205 Mal haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr einem Kunden den Strom abgestellt. Kann das in Corona-Zeiten auch passieren? Was muss ich tun, wenn ich nicht Zahlen kann?

Schwerte

, 15.04.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie führt derzeit dazu, dass viele Leute Schwierigkeiten dabei haben, ihre Rechnungen für Strom und Gas pünktlich zu bezahlen. Einige Energieversorger haben daher angekündigt, freiwillig vorübergehend auf Gas- und Stromsperren zu verzichten.

Hier gibt es Antworten auf alle wichtigen Fragen rund um Stromsperren und Zahlungsaufschübe.

Wird mir der Strom abgedreht, wenn ich nicht bezahlen kann?

Haushalte, die fortlaufende Zahlungsverpflichtungen wie die Abschläge für Strom und Gas nicht bedienen können, erhalten in der akuten Krise einen maximal dreimonatigen Zahlungsaufschub.
Das gilt jedoch höchstens bis zum 30. Juni 2020 und nur für Verträge, die vor dem 8. März 2020 geschlossen wurden. Außerdem muss der Zahlungsverzug auf die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus zurückzuführen sein. Neben Energieverträgen gilt das auch für Wasser-, Telefon- und Internetverträge.


Heißt das ich muss meine Rechnungen erstmal nicht bezahlen?

Nach wie vor gilt: Die monatlichen Abschläge für Strom oder Gas müssen früher oder später bezahlt werden. „Auch wenn ein Zahlungsaufschub gewährt wird, bedeutete das keine Zahlungsbefreiung für die Kunden“, betont Angelika Weischer, Leiterin der Beratungsstelle in Schwerte der Verbraucherzentrale NRW.

Spätestens wenn die Corona-Krise abklinge, könne im Energiebereich auch das Abdrehen der Gas- oder Stromversorgung wieder zum Thema werden. Nur wer durch die Corona-Pandemie in seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, kann aber bis zum 30. Juni 2020 ein gesetzliches Leistungsverweigerungsrecht geltend machen.
Dazu sollte man den Energieversorger informieren und muss gegebenenfalls nachweisen, dass Folgen der Pandemie derzeit die Wahrung eines angemessenen Lebensunterhalts gefährden.

Was kann ich machen, wenn ich zahlungsunfähig bin?

Die Verbraucherzentrale NRW rät dazu bei Zahlungsschwierigkeiten den Energieversorger zu kontaktieren, die eigene Situation zu schildern und Lösungen zu besprechen. Zudem empfiehlt sie verschiedene Handlungsmöglichkeiten.
Wer offene Rechnungen nicht auf einen Schlag begleichen kann, sollte um eine Ratenzahlung bitten. Bei absehbar vorübergehenden Zahlungsproblemen lässt sich auch jenseits des neuen und vorübergehenden gesetzlichen Anspruchs eine Stundung aushandeln. Das bedeutet, dass die Schulden erst später zurückgezahlt werden müssen.
Wer Sozialleistungen erhält, kann vom Jobcenter oder dem Sozialamt Geld leihen, um seine Energieschulden zu begleichen. Ein solches Darlehen können Betroffene formlos beantragen.

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Wo kann ich mir Hilfe suchen?

Betroffene müssen nicht allein gegen drohende Energiesperren vorgehen. Tipps und Unterstützung bei nötigen Schritten gibt es zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale NRW. Auch Rechtsanwälte und Schuldnerberatungen können helfen.
Betroffene müssen nicht allein gegen drohende Energiesperren vorgehen. Tipps und Unterstützung bei nötigen Schritten gibt es zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale NRW unter der Telefonnummer 02304/942260. Auch Rechtsanwälte und Schuldnerberatungen können helfen.

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Wann wird der Strom normalerweise abgedreht?

Auch im Normalfall gehen einer Stromsperre mehrere Schritte voraus. „Bei uns gibt es zunächst einmal einen Zahlungssockel von 100 Euro bevor eine Mahnung kommt.“, erklärt Sonja Bruske von den Stadtwerken Schwerte. Ist die offene Rechnung höher als hundert Euro, werde ein Mahnverfahren mit Zahlungsaufforderung eingeleitet.
„Wird die zweite Mahnung auch nicht bezahlt, kommt vor der Stromsperre meist einer unserer Mitarbeiter zum Kunden, um ihm die Situation zu erklären und vor einer möglichen Sperre zu warnen.“, so Bruske.

Wie oft gibt es in Schwerte Stromsperren?

Im letzten Jahr gab es insgesamt 205 Stromsperrungen - dazu kommen 16 Sperrungen für den Gasanschluss. Die durchschnittliche Dauer der Sperrungen liege bei etwa 18 Tagen. „Das ist vergleichsweise eher wenig. Der Großteil der Anschlüsse ist auch wiederhergestellt.“, berichtet Sonja Bruske. Die übrigen Anschlüsse stammen meist von Kunden, die nicht mehr auffindbar seien.

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