Für 40.000 Euro verkauft: Drei Bieter lieferten sich Wettstreit um Ruine in Westhofen

hzZwangsversteigerung

Schandfleck von Westhofen ist das Fachwerkhaus Reichshofstraße 95. Wieder einmal versuchte das Amtsgericht, einen neuen Besitzer zu finden. Drei Interessenten überboten sich gegenseitig.

Westhofen

, 20.08.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verkehrswert: 1 symbolischer Euro, Höchstgebot: 40.000 Euro. Der nicht enden wollende Besitzerwechsel für die Fachwerkhaus-Ruine an der Reichshofstraße 95 geht in die nächste Runde. Beim wer-weiß-wievielten Zwangsversteigerungs-Termin im Schwerter Amtsgericht trieb ein Interessenten-Trio am Montag den Preis in einem regelrechten Wettstreit gegenseitig in die Höhe.

Der Zuschlag ging schließlich an eine Firma namens Pegasus Property Nr. 8 Limited aus England. Was die mit dem maroden Gebäude auf dem 296 Quadratmeter kleinen Grundstück vorhat, wo wegen Denkmalschutz nicht einmal abgerissen werden darf, war nicht zu erfahren. „Ich geb‘ keine Auskünfte“, sagte nur kurz und knapp der Geschäftsmann, der das Unternehmen mit einer notariellen Generalvollmacht vertreten hatte.

Städtische Immobiliengesellschaft beim Bieterwettstreit dabei

Das Interesse an dem Verfahren war diesmal so groß wie selten. Dicht an dicht saßen die Besucher auf den beiden Bänken unter dem Schwarzweiß-Porträt des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, als Rechtspflegerin Christina Dörnbrack im Verhandlungssaal als geringstes Gebot 3140,20 Euro aufrief - damit zumindest die Verfahrenskosten gedeckt werden.

Für sie persönlich war es bereits der vierte Termin, um einen neuen Besitzer für das seit vielen Jahren leer vor sich hinrottenden Gebäude zu finden. „Mein Vorgänger hatte das auch schon in der Versteigerung“, berichtete sie.

Das Problem: Die Ruine vom Baujahr 1827 ist zwar komplett sanierungsbededürftig und laut Exposee auch „prinzipiell abrissreif“. Aber genau das darf man nicht, weil die Denkmalbehörde auf dem Status als denkmalgeschütztes Bürgerhaus beharrt.

Für 40.000 Euro verkauft: Drei Bieter lieferten sich Wettstreit um Ruine in Westhofen

An der Rückseite zur Alten Freiheit hin ist eine Hausseite der Ruine aus Bruchstein gemauert. © Reinhard Schmitz

Auch bei einer Sanierung muss jede Veränderung - innen wie außen - mit den Denkmalpflegern abgestimmt werden, die dafür sogar eine eigene Leitlinie aufgestellt haben. „Die haben eine genaue Vorstellung, wie es später aussehen soll“, sagte Christina Dörnbrack den Anwesenden. Derzeit ist alles aber nur ein Schandfleck.

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Trotzdem lag kurz vor dem Ablauf der 30-minütigen Wartezeit das höchste Gebot schon bei 10.000 Euro. Abgegeben von der Immobilienentwicklungsgesellschaft Schwerte (IEG), hinter der die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Sparkasse und den Stadtwerken steht. Sie bot sich mit der Pegasus Property Nr. 8 und einem offensichtlichen Privatmann anschließend einen regelrechten Bieterwettstreit.

Meist legte man gegenüber der Konkurrenz abwechselnd einen Tausender drauf, dann ging es in Trippelschritten von 500 Euro weiter. Bei 39.500 Euro war IEG-Geschäftsführer Volker Meier dann aber ausgestiegen. „Wir wollten das Problem lösen für die Stadt“, sagte er hinterher zu seiner Intention. Das sei doch ein „unhaltbarer Zustand“. Allerdings, so betont er, müsse das Objekt wirtschaftlich sanierbar sein: „Aktuell ist Denkmalschutz drauf.“

Vorbesitzer könnte noch Beschwerde einlegen

„Ich glaube, wenn wir hier über den Abriss des Objektes sprechen würden, hätten wir eine regere Beteiligung“, hatte zuvor schon der Gläubiger gesagt, auf dessen Betreiben hin die Zwangsversteigerung stattfand. Hintergrund war eine Forderung von 49.990 Euro, die er sich Grundbuch des Gebäudes mit einer Eintragung hatte absichern lassen. Davon könnte er zumindest einen großen Teil zurückbekommen, wenn der Ersteigerer Pegasus Property Nr. 8 den Gebotspreis von 40.000 Euro gezahlt hat.

Dazu hat das Unternehmen - so die Auskunft von Christina Dörnbrack - Zeit bis zum Verteilungstermin, der in der Regel sechs bis acht Wochen nach der Versteigerung stattfindet - falls der bisherige Grundstückseigentümer Erhard Bazak keine Beschwerde einlegt. Über die müsste dann das Hagener Landgericht entscheiden. Und das könnte wieder lange dauern.

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