Butterbrot-Marathon: Profi-Köche engagieren sich für Wohnungslose

hzFreischütz Schwerte

Ihre Restaurants mussten wegen Corona schließen. Aber untätig wollten die Gastronomen nicht bleiben. Die Freischütz-Betreiber initiierten eine Hilfsaktion, wie es sie vorher nie gegeben hat.

Schwerte, Berghofen

, 09.07.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Freischütz war noch zum Umbau entkernt, seine Küche die reinste Baustelle. Unmöglich, hier täglich hunderte von Lunchpaketen für die Dortmunder Obdachlosen zuzubereiten, als Ende März die Corona-Pandemie ausbrach.

Auch die Küche von Schürmann’s im Park, die der neue Freischütz-Chef Philip Winterkamp mit seiner Muto Heimatgastronomie ebenfalls betreibt, stieß bei dieser selbstgesteckten Aufgabe an ihre Grenzen.

Doch andere Gastronomen halfen. Man konnte in die Westfalenhalle ausweichen. „Dort haben wir produziert mit den Mitgliedern der Gastro-Initiative Dortmund“, sagte Philip Winterkamp, als er alle Mitstreiter und Unterstützer am Mittwochabend zu einem Dankeschön in den Spaten Garten am Freischütz eingeladen hatte.

Wohnungslose sind von Coronakrise besonders betroffen

Zusammen hatten sie viel geleistet, um die Not zu lindern, als die Wohnungslosen-Initiative Dortmund den Tagesaufenthalt in ihrem Gast-Haus am Dortmunder „U“ schließen musste, weil viele Mitarbeiter aus der Risikogruppe nicht mehr weitermachen konnten.

Auch die Diakonie Dortmund-Lünen konnte die Verpflegung der Wohnungslosen in ihren Räumlichkeiten nicht mehr aufrecht erhalten. Dabei sei diese Klientel von der Coronakrise besonders betroffen, erläuterte Diakonie-Pressesprecher Tim Cocu: „Sie gehören oft zur Risikogruppe und sind gesundheitlich geschwächt.“ Außerdem könnten sie sich ja nicht wie andere zum Schutz nach Hause zurückziehen.

Gastronomen und Lieferanten machten mit bei Hilfsaktion

Nach dem Motto „Jeder kann geben, so viel er will“ hatte Philip Winterkamp mit der Muto Heimatgastronomie zunächst die Idee, Beutel mit Suppe, Putengeschnetzeltem, Pfefferpotthast und anderen Gerichten auszuteilen.

Weil die Empfänger dabei aber zum Warmmachen einen Herd benötigten, erwiesen sich Lunchpakete, deren Inhalt man einfach aus der Hand essen kann, rasch als der bessere Weg.

Weitere Gastronomen - er nannte vor allem die Prüser-Event-Group und Markus Riepe vom Riepe-Hotel Drees - kamen mit ins Boot. Lieferanten und andere Partner unterstützten die Aktion mit Spenden oder besonders guten Konditionen.

Für jedes Lunchpaket waren vier Butterbrote zu schmieren

Zwischen 200 und 300 Lunchpakete konnte das Gast-Haus täglich verteilen, weitere 130 die Diakonie am Wichernhaus in der Dortmunder Nordstadt.

Jeder Beutel war gepackt mit vier Butterbroten mit Wurst, Käse und Nutella - Wohnungslose brauchen viel Zucker als Energielieferant. Dazu „Handobst“ wie Apfel, Banane oder Birne sowie ein süßer Riegel und ein Getränk.

Bis zum Abschluss der Aktion wurden 35.000 Portionen produziert

Schmieren, schmieren und nochmals schmieren war also morgens für die Profi-Köche angesagt. Die Mitarbeiter seien erst ein wenig irritiert, aber auch glücklich gewesen, berichtete Philip Winterkamp: „Es war für uns auch Hilfe zur Selbsthilfe.“ Denn die Restaurants gehörten ja zu den ersten Einrichtungen, die in der Coronakrise schließen mussten. „Man hatte was zu tun und etwas Sinnvolles zu tun“, sagte der Muto-Chef.

Insgesamt haben die Teams der Gastro-Initiative Dortmund von Ende März bis Ende Juni so rund 35.000 Lunchpakete produziert, die jeweils zwischen 7 und 7.30 Uhr an den beiden Ausgabestellen abgeliefert werden wollten.

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Im Zug der Lockerungen der Corona-Beschränkungen konnte zunächst die Diakonie ab Anfang Juni und seit dem 1. Juli auch das Gast-Haus die Versorgung der Wohnungslosen wieder selbst übernehmen. „Die Lunchpaket-Aktion geht jetzt in Eigenregie weiter“, sagte Gast-Haus-Sprecherin Gesa Harbig. Dazu sei in ihrer Einrichtung eine „Schmier-Straße“ aufgebaut worden.

Aktion hat ein großes Gemeinschaftsgefühl erzeugt

„Was als Weg zur Selbsthilfe begonnen hat, hat uns allen gezeigt, dass wir gemeinsam auch in schwierigen Zeiten einiges erreichen können“, erklärte Philip Winterkamp. Die Aktion habe „ein unheimliches Gemeinschaftsgefühl“ bei den Beteiligten erzeugte. Der Weg des solidarischen Engagements solle auch künftig fortgeführt werden.

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