Corona-Schnelltest vor dem Urlaub: Ansturm auf Schwerter Hausarzt-Praxis

hzCorona in Schwerte

Ich habe kein Corona. Das wollen Urlaubsregionen von Gästen aus Risikogebieten bescheinigt sehen. Das Papier darf nicht älter sein als 48 Stunden. Wo bekommt man es auf die Schnelle her?

Schwerte

, 09.10.2020, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bitte, nehmen Sie uns noch dran“, bettelten Lilly und ihre Mama. So lange hatte sich die Zehnjährige schon auf das Meer gefreut. Die Eltern ihrer Freundin wollten sie am Samstag mitnehmen in die Ferien nach Cuxhaven, weil die Mama keinen Urlaub bekam. Doch ohne die negative Corona-Bescheinigung stand die Woche an der Nordsee auf der Kippe.

Ein Tipp führt die Mutter in die Praxis von Theodor Spanke

Als sie diese Nachricht am Morgen hochschreckte, hatte Regine Schramm alles gegeben. Die Zeit im Nacken, quälte sie sich von ihrem Arbeitsplatz in Lüdenscheid durch den Stau auf der Autobahn A45, um ihre Tochter so schnell wie möglich von der Gesamtschule Gänsewinkel abzuholen. Sozusagen in letzter Minute standen die Beiden am Hintereingang der Arztpraxis von Theodor Spanke an der Haselackstraße: „Weil ich einen Tipp gekriegt habe, dass er das hier macht.“

Abstriche gibt es nur nach telefonischer Anmeldung

Und Theodor Spanke hatte ein Herz für Lilly. Er hängte an die 18 Schnelltests, die er am Freitag schon genommen hatte, noch einen außerplanmäßigen dran. Normalerweise mussten sich die Patienten telefonisch anmelden, damit sie zu den festgesetzten Abstrichzeiten an einem Kläppchen am Nachbarhaus erwartet werden konnten. Dort blieben sie draußen im Vorraum, während die Abstriche vorgenommen wurden – in der Regel durch die anwesenden Ärzte.

Ein Tröpfchen vom Abstrich auf das Test-Kid: Ähnlich wie ein Schwangerschaftstest funktioniert der Corona-Schnelltest in der Praxis Spanke.

Ein Tröpfchen vom Abstrich auf das Test-Kid: Ähnlich wie ein Schwangerschaftstest funktioniert der Corona-Schnelltest in der Praxis Spanke. © Reinhard Schmitz

„Bei dem modernen Antigentest hat man nach 20 bis 25 Minuten das Testergebnis“, erklärt Theodor Spanke. Dabei werde der Abstrich-Tupfer durch die Nase bis in den Rachen geführt. Danach wird er in eine spezielle Lösung gegeben und geschüttelt. Tropfen auf einem sogenannten Test-Kit zeigen nach der Wartezeit schließlich das Ergebnis an. „Das ist wie ein Schwangerschaftstest“, vergleicht der Mediziner. Anschließend kann dann die Bescheinigung ausgestellt werden.

Schnelltest auf Corona ist keine Kassenleistung

Weil der Schnelltest sicher geworden ist, werde er auch anerkannt, sagt Theodor Spanke. Einziger Wermutstropfen für den Untersuchten: „Das ist bisher keine Kassenleistung.“ Das heißt, dass der Patient die Kosten von 72 Euro aus der eigenen Tasche selbst bezahlen muss. Ein Labortest wie früher wäre mit 142 Euro doppelt so teuer.

Im Marienkrankenhaus gibt es keine Schnelltests für Bescheinigungen

Weil die Corona-Schnelltests für die Bescheinigung eine Leistung der niedergelassenen Ärzte sind, können sie im Marienkrankenhaus nicht angeboten werden. „Wir kriegen es nicht abgerechnet“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Beyer. Außerdem verfüge man nicht über Strukturen, um sich um eine solche Aufgabe zu kümmern.

Gesundheitsamt testet nur Kontaktpersonen von bestätigten Fällen

Und über das Gesundheitsamt des Kreises Unna? „Wir testen nur Kontaktpersonen von bestätigten Corona-Fällen. Alles andere muss man leider mit dem Hausarzt klären“, verdeutlicht Max Rolke, Sprecher des Kreises. Es möge ärgerlich sein, dass nun das Wochenende anstehe und dann direkt die Ferien kämen, aber man könne leider nicht helfen.

Hausärzte sind nicht dazu verpflichtet

Testet denn jeder Hausarzt? Eine generelle Antwort könne man leider nicht geben, so eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe: „Die niedergelassenen Ärzte sind nur verpflichtet, diejenigen zu testen, die als Kontaktpersonen gelten.“ Das allein sei eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

„Präventive Tests zur Absicherung für Urlauber fallen nicht darunter“, heißt es. Deshalb bleibe nur die gezielte Nachfrage beim Hausarzt. Manchmal hilft wie bei Lilly bei der Suche ein Tipp aus der Mund-zu-Mund-Propaganda.

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