Maske rauf, Maske runter: Beim Ausflug ans Wasser erlebt man kuriose Momente. © Martina Niehaus
Ausflugstipp

Maskenpflicht am halben See? Kuriose Regeln beim Familien-Ausflug

Die Osterferien sind da, der Osterurlaub nicht. Gerade jetzt zieht es viele Schwerter an beliebte Ausflugsziele in der Nähe. Zum Beispiel ans Wasser. Hier können die Regeln mitunter kurios sein.

Sonniges Wetter, Schulferien, Ostern. Verreisen geht in der Corona-Pandemie gerade nur mit Hindernissen. Deshalb entschließen sich viele Familien für Tagesausflüge in der Nähe. Besonders beliebt sind Ziele am Wasser. Hier sollte man sich allerdings an die Regeln halten.

Ein abgespecktes Ausflugsprogramm erwartet Familien, die sich in Richtung Hengsteysee aufmachen. Der Stausee, der an Dortmund, Herdecke und Hagen grenzt, ist nicht weit von Schwerte entfernt. Ein knapp sieben Kilometer langer Rad- und Wanderweg führt um den See herum. Die Strecke am Südufer ist Teil des Ruhrtalradwegs. Außerdem gibt es den angrenzenden Harkortsee, der von Ausflüglern meist mit angesteuert wird.

„Weiße Flotte“ fährt noch nicht

Doch was ist mit den Corona-Regeln? „Am Hengsteysee gibt es keine Maskenpflicht“, sagt Ilka Finger, Pressesprecherin der Stadt Herdecke. „Trotzdem legen wir Wert auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, und die werden auch kontrolliert.“

Die Pressesprecherin weiß, dass der Hengsteysee gerade an Wochenenden zu den beliebten Ausflugszielen gehört. Sie bedauert, dass wegen Corona gerade nicht viel möglich ist. Die „weiße Flotte“, deren Boote den See befahren, ist zum Beispiel noch nicht fahrbereit.

Der Hengsteysee zwischen Hagen, Herdecke und Dortmund ist im Frühjahr und Sommer ein beliebtes Ausflugsziel.
Der Hengsteysee zwischen Hagen, Herdecke und Dortmund ist im Frühjahr und Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. © Dieter Menne (A) © Dieter Menne (A)

So teilt die Personenschifffahrt Hengsteysee mit: „Durch den aktuellen Corona- Lockdown müssen wir leider den geplanten Saisonstart zu Ostern verschieben. Auch der Ruder- und Tretbootverleih bleibt geschlossen.“ Das betrifft auch die MS Harkort, die den Harkortsee befährt.

„Man kann verstehen, dass die Menschen rauswollen“

Michael Kaub von der Stadt Hagen bestätigt die gleichen Corona-Regeln für den Harkortsee. „Wir haben verschiedene Zonen als Maskenpflicht-Zonen ausgewiesen, doch die Erholungsgebiete im Freien zählen nicht dazu“, sagt er. Wie seine Herdecker Kollegin bittet er aber alle Ausflügler inständig: „Halten Sie sich an die Regeln.“ Gerade bei schönem Wetter seien die beliebten Ziele oft überlaufen.

„Man kann verstehen, dass die Menschen rauswollen. Ich würde einen Ausflug in die schönen Wälder der Umgebung empfehlen“, sagt Kaub. Im Hagener Stadtwald gebe es Wildgehege, die man sich das ganze Jahr anschauen könne – das Wehringhauser Bachtal zum Beispiel. „Das ist ideal für einen Spaziergang mit Kindern.“

Auch eine Aussichtsplattform könne bestiegen werden – ohne Eintritt, ohne Schnelltests. „Das Gelände ist sehr übersichtlich. Da kann man schon von Weitem erkennen, wenn es möglicherweise zu voll wird.“

Kurios: Maskenpflicht am halben See

Apropos übersichtlich: An einem anderen See ganz in der Nähe spielt sich gerade eine besondere Posse ab. Der Kemnader Stausee bietet alles andere als Übersicht. Denn hier gilt eine Maskenpflicht – allerdings nur am halben See.

Der Grund für die kuriose Regelung: Der See liegt (mehr oder weniger genau) auf der Stadtgrenze zwischen Bochum und Witten – teilweise verläuft die Grenze längs über der Wasseroberfläche. Und die Stadt Bochum nimmt es mit der Maskenpflicht eben genauer als die Nachbarkommune.

Passiert man die kleine Brücke hinter dem Freizeitbad Heveney, befindet man sich auf
Passiert man die kleine Brücke hinter dem Freizeitbad Heveney, befindet man sich auf „Bochumer Seite“. Hier gilt eine Maskenpflicht. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Umrundet man den See also, gilt auf Bochumer Stadtgebiet zwischen 12 und 18 Uhr eine Maskenpflicht. Für Fußgänger, aber auch für Radfahrer oder Inliner. Überquert man die Grenze ins Wittener Gebiet, darf man die Maske abnehmen.

„Die Leute kommen in Scharen“

Peter van Dyk von der Bochumer Pressestelle begründet die verschärften Regeln für den Kemnader See: „Die Leute kommen an den Wochenenden in Scharen. Da ist es oft nicht möglich, die Mindestabstände einzuhalten.“ Man sei in der Stadt Bochum seit einigen Tagen wieder über der 100er-Inzidenz. „Gar nichts machen ist keine Option.“

Das Problem seien nicht die Jogger oder Spaziergänger. „Es sind die Leute, die sich zum Grillen oder Picknicken hinsetzen“, erklärt van Dyk. Deshalb gebe es auch Kontrollen durch das Ordnungsamt. „Anfangs gibt es nur eine Ansprache, es hagelt ja nicht sofort Bußgelder.“ Die meisten Jogger, Radfahrer oder Inliner seien vor 12 oder nach 18 Uhr unterwegs und könnten ihrem Sport zu diesen Uhrzeiten ohne Maske nachgehen.

Stadt Witten: „Das ist kein Aprilscherz“

Die Nachbarstadt Witten zieht da so nicht mit. „Die Bochumer sind vorausgegangen, die haben eine andere Philosophie für ihr Stadtgebiet“, sagt Pressesprecherin Lena Kücük.

Als Kompromiss gebe es „eine punktuelle Maskenpflicht: und zwar an den Engstellen der Brücke unter der A43, über die Ruhr und den Mühlengraben“. Dort sei es bei erhöhtem Besucheraufkommen besonders eng, und hier sei ein Ausweichen mit dem nötigen Abstand nicht möglich. „Eine Beschilderung an den Zugängen erfolgt am Donnerstag, 1. April. Nein, das ist kein Aprilscherz“, heißt es in der Pressemitteilung.

An der Unterführung zur Autobahn kann es voll werden. Emilia und Mats halten sich dran und tragen Maske.
An der Unterführung zur Autobahn kann es voll werden. Emilia und Mats halten sich dran und tragen Maske. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Die Maskenpflicht gelte dort „angelehnt an die Bochumer Verfügung täglich von 12 bis 18 Uhr“. Auch Bußgelder seien möglich, aber Lena Kücük betont, dass das Ordnungsamt mit Fingerspitzengefühl vorgehe. „Die Stimmung ist schon schlecht genug. Wer sich vertan hat und einsichtig ist, bekommt nicht sofort eine Strafe.“

Waldspaziergang oder Slalomlauf?

Wer also Lust hat auf einen Ausflug am Kemnader See, sollte genauestens die Schilder inspizieren. Und die Maske immer griffbereit haben. „Man kann sich die Scherereien ersparen, indem man die Maske einfach auflässt“, empfiehlt Peter van Dyk aus Bochum.

Die Stadt Witten wünscht sich unabhängig von der Frage nach der Maskenpflicht, „dass alle Bürgerinnen und Bürger zu Ostern und darüber hinaus gesund und solidarisch bleiben!“

Möglicherweise macht am Ende ein Spaziergang im Wald doch mehr Spaß als ein Slalomlauf am Wasser.

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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