Die Eheleute Eisenberg aus Schwerte wurden am Impfzentrum in Hagen abgewiesen. © Eisenberg
Impfzentren

Irrfahrt trotz Terminzusage: Ehepaar aus Schwerte am Impfzentrum Hagen abgewiesen

Ernüchterung für die Eheleute Eisenberg aus Schwerte: Trotz Terminbestätigung wurden sie am Impfzentrum Hagen abgewiesen. Die Anweisung des Ministeriums ist eindeutig – die Rechtfertigung der Stadt Hagen diffus.

Martina Eisenberg ist ernüchtert. Für sich selbst und ihren Mann Friedrich hat sie am Ostersamstag einen Impftermin im Impfzentrum Hagen gebucht. Vor Ort wartete das Ehepaar drei Tage später darauf, diesen Termin wahrnehmen zu können – wurde jedoch abgewiesen. Die Begründung: Da sie ihren Wohnsitz in Schwerte haben, dürften sie nicht geimpft werden.

„Ich habe über die Seite der KVWL ein Impfzentrum frei auswählen können“, erklärt die 64-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. „Auch in Unna wäre ein Termin möglich gewesen, aber für uns war es günstiger, Hagen auszuwählen.“ Es folgte eine Bestätigung per E-Mail mit Zusage des Termins – Dienstag, den 6. April. Am Tag des Termins selbst habe Eisenberg sogar noch eine Erinnerungsmail bekommen.

Eine Stunde Warten in der Kälte

„Wir sind dann hingefahren um 16.45 Uhr und haben eine Stunde in der Kälte Schlange gestanden, bis wir dran waren.“ Als die Eheleute dann endlich an der Reihe waren, erfolgte die Fiebermessung und die Abfrage nach Kontakten. Dann wurden die Ausweise kontrolliert. „Uns wurde dann gesagt: ‚Wir impfen Sie nicht, Sie sind ja nicht aus Hagen.‘“ Das Ehepaar musste ungeimpft nach Hause fahren – trotz Terminzusage und „nach einer Stunde Warten bei eisiger Kälte draußen im Schnee“.

Hatte das Impfzentrum die Berechtigung, das Ehepaar wegzuschicken? „Es besteht kein Wohnortsprinzip. Grundsätzlich ist es also möglich, einen Termin in einem anderen Kreis zu erhalten“, lautet die Antwort eines Sprechers des Gesundheitsministeriums NRW.

Auf Anfrage bestätigt Andreas Daniel, Sprecher der KVWL (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe), dass es keine Einschränkungen für Bürgerinnen und Bürger gebe, ganz unabhängig des Wohnortes. „Es war ja ein Angebot des Landes NRW, dass die 400.000 Dosen Astrazeneca an über 60-Jährige verimpft werden konnten. Entsprechend hätte die Stadt Hagen die Personen nicht abweisen dürfen.“

Die Stadt Hagen erklärte am Donnerstag (8.4.) bei einer ersten Nachfrage dieser Redaktion: „Die Kommunen bekommen anhand der Einwohnerzahl den Impfstoff zugeteilt – unter normalen Bedingungen geht die Vergabe der Termine nach dem Wohnort, damit für die Bürgerinnen und Bürger genug Impfstoff zur Verfügung steht“, so Pressesprecherin Clara Treude.

Für Martina Eisenberg ist das nicht verständlich: „Ich habe eine Freundin in Hagen. Ihr Sohn lebt in Köln mit seiner Familie, durfte sich aber dennoch in Hagen impfen lassen. „Ich kann mich jetzt nirgendwo mehr anmelden, das ist ja jetzt erst mal nicht mehr möglich.“

Bei einer zweiten Anfrage erklärte die Stadt Hagen dann wenig später: „Das Problem war, dass alles sehr unklar kommuniziert wurde. So sind die Kollegen davon ausgegangen, dass die Impfmöglichkeit nur für Leute mit Wohnsitz gilt“, so Treude.

Erst über Umwege sei an das Impfzentrum herangetragen worden, dass eben auch Personen mit Wohnsitz außerhalb Hagens einen Termin wahrnehmen dürfen.

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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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