Fahrlehrer aus Schwerte schlägt Alarm: „Sieht düster aus für uns“

hzCoronavirus in Schwerte

Keine Fahrstunden, kein Online-Unterricht. Wer gerade einen Führerschein machen will, muss sich gedulden. Ein Schwerter Fahrlehrer denkt bereits an Kündigungen - und die Insolvenz.

Schwerte

, 22.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Hilfsmittel in Höhe von 9.000 Euro hatte Klaus Stemkowicz bereits wenige Tage nach der Beantragung auf seinem Konto. Und dennoch macht sich der Inhaber der Fahrschule Schürmann derzeit große Sorgen um die Zukunft seines Betriebes.

„Wir haben monatliche Fixkosten von circa 10.000 Euro“, erzählt der Fahrlehrer. „Da können Sie sich vorstellen, dass die Soforthilfe ein Tropfen aus dem heißen Stein ist.“

Sind Fahrschulen Wirtschaftsbetriebe oder Bildungseinrichtungen?

Seitdem das Betriebsverbot ausgesprochen wurde, sind seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Damals habe er sich schon eine Auseinandersetzung mit der Behörde geliefert. „Als die Bildungseinrichtungen geschlossen wurden, habe ich meinen Anwalt angerufen, der mir sagte, ich sei ein Wirtschaftsbetrieb“, berichtet Stemkowicz von der anfänglichen Hoffnung, doch noch weiter unterrichten zu dürfen. „Einen Tag später kam dann aber die Mitteilung der Bezirksregierung, dass wir ein Bildungsbetrieb seien und schließen müssen.“

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Rund drei Monate, so schätzt er, könne eine kleine Fahrschule wie seine ohne Einnahmen auskommen. „Aber je nachdem, wie lange das noch andauert, kann es sein, dass ich betriebsbedingte Kündigungen aussprechen muss.“ Auch an eine Insolvenz habe er bereits gedacht. „Ich könnte natürlich Hilfskredite beantragen. Aber will ich mich mit 10.000 oder 20.000 Euro verschulden, wenn ich nicht weiß, oben ich da überhaupt wieder rauskomme?“

Seit vier Wochen herrscht in den Fahrschulen bereits absoluter Stillstand. Kein Theorieunterricht, keine Fahrstunden. Der Papierkram, der noch auf dem Schreibtisch lag, ist längst abgearbeitet.

Kritik an Missachtung von Seiten der Politik

Klaus Stemkowicz ärgert sich über die Politik, die seine Berufsgruppe komplett ignoriere. „Es wäre problemlos möglich, Motorradstunden anzubieten. Da ist man nur per Funk verbunden. Jeder hat sein eigenes Fahrzeug und eigene Schutzausrüstung“, erklärt der Fahrlehrer, der bereits seit 1984 meist junge Leute auf dem Weg zum Führerschein begleitet. „Diejenigen, die aktuell bei mir in der Ausbildung sind, rufen auch ständig an und fragen, warum sie nichts machen können. Das Wetter ist gut und sie haben aktuell mehr Zeit denn je. Dann muss ich ihnen leider sagen, dass der Gesetzgeber uns das verbietet.“

Auch Oliver Nienhaus hat kein Verständnis dafür, dass von den Behörden zumindest die Zweiradausbildung nicht wieder erlaubt werde. „Das Straßenverkehrsamt hat dafür bereits am 17. April eine Anfrage bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt. Aber bisher gab es darauf noch keine Antwort“, berichtet der Leiter der Fahrschule Schulz.

Auch er ist von der Inhaberin in Kurzarbeit geschickt worden und versucht nun, die eigenen finanziellen Einbußen anderweitig zu kompensieren: „Ich habe kürzlich einen LKW-Führerschein verlängern lassen und hoffe, dass ich für die nächsten Wochen bei einer Spedition aushelfen kann.“

Plexiglasscheiben in den Autos?

Natürlich haben sich die Fahrlehrer bereits Gedanken darum gemacht, wie sich strengere Hygienevorgaben in der Praxis umsetzen ließen, sofern der Unterricht denn wieder erteilt werden dürfe: „Ich gehe mal davon aus, dass wir dann mit Handschuhen und Masken fahren werden. Aber da überhaupt dranzukommen, wird schon sehr schwierig“, vermutet Oliver Nienhaus.

Auch die Überlegung, Plexiglasscheiben im Auto anzubringen, hält er für abwegig: „Ich habe davon gehört, halte das aber für nicht umsetzbar. Was passiert dann zum Beispiel, wenn der mal der Airbag rauskommt oder man als Fahrlehrer an den Lenker greifen muss?“

Eine digitale Variante des Theorieunterrichts halten die Fahrlehrer ebenso nicht für realistisch. Klaus Stemkowicz: „Der Aufwand dafür wäre viel zu groß, schon allein die Anschaffung des dafür notwenigen Equipments.“

Udo Edelmeier von der gleichnamigen Fahrschule hat bereits einen solchen Versuch unternommen, der jedoch kaum auf Resonanz stieß: „Wir haben das in Holzwickede versucht und das hat überhaupt nicht funktioniert. Die Nachfrage dafür ist einfach nicht da.“

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Nach Corona: Fahrschüler werden sich gedulden müssen

Die Fahrlehrer gehen zudem davon aus, dass sich die Schüler nach der Zwangspause werden gedulden müssen, bis sie den Führerschein in den Händen halten halten werden. Schließlich würden dann alle auf einmal Fahrstunden machen und Prüfungen ablegen wollen. „Der TÜV war vorher schon mit dem Aufkommen an Anträgen überfordert und hat Prüfungen aufgeschoben“, so Stemkowicz.

Zudem könnten die Fahrlehrer ein erhöhtes Aufkommen nicht durch Überstunden kompensieren: „Wir haben die behördliche Vorgabe, dass wir pro Tag maximal 11 Fahrstunden und 2 Unterrichtseinheiten machen dürfen.“

Wann es mit dem Betrieb weitergehen kann, darüber können auch die Fahrlehrer nur spekulieren. In einem jedoch sind sie sich einig: „2020 wird ein sehr, sehr schwieriges Jahr“, sagt Oliver Nienhaus. Klaus Stemkowicz drückt es noch drastischer aus: „Es sieht sehr düster aus für uns.“

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