Hoch über Schwerte soll Europa tatsächlich zusammenwachsen

hzPflanzfest 2020

Ein Symbol für Europa, aus Holz, Stahl und Stein. Das ist zum Auftakt des Pflanzfests 2020 im Babywald in Ergste offiziell vorgestellt worden. Geschaffen wurde es mit einer Kettensäge.

Schwerte

, 04.10.2020, 22:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hätte man sich nicht erst Anfang Oktober hier treffen wollen, sondern schon im Mai. Ein großes Fest wäre geplant gewesen, erklärte Jürgen Paul, Schwertes stellvertretender Bürgermeister.

Das Jugendamt, der Stadtsportverband, die Jugendfeuerwehr, die DLRG, viele weitere Mitstreiter – alle wären hierhergekommen zur Wiese neben dem Friedhof in Villigst, hier hoch über der Stadt. Spiele hätte es gegeben und eben auch die Enthüllung dessen, was jetzt erst am 4. Oktober vorgestellt wurde.

„Die Idee ist im letzten Jahr bei unserem Europafest auf dem Marktplatz entstanden“, erinnert sich Jürgen Paul. „Das Problem ist ja, dass Europa offenkundig nicht so zusammenwächst, wie wir uns das eigentlich vorgestellt haben.“

15 neue Bäume wurden beim Pflanzfest 2020 gesetzt

Also wollte Paul, also wollte Schwerte ein Zeichen setzen. Ein weithin sichtbares, und zwar dort, wo die Generationen zusammenkommen: Neben dem Friedhof wächst seit vier Jahren der Babywald. Eltern, Großeltern, Freunde, Verwandte kaufen einen Baum, pflanzen ihn und widmen ihn einem Menschen. Meist einem Neugeborenen, aber es gibt auch andere Varianten.

Am Sonntag, als das Pflanzfest 2020 anstand, wurden 15 neue Bäume in die Erde gesetzt: vor allem Ahorn, aber auch Lärchen, Platanen, Linden, besorgt vom Gartencenter Pötschke, dann selbst in die Erde gesetzt von kleinen Familien- oder Freundesgruppen.

Der „Woodkatter“, ältester Kettensägenschnitzer Deutschlands

Was vor vier Jahren am Waldrand begann, greift sich mittlerweile schon einen ordentlichen Teil der Wiese: Der Babywald wächst, ebenso wie jeder einzelne Baum. Und wenn das so weitergeht, „steht auch die Stele irgendwann mitten im Wald“, freut sich Jürgen Paul.

Noch steht sie auf freiem Feld, gut sichtbar für jeden, der sich dem Babywald nähert: diese Europa-Stele, geschaffen vom „Woodkatter“ Bernd Schumacher (71) aus Westhofen, der von sich selbst sagt, er sei „der vielleicht noch älteste Kettensägenschnitzer Deutschlands“.

„Das ist eine Eiche“, sagt er. Beziehungsweise: Das war sie, bevor er sie entrindete und die Säge ansetzte, einige feine Linien schuf, vor allem aber Platz, um neun Schilder einzulassen: Allouagne, Béthune, Cava de‘ Tirreni, Hastings, Labuissière, Leppävirta, Nowy Sącz, Pjatigorsk und Violaines.

Schwertes neun Partnerstädte in Frankreich, Italien, Großbritannien, Finnland, Polen und Russland eben.

Oben die Flagge, unten das Fundament

Am oberen Ende sägte der „Woodkatter“ eine Schräge, färbte sie blau, setzte zwölf gelbe Sterne darauf. Die Europaflagge.

Unten wiederum wurde alles einbetoniert und eingepackt in eine Silhouette der Stadt Schwerte aus Cortenstahl sowie in dicke Steine. Die wiederum sollen das Fundament Europas darstellen und darauf hinweisen, dass „das Fundament Europas weiter wachsen kann“, wie Paul sagt.

Rund um die Stele stehen zehn Büsche: einer für jede der neun Partnerstädte, ein zehnter für Schwerte. Wenn alles gut wächst in den nächsten Jahren, bilden sie irgendwann eine Einheit um die Stele herum. Paul unterstreicht: „Das soll symbolisieren, dass Europa zusammenwachsen muss oder zusammenwachsen soll.“

Europa in Frieden und Freiheit – das sei eben keine Selbstverständlichkeit, sondern eine besondere Errungenschaft. Es lohne sich, daran zu erinnern.

Und so gab es denn zur Eröffnung auch die passende musikalische Untermalung: die „Ode an die Freude“, die Europahymne, der Schluss aus Beethovens Neunter, dargeboten von jungen Geigerinnen der Musikschule.

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