrlehrer.

An einer Stelle könnte der Plan aber noch scheitern: „Wir haben noch keine Angaben, ab wann der TÜV wieder prüft. Da kann ich unterrichten, wie ich will, und es bringt nichts, wenn niemand die Prüfung abnimmt“, sagt Stemkowicz. Er gehe aber davon aus, dass der TÜV jetzt schnellstmöglich nachzieht und den Betrieb wieder aufnimmt.

Unterricht kann unter strengen Auflagen auch in der Coronakrise funktionieren

Sowieso sei er froh, dass man wieder durchstarten könne. Wenn auch nur vorsichtig. „Das ist besser als nichts. Meine Kollegen und ich - wir wollen alle unsere Geschäfte erhalten, damit wir unsere Familien ernähren können.“ Er selbst habe auch seinen Sohn in der Fahrschule beschäftigt.

Eine Kündigung würde ihm in der Seele weh tun, sagt er. „Das ist ein Stück Herzblut, was da steht“, sagt er über seine Fahrschule Schürmann. „30 Jahre habe ich das gemacht. Und jetzt sitze ich seit März zuhause rum und drehe durch. Deswegen sind wir alle dankbar, dass es jetzt wieder los geht.“

Und er ist sich sicher, wenn man die Schutznahmen beachtet, dann kann der Betrieb auch in der Coronakrise funktionieren.

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