Fan-Anwalt der BVB-Fans: „Weil es sich um Hopp handelt, packt man das große Besteck aus“

hzVerfahren des Hoffenheim-Mäzens

Ein namhafter Kriminologe ist Strafverteidiger von BVB-Fans in Verfahren gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Professor Thomas Feltes aus Schwerte erklärt, warum er neue Anzeigen vermutet.

Schwerte

, 10.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tausende singen, aber nur manche landen vor Gericht. Die ganze Fankurve stimmt ein Lied an, in dem TSG-Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp beleidigt wird, aber nur gegen wenige werden Anzeigen gestellt.

Es ist nicht nur dieser Widerspruch, der Thomas Feltes beschäftigt. Der Kriminologie-Professor der Ruhr-Uni Bochum, der in Schwerte-Ergste wohnt, ist einer der Fananwälte, die die Fans von Borussia Dortmund vertreten, zuletzt auch in Verfahren, die Dietmar Hopp gestartet hatte.

Gegen mehr als 30 Fans hatte der Milliardär aus Sinsheim und Mäzen des Bundesligisten TSG Hoffenheim Anzeigen erstattet. Es ging um die Gesänge und Beleidigungen gegen Hopp.

Thomas Feltes ist Professor für Kriminologie an der Ruhr-Universität in Bochum.

Thomas Feltes ist Professor für Kriminologie an der Ruhr-Universität in Bochum. © Katja Marquard

Einer von sechs Fan-Anwälten für die angeklagten BVB-Anhänger

Feltes gehörte zu den sechs Fan-Anwälten, die im vergangenen Jahr an der Seite der BVB-Anhänger saßen. Und er kritisiert mehrere Aspekte: Strafanzeigen seien verspätet eingegangen, vielleicht nicht einmal direkt von Hopp persönlich gekommen. Und das müsse bei einem Sachverhalt wie der Beleidigung nun einmal sein.

Dann die Frage, welche Fans überhaupt herausgepickt worden seien nach den Vorfällen, die sich 2018 ereigneten: „Im konkreten Fall in Sinsheim waren 2500 oder sogar 3000 Fans da, von ihnen haben 80 bis 90 Prozent gesungen.“

Nur: Wer genau welches Wort gesungen oder gerufen habe, das sei schwer nachzuweisen. „Jeder kann ja bei einem Wort einen Schluck Bier getrunken haben oder sich weggedreht haben“, unterstreicht Feltes.

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Unklarheiten bei den Video- und Audioaufnahmen

Die Videoaufnahmen seien Vorschrift, bei den zusätzlichen Audioaufnahmen aber gebe es wiederum Unklarheiten. „Wir wissen bis heute nicht, ob es sich zum Beispiel um Richtmikrofone gehandelt hat“, unterstreicht Feltes. Richtmikrofon bedeutet: gezieltes Richten auf einzelne.

Die nächste Frage: Hat man Ton und Bild korrekt übereinandergelegt?

Jedenfalls hätten die Spezialisten der Polizei – die Szenekundigen Beamten (SKB) – über die Aufnahmen die „Personen, die sie schon kannten, ermittelt“. Was einerseits logisch erscheint: Wen man noch nicht kennt, kann man nicht erkennen.

Andererseits – und das formuliert Feltes auch so deutlich – „wollte man einfach ein Exempel statuieren. Weil es sich um Hopp handelt und den DFB, packt man das große Besteck aus.“

Hoffenheims Mäzen und Feindbild vieler Anhänger: Dietmar Hopp (2.v.l.).

Hoffenheims Mäzen und Feindbild vieler Anhänger: Dietmar Hopp (2.v.l.). © dpa

Beleidigungen, die auch im Alltag vorkommen

Dabei sei der Grad der Beleidigungen keineswegs hart, sondern eher alltäglich: „Das sind Beleidigungsverfahren, die ansonsten im Alltag eingestellt würden.“ Am Amtsgericht in Sinsheim geschah das in einigen Fällen auch, gegen Entschuldigung und Zahlung von 400 und 600 Euro.

Andere Angeklagte aber waren schon Teil der „Datei Gewalttäter Sport“, wurden verurteilt und waren damit vorbestraft. Das Urteil gegen sie: Sie sollten mehr zahlen, teilweise mehr als 3000 Euro.

Thomas Feltes und die anderen Fananwälte gingen in diesen Fällen in Berufung. Doch bis sich das Landgericht Heidelberg damit beschäftige, dürften noch ein, zwei Jahre vergehen, schätzt Feltes.

Bis zur Berufung gelten die Verurteilten als vorbestraft

Der Stand für die Betroffenen bis dahin: Sie gelten als vorbestraft. Das kann eine Einreise in die USA verhindern oder die Erteilung einer Schanklizenz, das kann abgelehnte Anträge in anderen Bereichen mit sich bringen. Letzten Endes wegen einer Beleidigung.

Feltes, der als Strafverteidiger über verschiedene Fanprojekte im Team der Fananwälte landete, verweist auf die Tragweite: „Es sind ja nicht nur die Dortmunder.“ Auch gegen Kölner Fans liefen Verfahren. Auch in München werde es sicher welche geben.

Es sei eben nicht nur ein juristischer Streit.

Ansonsten wäre es ja einfach, sagt Feltes im Bezug auf das Banner von BVB-Fans, auf dem Dietmar Hopp im Fadenkreuz zu sehen ist. „Das ist kein Aufruf zu schweren Straftaten. Und da kann es juristisch auch keine zwei Meinungen geben.“

„Es wird weitere Anzeigen geben, davon gehe ich aus“

Da es eben aber kein rein juristischer Streit sei, sondern noch eine zweite Ebene habe, vermutet der Kriminologe: „Es wird weitere Anzeigen geben, davon gehe ich aus.“

Und das Problem der Fans dann vielleicht: Die Anwälte, die sie vertreten und die tief in der Materie stecken, seien jetzt schon komplett ausgelastet.

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