Highlights der Proms: Operngenuss von der Wartburg bis zur Karibik

Konzertgesellschaft

An einem lauen Frühsommerabend präsentierte die Konzertgesellschaft Freitag bekannte Melodien aus Oper, Operette und Film. Unser Autor genoss ein unterhaltsames Konzerterlebnis.

Schwerte

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Highlights der Proms: Operngenuss von der Wartburg bis zur Karibik

Das Konzert mit dem Chor der Konzertgesellschaft Schwerte, dem Oratorienchor der Stadt Kamen und der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Franz Leo Matzerath. © Schwerte

Sommerlichen Opern- und Operettengenuss brachte das große Konzert „Highlights der Proms“ in die Rohrmeisterei. Chor der Konzertgesellschaft und Oratorienchor Kamen konnten wieder einmal auf die Unterstützung der Neuen Philharmonie Westfalen zählen, die mit Franz Leo Matzerath am Pult auch eigene Beiträge einflocht. Beinahe wären Glanz verblasst, Arien und Duette ausgefallen, denn beide Solisten erkrankten. Doch kurzfristig konnte mit der jungen Sopranistin Simone Krampe vom Landestheater Detmold und dem erfahrenen Tenor Anton Kuhn aus Hannover Ersatz verpflichtet werden.

Begrüßung zu Wagners Tannhäuser

Freudig, doch mit kleinen Irritationen in den ersten Takten begrüßte die Sängerschar die Halle mit dem Einzug der Gäste aus Wagners Tannhäuser. Moderator Roland Vesper, Hornist des Orchesters, zeigte sich nicht begeistert von Anglizismen. Ihm wäre „Opernabend“ anstelle des Konzerttitels lieber gewesen. Dabei ging es durchaus international zu beim musikalischen Streifzug von Italien bis Russland. Anrührend begeisterten die Soli mit Lehar, dessen Vilja- und Wolga-Lied. Krampe ließ mit Künneke den Mond erstrahlen, der Chor duftig die Orangen erglänzen. Immer wieder tauchten Nummern aus Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana im Programm auf, einem blutigen Opernspektakel in ländlich sizilianischem Milieu.

Dabei waren doch eine friedvolle Landschaftsschilderung, frommer Gesang aus der Kirche zu erleben. Die Solisten fragten sich, wer sie denn getraut habe. Es sollte nicht das letzte Duett bleiben.

Schauspieltalent des Dirigenten

Schauspielerisches Talent bewies Matzerath am Pult bei Haydns Abschiedssinfonie, tat verblüfft, als ein Musiker nach dem anderen seinen Platz verließ, manche sich gar mit Handschlag verabschiedeten. Das Geschehen verlegte Vesper irrtümlich an den Plattensee, verwechselte die Schlösser der Fürstenfamilie Esterhazy. Haydns Musiker wollten nach dem Sommer endlich zu ihren Familien, ja, aber die lebten in Eisenstadt, nicht in Wien. Und der Fürst hatte das Orchester zu lange in seiner Sommerresidenz Fertöd auf der ungarischen Seite des Neusiedlersees festgehalten.

Mit Régis Vincent trat ein anderer Orchestermusiker als Solist hervor, erhielt für das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert großen Beifall. Noch einmal Wagner erlaubte den Choristen einen glanzvollen Auftritt mit dem Hochzeitsmarsch aus Lohengrin. Mit Lehar, dem Trinklied aus „La Traviata“ und Höhepunkten der „Fledermaus“ bereicherten die Solisten die zweite Hälfte, kämpften trotz toller Stimmen ebenso wie das tiefe Blech des Orchesters mit den Tücken der Saalakustik. Von letzterem blieb oftmals der sonore Klang verborgen, drangen nur schnarrende Obertöne durch.

Ausflug ins Südsee-Paradies

Mit viel Schlagwerk ließ die Philharmonie das Piratenschiff zum Entern anlaufen, beschrieb paradiesische Momente der Suite zum Film „Fluch der Karibik“. Der Chor schließlich intonierte in Phantasiesprache „Conquest of Paradise“, jene Hymne, die Henry Maske in den Boxring geleitete. Ein Programm mit großem Unterhaltungswert, das selbst Zaungäste fesselte.

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