LKW rammte Stromkasten in Westhofen und legte drei Betriebe lahm

hzIm Ostfeld

Kleiner LKW-Unfall, große Folgen: Mehrere Firmen in Westhofen sind am Dienstag ohne Strom gewesen. Die einen fluchten, andere hatten spontan frei. Denn die Arbeiten zogen sich hin.

Westhofen

, 21.01.2020, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Computer, Telefon, EC-Cash – im Büro des Karosseriebaus Peter Karbstein läuft nichts davon. Alle Bildschrime und Displays schwarz, schon seit 10.30 Uhr am Dienstagvormittag, seitdem die Stadtwerke Schwerte den Strom abdrehen mussten, um den Schaltkasten komplett zu ersetzen.

Betroffen ist der ganze Wendehammer, mehrere Firmen, die dadurch ganz unterschiedlich getroffen wurden.

Irgendwann zwischen Montag, 17 Uhr, und Dienstag, 7 Uhr, muss ein LKW im vorderen Wendehammer Im Ostfeld in Westhofen zurückgesetzt sein. Hinter dem Lastwagen: ein Stromkasten, der dabei umgenietet wurde.

LKW rammte Stromkasten in Westhofen und legte drei Betriebe lahm

So sah der Kasten am Morgen aus. Am Montagabend, in der Nacht oder am frühen Dienstagmorgen muss jemand dagegengefahren sein. © privat

Firmen an dieser Straße stundenlang ohne Strom

Seitdem ruht hier alles. Die Maschinen laufen nicht – weder bei Karbstein oder nebenan bei Gustav Fülbier Stahlbau noch am hinteren Wendehammer bei Synganowitz Luft- und Klimatechnik oder in der angrenzenden Fahrzeughalle des Blumen-Risse-Hauptsitzes.

Für Risse ist es noch das kleinste Problem. In den anderen Gebäuden habe man ja Strom, hieß es vor Ort. Man habe dann anders weitergearbeitet.

„Wir können nicht flexen, nicht schweißen, nicht lackieren“

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite weiß Karosserie- und Fahrzeugbaumeister Torsten Karbstein aber nicht so recht, was er und seine Mitarbeiter tun sollen.

Karbstein hat über das Smartphone zwar einen LTE-Hotspot eingerichtet, um am Laptop wenigstens Mails empfangen und beantworten zu können. Doch nicht einmal Rechnungen könne er schreiben. Das würde nur am richtigen PC gehen, das über Kabel Internet-Zugang habe. Normalerweise.

LKW rammte Stromkasten in Westhofen und legte drei Betriebe lahm

Kann in seinem Büro nur abwarten, bis der Strom irgendwann wieder da ist: Torsten Karbstein, Karosserie- und Fahrzeugbaumeister. © Björn Althoff

Und nebenan, in der Fahrzeughalle, ist man ebenso ratlos. „Wir können nicht schweißen, wir können nicht flexen, nicht lackieren, nichts“, sagt Torsten Karbstein.

Einzig das batteriebetriebene Radio dudelt. Die Lampen habe man noch kurz aufgeladen, solange noch Strom da war. Ja, der Schraubenschlüssel an sich, brauche keinen Strom. Alles andere aber schon.

Stahlbau-Chef gab seinen Mitarbeitern spontan frei

Nebenan im Stahlbaubetrieb ist längst schon niemand mehr. Chef Rainer Fülbier entschied am Vormittag: Wenn die Maschinen nicht laufen, kann auch keiner mehr was tun. Also gab er den Mitarbeitern frei. Wie groß der Schaden ist, kann auch Fülbier so spontan nicht schätzen.

Aber er überlegt laut: Die Stadtwerke oder der Verursacher – irgendwer müsste ihm die Ausfälle doch schon ersetzen.

LKW rammte Stromkasten in Westhofen und legte drei Betriebe lahm

Hier ruhte der Betrieb: Chef Rainer Fülbier schickte seine Mitarbeiter am Dienstagvormittag nach Hause. © Björn Althoff

Die Mitarbeiter der Firma im Wendehammer erkundigen sich derweil bei den Strom-Fachleuten am neuen Kasten, wie lange es wohl noch dauern werde. Die Antwort: eine halbe Stunde vielleicht, das wäre dann 15 Uhr, eventuell etwas später. Also ein Zeitpunkt, zu dem eigentlich der allergrößte Teil des Arbeitstags schon gelaufen sein müsste.

Luft- und Klimatechnik-Anlagen werden hier entworfen, produziert, später vor Ort beim Kunden eingebaut. Der Jahresanfang ist auch hier die Zeit, zu der viele Aufträge kommen. Per Mail, also am Dienstag nicht. Und gestalten, zeichnen, entwerfen kann auch niemand ohne Computer, ohne Strom. Nicht einmal Telefon und Klingel funktionierten, sagen die Mitarbeiter.

8000 Euro Schaden – aber nur am Stromkasten an sich

Von 8000 Euro Sachschaden spricht die Polizei. Gemeint ist damit natürlich nur der Schaden am Stromkasten. Wie hoch die Verluste für die angrenzenden Firmen sind, taucht nirgendwo auf.

Was vermutlich auch nicht Sorge der Stadtwerke ist. Wer zivilrechtliche Ansprüche stellen wollte, müsste das gegen den Verursacher tun. Den sucht die Polizei weiterhin.

Hinweise nimmt die Polizei entgegen unter den Telefonnummern (02304) 921-3320 oder (02304) 921-0.

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