Feuerwehr: „Das ist unbegreiflich“ – Schwerter kletterte in brennende Wohnung zurück

hzWohnungsbrand in Westhofen

Es brennt und ein Mann flieht aufs Dach. Als die Feuerwehr ihn retten will, klettert er ins Haus zurück. Wir haben nachgefragt bei Nachbarn und Einsatzkräften: Was ist passiert in Westhofen?

Westhofen

, 13.11.2019, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles war bereit für die Rettung. Und das obwohl die Feuerwehr mit der Drehleiter gar nicht bis zum Haus etwas hinter der Straße Neuer Hellweg in Schwerte-Westhofen hatte vordringen können.

Stattdessen hatte sie unter dem Fenster eine einfache lange Leiter ausgefahren. Und direkt daneben direkt ein großes luftgefülltes Sprungkissen aufgebaut. Um so einen 49 Jahre alten Mann zu retten, der sich vor einem Dachgeschoss-Brand auf das Dach gerettet hatte. Zumindest vorerst.

Feuerwehr: „Das ist unbegreiflich“ – Schwerter kletterte in brennende Wohnung zurück

Wenige Stunden danach: Ausgebrannt sind die Fenster im Mehrfamilienhaus in Westhofen. © Aileen Kierstein

Um 3.45 Uhr hatte es Alarm gegeben. Nicht nur die Polizei rückte aus, sondern auch ein Notarzt und ein Rettungswagen sowie insgesamt 44 Feuerwehrleute aus Schwerte: die Freiwilligen aus Westhofen, Ergste und Wandhofen, die Hauptamtlichen aus der Stadtmitte mit einem Drehleiterwagen. Es war der aufwendigste Einsatz seit längerer Zeit. „Das hat uns schon ganz schön gefordert“, sagte Marcus Göbel, der Leiter des Westhofener Löschzugs.

Ein Raum der Dachgeschosswohnung stand in Vollbrand

„Beim Eintreffen waren die Flammen in der Wohnung zu erkennen“, ergänzt Wilhelm Müller, Schwertes oberster Feuerwehrmann, der ebenfalls vor Ort war: „Ein Bewohner stand auf dem Dach, vor einem total verrauchten Fenster.“

Die Feuerwehr baute Leiter und Sprungkissen auf, suchte den Kontakt zu dem Mann, stellte parallel sicher, dass den übrigen acht Bewohner in dem Haus, in dem es laut Polizei fünf Wohnungen gibt, keine Gefahr droht.

Plötzlich aber ging der 49-Jährige zurück in seine brennende Wohnung – „noch bevor wir ihn über die Leiter retten konnten“, so Müller. So hätten seine Kollegen, die in vier Atemschutz-Trupps ins Gebäude gegangen seien, den Mann durch das Treppenhaus retten müssen. „Das ist unbegreiflich, wie jemand in seine brennende Wohnung zurückklettert“, ergänzt sein Kollege Göbel aus Westhofen. Nach knapp zwei Stunden war der Einsatz für die Feuerwehr beendet.

Feuerwehr: „Das ist unbegreiflich“ – Schwerter kletterte in brennende Wohnung zurück

So sah es nach dem Brand in der Wohnung aus. © Feuerwehr Westhofen

Der 49-Jährige atmete so viel Rauch ein, dass er mit dem Rettungswagen direkt in ein Bochumer Krankenhaus gebracht werden musste. Eine Nachbarin, die den Mieter schon länger kennt und deswegen anonym bleiben möchte, erzählte am Mittwochvormittag: In der Wohnung habe es schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren gebrannt. Bei der Kreispolizei in Unna lag darüber keine Meldung vor, bei der Feuerwehr konnte man sich allerdings an einen Einsatz an derselben Adresse erinnern.

Ermittlungen laufen: Brandursache ist bislang noch unklar

Wie es zu dem Brand hatte kommen können? „Es hat mit ihm schon öfter Probleme gegeben, vielleicht war er auch nicht ganz zurechnungsfähig“, deutete die Nachbarin weiter an.

Bei der Feuerwehr wollte man nicht spekulieren. Ganz allgemein erklärte Wilhelm Müller allerdings: Dass ein Mensch zurück in ein brennendes Haus gehe, könne auch viele andere Ursachen haben. Das könne durch Hektik und Panik begründet sein. „Oft wollen Menschen auch noch irgendwelche Sachen herausholen und wir müssen sie zurückhalten.“ Und in diesem Fall: „Vielleicht hatte er auch Angst auf dem Dach.“

Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, konnte dazu am Mittwoch aber noch nichts sagen.

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