Mann (35) in Ergste gefoltert: So soll die Zeugen-Befragung ablaufen

hzTageslanges Martyrium

Gab es mehr als drei Täter? Wie sollen Zeugen befragt werden, wenn die längst wieder in Polen sind? Rund um die Erpressung eines Mannes (35) in Ergste gaben die Ermittler nun Antworten.

Ergste

, 29.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man stehe immer noch am Anfang der Ermittlungen. Das stellt Staatsanwalt Jörn Kleimann direkt zu Beginn des Gesprächs klar.

Schon rund eine Woche ist es her, dass die Polizei (22, 26, 29) drei Männer in Schwerte-Ergste festnahm. Sie sollen einen 35-Jährigen tagelang gefesselt, geschlagen und anderweitig gequält haben, offenbar um die PIN-Nummer seiner Bankkarte herauszubekommen.

Die Männer waren als Leiharbeiter aus Polen nach Deutschland gekommen und lebten in einem Haus in Schwerte-Ergste, in dem sie zusammen mit vielen Arbeitskollegen untergebracht waren.

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Tatverdächtige und Opfer wohnten wohl in einer WG

Wie wohl genau – auch dazu gab es nun von der Staatsanwaltschaft ein paar Details: Im Haus an der Straße Am Derkmannsstück habe es mehrere Wohngemeinschaften gegeben. „Die mutmaßlichen Täter und der 35-Jährige haben in einer dieser Wohngemeinschaften zusammengewohnt“, erläuterte Kleimann auf Anfrage unserer Redaktion.

Ein vierter weiterer Mitbewohner habe zunächst ebenfalls unter Tatverdacht gestanden. „Der Geschädigte hat allerdings erklärt, derjenige habe damit nichts zu tun.“

Dass der Verdacht ganz abgesehen von den Umständen auf der Hand liege, könne man sich verdeutlichen, wenn man das Geschehen als Gedankenspiel in ein Studenten-Wohnheim verlege, so Kleimann. Würde dort ein Mann körperlich und länger von Mitbewohnern angegangen, sei es ja zunächst auch möglich bis wahrscheinlich, dass alle Mitbewohner involviert seien.

35-Jähriger wurde vom Krankenhaus zur Vernehmung gebracht

Der 35-Jährige sei übrigens vom Krankenhaus zur richterlichen Vernehmung gebracht worden und anschließend wieder dorthin zurück.

Jetzt gehe es darum, „erst einmal die Fakten zu sortieren“ und sich anschließend an die „Umfeldbefragung“ zu machen. Wobei das nicht unbedingt räumlich zu verstehen ist.

Denn: Viele Arbeitskollegen, die ebenfalls im Haus in Ergste untergebracht waren, sind nach Beobachtungen von Nachbarn nicht mehr dort, sondern nach Polen zurückgekehrt. Ohnehin habe es ja einen starken personellen Austausch gegeben, hieß es. Etwa alle vier Wochen seien neue junge Männer aus Polen gekommen, andere offenbar dorthin zurückgekehrt.

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Staatsanwalt: Vernehmungen auch in Polen möglich

Ist es ein Problem, dass Zeugen nun nicht mehr in Schwerte sind? Staatsanwalt Kleimann winkt ab: „Nein, es ist durchaus möglich, einen Zeugen in Polen vernehmen zu lassen. Wir können ja darum bitten, dass ein Untersuchungsrichter dort die Befragung durchführt.“

In solchen Fällen komme dann anschließend die Akte nach Deutschland. Das laufe oft und problemlos. Schließlich sei man ja in der EU.

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