Nur 2,50 Meter vom Inferno entfernt: Wie Nachbarn den Großbrand in Westhofen erlebten

hzSchwerter Wohnhaus zerstört

Das war knapp. Nur eine Garagenbreite trennte das nächste Gebäude von dem Wohnhaus in Westhofen, das komplett abbrannte. Im Keller telefonierte der Sohn - und bemerkte nichts.

Westhofen

, 22.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Beißender Brandgeruch sticht immer noch in die Nase, sobald man in die kurze Stichstraße des Föhrenwegs einbiegt. Zwischen adretten Einfamilienhäusern führt allein der Gestank zu dem Gebäude, das von dem Großbrand in der Nacht zu Samstag total zerstört worden ist. Durch in der Hitze geborstene Scheiben fällt der Blick auf ein Gewirr aus schwarzverkohlten Balken, Isolierwolle und Leitungen. Außer den Resten eines Kaminofens scheint nichts geblieben zu sein von der kompletten Inneneinrichtung. Auch die hölzerne Decke zum Obergeschoss ist teilweise einfach weggebrannt. Im Dach klaffen große Lücken. Die Scherben der heruntergefallenen Ziegel häufen sich unten auf dem Pflaster. Näher herangehen darf man nicht. Die Polizei hat die Brandstelle beschlagnahmt und mit blau-weißem Flatterband abgesperrt.

„Das war ein Albtraum“, sagt Nachbar Sebastian Seidel, der rechts neben dem Inferno-Haus wohnt - nur durch zwei Garagen getrennt. Mitten in der Nacht, es muss irgendwann gegen zwei Uhr gewesen sein, wurde er von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Als er in Boxershorts die Haustür öffnete, stand eine Polizistin vor ihm und schrie: „Sofort raus.“ Nebenan loderten Flammen aus dem Dach des 80er-Jahre-Baus mit dem Holzgerippe. Plastik-Rolladen schmolzen wie ein tropfendes Eis am Stiel: „Das sah so heftig aus.“

Nur 2,50 Meter Abstand bis zum Nachbarhaus

Wenigstens durfte Seidel sich noch schnell etwas anziehen, bevor er in die Nachtkälte ins Freie musste und später bei Nachbarn unterkam.

Vorher öffnete er der Feuerwehr noch sein Gartentor, um den Weg für den Löschangriff von der Rückseite freizumachen. Von seiner Terrasse aus, auf der man es wegen des Rauchgestanks kaum aushalten kann, ist das Loch im Bretterzaun zu sehen, dass sich die Rettungskräfte hastig aufrissen. Vor der Garage stand da immer noch vor dem Flammenschein der Golf seiner Frau, den er aber später wegfahren durfte. Seidel zeigt ein Sinnbild, wie stark die Hitze dort war: Das eiserne Fabrikschild ist einfach so von der Garagenwand abgefallen.

Die Feuerwehr hat alles geleistet, als sie ein Übergreifen des Brandes auf die Nachbarschaft verhindern konnte. Noch kniffliger war diese Aufgabe auf der anderen Seite der Ruine, wo nur eine einzige Garage das angrenzende Haus von dem Inferno trennte. „Das sind nur 2,50 Meter Abstand“, sagt Stefan Kilkillus, der dort seit zwei Jahren wohnt. In den Ferien in Norddeutschland schreckte ihn das Telefon auf: „Das ist ein Schock, wenn es auf einmal heißt: Das Nachbarhaus brennt.“ Umgehend brach er den Urlaub ab und fuhr zurück nach Westhofen, wo Sohn Justin Goltz zurückgeblieben war. Der war zwar noch wach, hörte in seinem Zimmer im Keller aber nicht, wie Retter an der Haustür Sturm klingelten: „Ich habe mit meinem Bruder telefoniert und dann geschlafen.“ Wach wurde er erst am Samstagmorgen, als um 8 Uhr Mitarbeiter der Stadtwerke kamen. Sie ließen auf dem Gehweg ein Loch buddeln, um die Gasleitung zu dem abgebrannten Haus zu kappen. Justin Goltz wollte die Nachricht vom Feuer in der Nacht erst nicht glauben: „Ich dachte, die wollen mich veräppeln.“

Bewohner war beim Brandausbruch mit dem Hund spazieren

Auf der anderen Seite durfte Sebastian Seidel gegen 4 Uhr wieder in seine Wohnung zurück. „Aber ich konnte nicht schlafen“, sagt er. Die erlebten Bilder wollten wohl nicht aus seinem Kopf. Von dem Nachbarn, der von einem Spaziergang mit seinem Hund zurückgekommen sei und sein Haus in Flammen fand. Und von den Feuerwehrleuten, die nach dem Einsatz völlig fertig gewesen seien: „Dieser Blick in die Gesichter.“ Sie hatten alles gegeben, um die Siedlung vor einem noch größeren Inferno zu bewahren. Es muss knapp gewesen sein.

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