Die Metzgermeister Ralf Wilkes (l.) und Christian Rafalcik besiegeln die Übergabe des traditionsreichen Schwerter Betriebes. © Reinhard Schmitz
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Kein Wilkes mehr bei Wilkes: Traditions-Metzgerei geht an „Hackepeter“

Seit 1908 gibt es die Metzgerei Wilkes an der Bahnhofstraße. Vier Generationen war sie in Familienhand. Jetzt übergibt Ralf Wilkes an einen Nachfolger. Das hat Auswirkungen auf die Filialen.

Für die Kinder ändert sich am wenigsten. Sie werden sich weiterhin über ihr Stückchen leckere Fleischwurst freuen können, das ihnen die Verkäuferin mit einem freundlichen Lächeln über die Glastheke entgegenreicht.

Vielleicht ist es sogar die, deren Gesicht sie schon lange kennen und die ihren Namen weiß. Denn die gewohnte Belegschaft bleibt an Bord, wenn in dem Schwerter Traditionsgeschäft ein neuer Betreiber das Ruder übernimmt.

Der Nachfolger stammt aus Fröndenberg

Auch der gewohnte Namenszug über dem Schaufenster bleibt erst einmal erhalten, wenn zum ersten Mal seit über über 100 Jahren kein Wilkes mehr in der Wurstküche steht. Metzgermeister Ralf Wilkes (59), der das Geschäft mit Ehefrau Beate Wilkes (59) seit 1989 in vierter Generation führt, übergibt den Familienbetrieb zum 1. März 2021 in jüngere Hände. Nachfolger wird Fleischermeister Christian Rafalcik (38) aus Fröndenberg, der bereits zwei Filialen in Unna und Menden betreibt.

Die Familie Wilkes (l.) übergibt ihre traditionsreiche Metzgerei zum 1. März 2021 an die Familie Rafalcik (r.) aus Fröndenberg.
Die Familie Wilkes (l.) übergibt ihre traditionsreiche Metzgerei zum 1. März 2021 an die Familie Rafalcik (r.) aus Fröndenberg. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Christian Rafalcik hat einen sehr hohen Qualitätsanspruch – genauso wie ich. Da passen unsere Betriebe sehr gut zusammen“, erklärt Ralf Wilkes. Die Produkte, die er probiert hat, haben ihn überzeugt. Hergestellt werden sie im Stammbetrieb in Fröndenberg, wo eine Erweiterung geplant ist.

Täglich soll ein modernes Kühlfahrzeug die frische Ware in die Ruhrstadt bringen. Deren Geschmack kennen die Schwerter eigentlich schon. Denn seit fast vier Jahren steht Christian Rafalcik schon mittwochs und samstags mit einem Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt – genau zwischen Käste Rest und Fisch Holtmann.

Gern möchte er auch Rezepte mit Ralf Wilkes austauschen, der anbietet: „Ich werde meinem Nachfolger mit beratender Tätigkeit zur Seite stehen.“ Auch um regionale Spezialitäten wie beispielsweise Möpkenbrot braucht man sich nicht zu sorgen. Und der Partyservice bleibt natürlich ebenfalls.

Die Filiale in Westhofen wird schon vor Weihnachten geschlossen

Christian Rafalcik stammt ebenfalls aus einem Familienbetrieb. Sein Vater Horst Rafalcik hatte1985 die Metzgerei Karl Steinweger in Fröndenberg übernommen, die er seit 2007 selbst weitergeführt und um die ersten beiden Filialen erweitert hat.

Bei der Eröffnung des Zweiggeschäfts in Unna vor zwei Jahren gab er dem Betrieb eine neue Marke: „Hackepeter Heimatfleischerei und gute Speisen“. „Mein Vater brauchte zum Frühstück immer Mett mit Petersilie“, verrät er, wie er auf den Namen kam.

Nach und nach sollen alle Läden auf diese Marke umgestellt werden, die auch symbolisiert, dass Fleisch von Landwirten aus der Umgebung verarbeitet wird – ohne lange Transportwege und aus tiergerechter Haltung.

Seit 1908 ist die Metzgerei Wilkes an der Bahnhofstraße 19 eine erste Adresse für Fleisch und Wurst. Vier Generationen lang wurde sie von der Inhaberfamilie selbst betrieben.
Seit 1908 ist die Metzgerei Wilkes an der Bahnhofstraße 19 eine erste Adresse für Fleisch und Wurst. Vier Generationen lang wurde sie von der Inhaberfamilie selbst betrieben. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

In Schwerte übernimmt Christian Rafalcik nicht nur das Wilkes-Stammhaus an der Bahnhofstraße 19, sondern auch die Filiale am Holzener Weg. Die Metzgerei-Filiale an der Reichshofstraße in Westhofen, die bereits vor einem Jahr einmal auf der Kippe stand, muss dagegen am 12. Dezember wegen Personalmangels vorzeitig für immer geschlossen werden. Außerdem laufe der Mietvertrag aus, heißt es: „Und auch aus Gründen einer vernünftigen Produktions- und Personalwirtschaft ist es der richtige Schritt in die Zukunft.“

Seit der Gründung 1908 war die Metzgerei immer im Familienbesitz

Ralf Wilkes und seine Frau Beate, die immer im Laden stand, freuen sich darauf, ab März nicht mehr immer um 4 Uhr aufstehen zu müssen. Meistens war der Arbeitstag nicht vor 20 Uhr beendet, am Wochenende mit Partyservice oft noch später: „Wir waren doch von morgens bis abends nur im Betrieb. Jetzt möchten wir einfach mal ein bisschen das Leben genießen.“

Bei ihrem Nachfolger – der Kontakt wurde über die Innung geknüpft – wissen sie das Familienerbe in guten Händen. 1908 hatte Karl Wilkes die Metzgerei an der Bahnhofstraße gegründet. Sie ist eines der ältesten Unternehmen in Schwerte, das bislang immer in Familienbesitz war.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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