Mit dieser Spezial-App kann eine Blinde aus Schwerte (46) Kinofilme genießen

hzGreta/Starks

Anne Kochanek ist oft im Elsebad. Nicht nur zum Schwimmen, sondern auch beim Open-Air-Kino. Denn eine App ermöglicht es der blinden Schwerterin, die Filme mit allen Details zu erleben.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 24.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ins Kino gegangen ist Anne Kochanek immer schon gerne. Und das, obwohl sie seit ihrer Geburt blind ist. James-Bond-Filme beispielsweise findet sie durchaus amüsant. „Bumm, bumm, bumm – so viel Handlung gibt es da ja meistens nicht“, erzählt sie lachend.

Um die Filme im Kino komplett zu verstehen, war sie bisher allerdings auf die Unterstützung ihrer Begleiter angewiesen. „Die mussten mir zwischendurch immer mal zuflüstern, was man gerade sieht.“

Smartphone-App erleichtert den Kinobesuch

Doch durch einen Besuch beim KinoKarren im Schwerter Elsebad änderte sich die Situation für die 46-Jährige schlagartig. Bei einem Besuch in diesem Sommer wurde vor Beginn des Films Werbung für die App „Greta“ gezeigt, die Blinden und Gehörlosen den Kinobesuch enorm erleichtert. Sie beinhaltet quasi eine Mediathek für Audiodeskriptionen und Untertitel, welche sich über das Mikrofon des Smartphones automatisch mit der originalen Tonspurt synchronisiert.

Als beim KinoKarren der Film „Monsieur Claude 2“ gezeigt wurde, hatte sie „Greta“ zum ersten Mal im Ohr. „Ich war so fasziniert, dass ich am Anfang Mühe hatte, dem Geschehen zu folgen, aber das legte sich schnell. Die Zeit verging wie im Flug. Der Film war amüsant und kurzweilig. Mir wurde nicht nur die Handlung beschrieben und wer was zu wem sagte, sondern auch das Aussehen der Personen“, berichtet Kochanek.

Fernsehprogramme mit Audiodeskription

Was durch die App, die es unter dem Namen „Starks“ auch für Android-Betriebssysteme gibt, jetzt im Kino möglich wird, gibt es für das klassische Fernsehprogramm schon lange. Auch hier nutzt Anne Kochanek die Audiodeskriptionen, die für die meisten Sendungen über eine zusätzliche Tonspur gesendet werden. „Besonders gerne schaue ich Naturdokus. Das ist total toll, wie die Bilder dort beschrieben werden“, so Kochanek.

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Apps fürs iPhone müssen barrierefrei sein

Das iPhone bietet ihr allerdings auch in vielen anderen Situationen Hilfe bei der Bewältigung des Alltags. Über die VoiceOver-Funktion kann sie sich genau vorlesen lassen, was gerade auf dem Display steht und die Auswahl durch Wischgesten und Doppelklicks treffen. Dabei wird ihr alles, was sie auf dem Smartphone betätigt, angesagt. Sollte das bei einer App nicht funktionieren, schreiben sie und ihr Mann auch schon mal eine Beschwerde-Mail an Apple. „Die Herausgeber sind verpflichtet, ihre Apps barrierefrei zu machen. Sollte das nicht der Fall sein, haben über einen bestimmten Zeitraum die Möglichkeit, das nachzuholen. Sonst müssen sie die App wieder aus dem Store nehmen“, weiß Kochanek. Zusätzlich hat sie eine mobile Braille-Zeile, die sich mit dem Handy verbinden lässt und auf der sie die Texte als Blindenschrift lesen kann.

Als Kundenberaterin arbeitet Kochanek bei der Fima Papenmeier

Von der „Greta“-App hatte sie zum ersten Mal von einem Kunden gehört, denn auch beruflich ist die gebürtige Wuppertalerin in der Welt der technischen Hilfsmittel für Sehbehinderte zuhause. Bei der auf Rehatechnik spezialiserten Schwerter Firma Papenmeier, die selbst Geräte für diesen Bereich produziert, ist sie als Kundenberaterin tätig und unterstützt Schüler, Arbeitnehmer oder Angehörige bei der technischen Ausstattung, die natürlich auch in ihrem Büro überall vorhanden ist. Beispielsweise ein Scan-Gerät, durch das sich Dokumente direkt laut vorlesen lassen. Oder auch eine eigens entwickelte Software, das die Ruhr Nachrichten für Blinde zugänglich macht.

Empfehlen wird sie anderen Sehbehinderten in Zukunft jedoch gewiss auch „Greta“ beziehungsweise ihre kleine Schwester „Starks“. Denn nicht nur im Elsebad wird der Kinobesuch für Blinde dadurch zu einem ganz besonderen Erlebnis.


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