Gar nicht weihnachtlich: Rabiate Zuschauer nahmen Behinderten die reservierten Plätze weg

hzSchwerter Operettenbühne

Unschöne Szenen erlebte die Operettenbühne vor ihrer Weihnachtsrevue in der Rohrmeisterei. Die Ungeduld von Gästen, die viel zu früh Einlass begehrten, gipfelte nicht nur in Beschimpfungen.

Schwerte

, 30.12.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Weihnachtsrevue der Schwerter Operettenbühne in der Rohrmeisterei war wieder ein besonderes Erlebnis. Was die Helfer vorher beim Einlass erlebten, darauf hätten sie gern verzichtet. „Leider passiert es vermehrt, dass ein Teil unseres geschätzten Publikums unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter wie Kassierer, Einlasskontrolleure und Platzanweiser mit unpassenden Forderungen bis hin zu Beleidigungen konfrontiert“, klagt Gunther Gerke, der Direktor des Schwerter Kult-Ensembles. Schon zweieinhalb Stunden vor Veranstaltungsbeginn standen die ersten Ungeduldigen vor dem Eingang - obwohl die Einlasszeit auf den Karten aufgedruckt war.

Manche wollten sich durchs Restaurant in den Saal schleichen

„Menschenunwürdiges Verhalten“ habe ein Gast dem Kassierer vorgeworfen, weil er die Türen nicht vor der angegebenen Zeit öffnete. Andere versuchten es auf Schleichwegen: Durch die Verbindungstür des angrenzenden Restaurants - so Gerke - wollten sie sich ins Foyer schleichen und reagierten mit Unverständnis, wenn sie dann gebeten wurden, den Haupteingang zu benutzen. Und schließlich im Saal ging die Rangelei weiter. Der Operettenbühnen-Direktor musste sogar mit ansehen, wie Reservierungsschilder von Plätzen genommen wurden, die für Behindertengruppen, Rollstuhlfahrer und deren Begleiter vorgesehen waren. Die rabiaten Besucher scherten sich nicht darum und setzten sich einfach hin.

Eine Zuschauerin habe sogar geschimpft, dass überhaupt Stühle mit Reservierungsschildern versehen waren - dabei habe sie einen Platz in der ersten Reihe bekommen. Auf die Frage nach dem Problem habe sie dann geäußert, „dass es eine Ungerechtigkeit wäre, so zu verfahren“.

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Insgesamt - so Gerke - seien rund 50 Plätze reserviert gewesen. Daneben hätten 650 Sitze mit freier Platzwahl zur Verfügung gestanden - auch in den ersten Reihen. In der Rohrmeisterei, die multifunktional genutzt wird, könne es keine festen Stuhlreihen mit Sitzplatznummern geben.

Nach ähnlichen Vorkommnissen im Vorjahr hatte die Operettenbühne schon reagiert. Die Kartenanzahl wurde verringert, der Einlasszeitraum erweitert. Außerdem gibt es den neuen Glasvorbau der Rohrmeisterei, so dass Gäste nicht mehr unter freiem Himmel vor dem Eingang warten müssen. Aber manchen konnte man es nicht recht machen. Sie meckerten auch über die Bestuhlung und die Lüftung oder forderten gar ein Parkhaus.

Gerke bittet um respektvollen Umgangston

Sicherlich - so Gerke - müsse man in der Rohrmeisterei mit Unbequemlichkeiten zurechtkommen. „Trotzdem sollte ein respektvoller Umgangston auf allen Seiten gewahrt bleiben“, bittet er. Dann könne man sicherlich Anregungen mit dem Kulturzentrum diskutieren.

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