Fotostudios in Schwerte sagen: Wir machen weiter die Passfotos

hzGesetzentwurf zu Passfotos

Passfotos nur noch in Ämtern? Mit diesem Vorstoß zog sich Innenminister Horst Seehofer viel Unmut zu. Fotostudios in Schwerte berichten von verunsicherten Kunden. Doch sie können beruhigen.

Schwerte

, 19.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir sind immer noch hier“, sagt Ruth Kleine, Inhaberin von Foto Jochheim. Nachdem das Bundesinnenministerium Überlegungen öffentlich gemacht hatte, dass Passfotos nur noch bei den Bürgerdiensten in den Rathäusern in Anwesenheit eines Beamten gemacht werden sollten, kamen die ersten Anrufe.

„Die Stammkunden riefen an und wollten wissen, ob wir noch da sind oder ob wir schon schließen mussten“, berichtet Ruth Kleine. Sie beruhigte ihre Kunden, denn vor 2022 sollte es ohnehin nichts werden mit einer Veränderung bei der Herstellung von Passbildern.

Zudem wurde am Freitag bekannt, dass das Innenministerium auf die Kritik am Gesetzentwurf reagieren und Bürgern nun doch nicht vorschreiben wolle, dass sie ihre Passfotos unter behördlicher Aufsicht anfertigen lassen müssen. Horst Seehofer wurde mit dem Satz zitiert, dass sich Bürger in Zukunft „entscheiden können, ob sie die Passfotos künftig bei der Behörde oder in einem Fotogeschäft anfertigen lassen“.

„Das ist Teil der Digitalisierung“

Fest steht: Falls die Ämter die Passbildfotografie tatsächlich komplett übernähmen, hätten die Fotostudios ein Problem. „50 Prozent meiner Einnahmen mache ich mit Passbildern“, berichtet H.P. Dunke.

Der Verlust dieses Geschäftszweiges wäre ohne eine komplette Neuorientierung nicht zu verkraften. Kritik an der Idee übte er allerdings nicht: „Das ist Teil der Digitalisierung.“

Trotzdem meldeten beide Fotostudios weiterhin gute Stimmung. H.P. Dunke zum Beispiel setzt auf Flexibilität. Er glaubt, dass er sich anpassen kann, egal welches Gesetz kommt.

Diese Leistung kann auch ein Fotostudio erbringen

„Bereits jetzt ist es so, dass ich die Bilder meiner Kunden digital im Schwerter Amt hinterlege und der Kunde kann es dann per Zugangscode abrufen“, so Dunke. So eine Zusammenarbeit mit der Verwaltung könne er sich auch in Zukunft vorstellen,

Mit seinen Bestrebungen will das Innenministerium grundsätzlich erreichen, dass die Fotos besser mit den Personendaten verknüpft werden, dass Betrug erschwert wird. „Das ist eine Leistung, die auch das Fotostudio erbringen kann“, meint Dunke. Darauf setzt er seine Hoffnung.

Das kann ein Automat nicht leisten

Ruth Kleine äußerte grundsätzliche Zweifel, ob die Idee, Foto-Automaten in den Ämtern aufzustellen, praktikabel sei. „Viele meiner Kunden benötigen Hilfe, um ihr Gesicht in der biometrischen Pose zu halten“, sagt Ruth Kleine. Das könne ein Automat nicht leisten.

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Was die Aufstellung von Automaten für Folgen haben kann, weiß sie aus einer Nachbarstadt. Kleine: „In Menden hat das Amt einen Automaten aufgestellt, nur als Service, und drei Monate später machte das erste Fotostudio zu.“

Mit neuem Konzept ohne Passfotos

Unabhängig von dem neuen Passfoto-Gesetz wird H.P. Dunke im Februar nach Umbau mit neuem Konzept wiederöffnen. Er will verstärkt Foto-Services für gewerbliche Internetauftritte machen: Portraits und Produktfotos. Das könnte auch einen möglichen zukünftigen Wegfall der Passbilder kompensieren.

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