Hygiene-Regeln der Schwerter Händler: Uneinheitlich und oft kurios

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Beim Einkauf müssen sich die Schwerter in jedem Geschäft auf andere Hygiene-Regelungen einstellen. Was im Laden erlaubt ist und was nicht, nimmt mancherorts kuriose Züge an.

Schwerte

, 22.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Überall in der Stadt hängen sie, kleben auf dem Boden oder sind vor der Eingangstür aufgestellt: Hinweise auf die Hygienemaßnahmen in den Geschäften. Die unterscheiden sich jedoch zum Teil stark, denn: Es fehlt an klaren Vorgaben.

Verordnung nicht konkret genug

In der Fußgängerzone trifft man auf Menschen, die aufmerksam die Schilder vor den Geschäften studieren, auf denen die jeweils dort gültigen Hygiene-Regeln aufgeführt sind. Oft trauen sich Kunden erst nach dem Studium der Hinweise – in der Sorge etwas falsch zu machen – in den Laden.

Überall einheitlich ist auf diesen Schildern nämlich nur eins geregelt: Seit dem 27. April müssen Kunden beim Betreten eines Geschäftes einen Mund-Nasen-Schutzes tragen.

Die restlichen Formulierungen der Coronaschutzverordnung des Landes legt jeder Händler anders aus. Dort werden lediglich „geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen Personen“ verlangt. Wie das konkret umgesetzt wird, entscheidet jedes Geschäft für sich.

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Viele Supermärkte mit Einkaufswagen-Pflicht

Das erklärt die unterschiedlichen Regelungen für die Kunden. Am Supermarkt lauert die erste Falle bereits vor dem Eingang. Viele Lebensmittelhändler, aber auch Bau- und Gartenmärkte regeln über eine Einkaufswagen-Pflicht die Kundenzahl in ihrem Markt.

Laut Corona-Verordnung darf sich pro zehn Quadratmeter Ladenfläche ein Kunde im Geschäft aufhalten.

Um das sicherzustellen, darf bei Lidl am Rosenweg kein Kunde den Laden ohne Einkaufswagen betreten. Doch hier folgt direkt der nächste Fallstrick: Paare nehmen oft nur einen Wagen, was allerdings meist geduldet wird. „Wenn eine Familie mit Kindern einkauft, sollten die aber zwei Wägen nehmen“, sagt eine Mitarbeiterin.

Bei Lidl wird die Anzahl der Kunden durch die Einkaufswägen beschränkt. Die restlichen Wägen wurden mit Klebeband abgesperrt.

Bei Lidl wird die Anzahl der Kunden durch die Einkaufswägen beschränkt. Die restlichen Wägen wurden mit Klebeband abgesperrt. © Dennis Görlich

Ähnlich läuft es auf der anderen Seite bei Edeka ab. Dort dürfen sich maximal 60 Personen aufhalten. Entsprechend viele Einkaufswagen stehen zur Verfügung. Hier sagt eine Mitarbeiterin: „Die Einkaufswagen-Pflicht gilt pro Haushalt, wenn es aber voll wird, achten wir darauf, dass jede Person einen Einkaufswagen nimmt.“

Am Eingang werden die Kunden auf einem Schild darauf hingewiesen, den Einkauf möglichst zügig zu erledigen, um Wartezeiten für andere Kunden zu vermeiden.

Flächendesinfektion wird für Hände genutzt

Während bei Edeka der Kunde eine Desinfizierung des Einkaufswagens in eigener Verantwortung durchführen muss, steht bei Lidl direkt an der Parkbox der Wägen eine „Service-Station“ mit Papierhandtüchern und Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Viele Einzelhändler bieten den Kunden Desinfektionsmittel, um Einkaufswagen oder Hände zu desinfizieren.

Viele Einzelhändler bieten den Kunden Desinfektionsmittel, um Einkaufswagen oder Hände zu desinfizieren. © Dennis Görlich

Normalerweise. Da der Papierspender zeitweise leer war, benutzten die Kunden die als „Flächendesinfektionsmittel“ gekennzeichnete Flüssigkeit meist für ihre Hände.

Der Rewe-Markt am Bahnhof bietet Kunden zwar auch Desinfektionsmittel an, allerdings musste der Kunde dazu schon einige Meter mit dem Einkaufswagen zurücklegen.

Bei Scheidings an der Ostenstraße muss sich der Kunde dagegen nicht mit der Desinfizierung des Einkaufswagens auseinander setzen. Nach dem Einkauf wird jeder Wagen von einem Mitarbeiter desinfiziert, ehe er dem nächsten Kunden zur Verfügung steht. Auf Trennung wird hier offenbar Wert gelegt, der Türbereich wurde durch Absperrband in einen Ein- und Ausgang unterteilt.

Bei Scheidings sind Ein- und Ausgang mit Absperrband voneinander abgetrennt

Bei Scheidings sind Ein- und Ausgang mit Absperrband voneinander abgetrennt © Dennis Görlich

Selbst die Abstandsregel ist flexibel

Bei Aldi am Bahnhof wird der Einkauf mit einem Wagen lediglich zur besseren Einhaltung der Sicherheitsabstände empfohlen, eine Pflicht zur Benutzung gibt es nicht. Hier gilt allerdings eine Abstandsregel von zwei Metern, statt der gesetzlichen Vorgabe von 1,50 Metern.

Nebenan im Rewe wird es dann ganz kurios. Am Eingang wird auf einer Seite eines Aufstellers auf den nötigen Abstand von einem Meter zu anderen Personen hingewiesen. Auf der anderen Seite dieses Aufstellers wird dagegen zu einem 2-Meter-Abstand aufgerufen.

Immerhin: In den Kassenbereichen der Märkte wird durch Bodenmarkierungen der nötige Abstand aufgezeigt, ohne als Kunde selbst schätzen zu müssen.

Zutritt nur mit „Besuchslöffel“

Bei Kotte am Markt hat sich Inhaberin Christiane Dornbracht etwas besonderes für die Kunden einfallen lassen. Damit sich maximal 20 Kunden gleichzeitig in das Geschäft begeben, muss jeder Kunde einen „Besuchslöffel“ mit sich führen.

Durch „Besuchslöffel“ wird bei Kötter sichergestellt, dass sich höchstens 20 Kunden zeitgleich im Geschäft aufhalten.

Durch „Besuchslöffel“ wird bei Kötter sichergestellt, dass sich höchstens 20 Kunden zeitgleich im Geschäft aufhalten. © Dennis Görlich

Anfangs kam es deshalb zu heiklen Situationen: „Ich habe zu einer Kundin gesagt, sie könne den Löffel abgeben, das kam dann etwas missverständlich rüber“, sagt die Chefin amüsiert. Der Einlass verlaufe aber problemlos mit viel Geduld der Kunden.

Auch in der Buchhandlung von Olaf Bachmann haben sich die Kunden an die neue Lage angepasst. „Das läuft bei uns ganz reibungslos und gesittet ab“, sagt Bachmann.

Ein Aufsteller am Eingang weist darauf hin, dass sich maximal zwei Kunden zeitgleich in der Buchhandlung aufhalten dürfen. Das funktioniert offenbar bestens: „Wir müssen die Kunden fast schon rein bitten.“ In den vergangenen Wochen habe es nicht einen einzigen Vorfall gegeben, in dem sich Kunden nicht an die Regeln gehalten hätten.

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Bei Kaufland scheint es ebenfalls kaum Probleme zu geben. Pressesprecherin Andrea Kübler erklärt auf Anfrage, dass sich die Kunden an die Regeln halten: „Aufgrund dieses eigenverantwortlichen Verhaltens sowie der Größe unserer Filialen können wir in Schwerte sowohl auf den Einsatz von Sicherheitsunternehmen als auch auf eine Einkaufswagenpflicht verzichten und damit wieder etwas mehr zur Normalität zurückkehren.“

Normalität wünschen sich dieser Zeiten vermutlich viele zurück.

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