Massenkündigung bei Hoesch: 60 Kollegen müssen gehen – auch Schwerbehinderte betroffen

hzInsolvenzen in Schwerte

Im Dezember 2019 hat die Hoesch Schwerter Profile GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen sucht einen Investor. Die Belegschaft ist schon um fast ein Viertel geschrumpft.

Schwerte

, 21.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Insolvenzverwalter hatte sie gerufen. Sie mussten in den „Ahnensaal“ kommen, den großen Versammlungsraum über dem Haupteingang der Unternehmensverwaltung. Mit welch schweren Schritten müssen die Hoeschianer wohl die geschwungene Betontreppe hinaufgegangen sein? Vermutlich ahnten sie schon, was sie erwartete: Den ungefähr 60 Kollegen wurde ihre Kündigung angekündigt, wie der stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende Ralf Behler bestätigt: „Der Insolvenzverwalter hat sie erstmal freigestellt.“

Nur noch einmal die persönlichen Sachen am Arbeitsplatz abholen

Das heißt, die Betroffenen durften noch einmal kurz an ihren Arbeitsplatz in Büro oder Fabrikhalle zurückkehren, um ihre persönlichen Sachen abzuholen. Dann wurden sie nach Hause geschickt, um auf den Kündigungsbrief zu warten. Egal wie lange sie bei Hoesch Schwerter Profile gearbeitet haben – die Kündigungsfrist betrage maximal drei Monate, weiß der Betriebsrat. So sei die Regelung in einem Insolvenzverfahren.

Nur noch knapp über 300 Mitarbeiter gehen jetzt täglich durch das Werkstor von Hoesch Schwerter Profile an der Eisenindustriestraße. Ende 2019 waren es noch fast 400 Kollegen.

Nur noch knapp über 300 Mitarbeiter gehen jetzt täglich durch das Werkstor von Hoesch Schwerter Profile an der Eisenindustriestraße. Ende 2019 waren es noch fast 400 Kollegen. © Reinhard Schmitz

Die Entlassungen – so der Betriebsrat weiter – seien querbeet durch alle Abteilungen gegangen. Anteilig sei mehr der Verwaltungsbereich als die gewerblichen Bereiche betroffen gewesen.

Auch Schwerbehinderte verloren ihren Arbeitsplatz. Zwar wurde eine Sozialauswahl getroffen, doch die gab ihnen nur eine bestimmte Punktzahl zusätzlich zu den Punkten anderer Kriterien wie Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit oder Unterhaltsverpflichtung für Kinder und Ehegatten. Das heißt: Ein Vater von mehreren Kindern beispielsweise könnte möglicherweise besser vor einer Kündigung geschützt sein.

Außerdem erklärt der Betriebsrat: „Hoesch Schwerter Profile hat eine Quote von 12 Prozent Schwerbehinderten.“ Diese steige an, je mehr Kollegen ohne Behinderung gehen müssten – was es irgendwann unmöglich machen würde, den Betrieb zu führen.

Vertreter der Arbeitsagentur waren zur Beratung vor Ort

Der Betriebsrat hatte dafür gesorgt, dass Ansprechpartner der Arbeitsagentur vor Ort waren, als die Freistellungen ausgesprochen waren. Denn die Kollegen könnten am ersten Tag der Freistellung sofort Arbeitslosengeld bekommen, ohne eine Kündigungsfrist abwarten zu müssen, erklärt Ralf Behler.

Mitarbeiterzahl seit Ende 2019 fast um ein Viertel gesunken

Als Hoesch Schwerter Profile im Dezember 2019 Insolvenzantrag stellte, beschäftigte man noch 394 Mitarbeiter. Jetzt sind es laut Betriebsrat „noch 300 plus“, nachdem zwischenzeitlich auch Kollegen selbst den Arbeitgeber gewechselt haben oder in Rente gegangen sind. Die Entlassungen seien ausgesprochen worden, um den Betrieb länger aufrecht erhalten zu können, solange kein Käufer gefunden ist. Denn seit die dreimonatige Frist abgelaufen ist, in der die Arbeitsverwaltung per Insolvenzgeld die Löhne zahlte, müssen diese wieder selbst erwirtschaftet werden.

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