Gasexplosion verursacht: „Die übrigen Bewohner waren völlig wehrlos“

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Fünf Menschen wurden bei einer Gasexplosion in Iserlohn verletzt. Seit Mittwoch steht der mutmaßliche Täter in Hagen vor Gericht - und fällt beim Betreten des Saals mit einer Geste auf.

Hagen/Iserlohn

, 07.05.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Monate nach einer verheerenden Gasexplosion in Iserlohn muss sich ein 69-jähriger Mann wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Angeklagte in der Nacht zum 2. Dezember 2019 absichtlich eine Leitung an der Gastherme seiner Wohnung geöffnet und das ausströmende Gas anschließend entzündet hat.

Er selbst will sich dazu vor Gericht jedoch nicht äußern. „Mein Mandant wird sich schweigend verteidigen“, sagte Rechtsanwalt Philippos Botsaris den Richtern. Das gelte nicht nur für den ersten, sondern nach derzeitigem Stand auch für alle weiteren Verhandlungstage.

Elf Bewohner in Lebensgefahr

Die Explosion hatte gegen 23.30 Uhr ein Feuer entfacht, das sich schnell auf das gesamte Wohnhaus ausgebreitet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich elf weitere Bewohner in dem Haus auf. Und keiner von diesen rechnete natürlich mit Gefahr. „Die anderen Hausbewohner waren völlig arg- und wehrlos“, sagte die Staatsanwältin am Mittwoch. Und: „Der Angeklagte hat ihren Tod zumindest billigend in Kauf genommen.“

Die Feuerwehr schaffte es in der Nacht zum Glück, alle Menschen rechtzeitig aus den Flammen zu retten. Fünf Bewohner erlitten jedoch eine Rauchgasvergiftung, zwei von ihnen mussten sogar stationär in einem Krankenhaus behandelt werden.

Auch der Angeklagte wurde durch die Explosion und das anschließende Feuer verletzt. Teile der Untersuchungshaft musste er deshalb auch im Gefängniskrankenhaus in Fröndenberg verbringen. Deutlich zu sehen war am Donnerstag, dass der 69-Jährige an beiden Händen Schutzhandschuhe trug, wie sie Verbrennungsopfer tragen müssen.

Angeklagter an Händen verletzt

Die Handschuhe fielen auch deshalb so deutlich auf, weil der Angeklagte seine Hände kaum stillhalten konnte. Kaum hatte er den Gerichtssaal an der Seite eines Wachtmeisters betreten, faltete er seine Hände vor der Brust und machte eine flehende, fast entschuldigende Geste. Diese wiederholte er im Gespräch mit seinem Verteidiger mehrfach. Und als er sich anschließend zu seinem Stuhl begab, hörte er immer noch nicht auf.

Gegenüber der Polizei soll er nach seiner Rettung aus den Flammen zugegeben haben, der Verursacher der Explosion zu sein. Er habe das Gas aufgedreht und gewartet, bis eine ausreichende Menge in seine Wohnung geströmt war. Dann habe er sich eine Zigarette angezündet.

Den Vernehmungsbeamten soll der 69-Jährige auch gesagt haben, dass er seinem Leben mit der Explosion ein Ende setzen wollte. Dieses Geständnis soll aber in dem wohl bis zum Sommer dauernden Prozess nicht mehr wiederholt werden.

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