80 Bauarbeiter stoppen den Bau der neuen Lennetalbrücke an der A45

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Mehr Lohn und eine Vergütung für lange Anfahrtswege fordern die Mitarbeiter des Baukonzerns Hochtief. Dafür traten sie am Donnerstag in einen Warnstreik - an einem symbolträchtigen Ort.

Schwerte

, 01.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rote Gewerkschaftsfahnen flatterten auf dem Bauplatz unter der Lennetalbrücke. Klapperhände klapperten, übertönt noch vom Getöse der Tröten. Die Autofahrer, die sich hoch oben durch das Baustellen-Nadelöhr an der Autobahn A45 quälten, bekamen von alledem nichts mit. Sie vermissten höchstens die 80 Bauarbeiter und Ingenieure, die am Donnerstagnachmittag in einen dreistündigen Warnstreik getreten waren. Damit wollten die Mitarbeiter der Firma Hochtief Druck machen auf die laufenden Verhandlungen für einen Haustarifvertrag beim größten deutschen Baukonzern.

Symbolträchtige Kulisse für den zentralen Warnstreik in NRW

Als symbolträchtige Kulisse für den zentralen Streik in NRW hatte die Industriegewerkschaft Bauen-Agar-Umwelt (IG Bau) die Großbaustelle Lennetalbrücke ausgewählt. Als einer von bundesweit fünf Standorten, an denen gleichzeitig zum Warnstreik aufgerufen worden war. „Die Arbeitgeber jammern, wie schlecht es ihnen geht“, sagte Antonia Kühn, Regionalleiterin der IG Bau Rheinland. Aber die Zahlen würden beweisen, wie gut die Firmen durch die Corona-Pandemie gekommen seien. Und zu tun gebe es angesichts des enormen Investitionsstaus in NRW genug.

Seit 2014 läuft der Neubau der knapp einen Kilometer langen, sechsspurigen Lennetalbrücke an der A45. Beim Warnstreik am Donnerstagnachmittag ruhten die Arbeiten der Firma Hochtief.

Seit 2014 läuft der Neubau der knapp einen Kilometer langen, sechsspurigen Lennetalbrücke an der A45. Beim Warnstreik am Donnerstagnachmittag ruhten die Arbeiten der Firma Hochtief. © Reinhard Schmitz

„Pfui, so geht man mit den Leuten nicht um“, rief Antonia Kühn unter Applaus ins Mikrofon, das in Coronazeiten vor jeder Weitergabe an einen neuen Redner mit Desinfektionsmittel besprüht wurde: „Eure Arbeit wird nicht genug wertgeschätzt.“ Das müsse sich schon alleine ändern, um Nachwuchs zu gewinnen. Denn für zwei Ausbildungsbildsplätze gebe es aktuell jeweils nur einen Bewerber.

IG Bau fordert eine Lohnerhöhung von 6,8 Prozent

Während die IG Bau eine Lohnerhöhung von 6,8 Prozent fordert, habe Hochtief bislang lediglich ein Plus von 1,5 Prozent angeboten, erklärte Antonia Kühn. Dabei hat der Konzern nach Angaben von Verhandlungsführerin Nicole Simons (Frankfurt) in diesem Jahr die Dividendenzahlung für die Anteilseigner um 16 Prozent erhöht.

Verhandlungsführerin Nicole Simons (Frankfurt) sprach zu den Warnstreikenden an der Lennetalbrücke.

Verhandlungsführerin Nicole Simons (Frankfurt) sprach zu den Warnstreikenden an der Lennetalbrücke. © Reinhard Schmitz

Ein weiterer Knackpunkt ist die Forderung nach einer Vergütung für die Wegezeit. „Der Weg vom Wohnort zur Baustelle ist Privatvergnügen“, erläuterte Sven Bönnemann, stellvertretender Regionalleiter der IG Bau Westfalen. Es gebe lediglich ein Spritgeld. Aber die Anfahrten dauerten immer länger. Während der Durchschnittspendler 17 Kilometer zum Arbeitsplatz bei zurücklege, seien es bei Bauleuten im Schnitt 64 Kilometer - was auch an der Zentralisierung von Niederlassungen liege. Gerade junge Kollegen würden sich aber wünschen, ihre Kinder auch mal vor dem Schlafengehen zu sehen.

Video
Hochtief-Arbeiter streiken auf der Großbaustelle Lennetalbrücke

Für das Bauhauptgewerbe, zu dem Hochtief wegen des eigenen Haustarifvertrages nicht zählt, hat die Gewerkschaft schon ein Lohnplus von 2,6 Prozent plus 500 Euro Coronaprämie erreicht. Für Hochtief werden die Verhandlungen am 7./8. Oktober in Essen fortgesetzt.

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