Monster-Windräder vor Ergste? Kreis Unna sagt, wann er entscheidet

hzUnterschriften überreicht

Werden in Ergste nun zwei „Monster“-Windräder gebaut oder nicht? Die Bürgerinitiative hat Unterschriften dagegen beim Kreis Unna abgegeben. Und gehört, wie der aktuelle Stand ist.

Ergste

, 19.09.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anderthalb Stunden saßen sie zusammen: Der noch amtierende Landrat des Kreises Unna, Michael Makiolla, und Baudezernent Ludwig Holzbeck auf der einen Seite, Tanja Hesse und Carsten André Gey von der Bürgerinitative „Ergste gegen Monsterräder“ auf der anderen.

Die Ergster hatten nicht nur Argumente gegen den Bau zweier Riesen-Windräder mitgebracht, sondern auch 300 Unterschriften. „In Zeiten der Covid-19-Pandemie keine leichte Aufgabe“, unterstrich Tanja Hesse. Viele besorgte Bürger und Anwohner hätten bereits unterschieben – „viele weitere werden folgen, denn wir sammeln weiter“.

Zwei Windräder, fast so hoch wie der Florianturm

Die Abo Wind AG plant, am Rand eines Waldes und zwischen zwei Feldern vor Ergste Windräder zu bauen, die fast so hoch sind wie der Florianturm in Dortmund. 199,5 Meter, um genau zu sein.

Schwertes Politiker hatten sich zwar mehrheitlich gegen die beiden Windräder ausgesprochen. Die Entscheidung fällt allerdings nicht die Stadt Schwerte, sondern der Kreis Unna. Es läuft also ebenso wie bei zwei anderen Bauanträgen für Orte unweit von Ergste, aber eben auf Iserlohner Gebiet – deshalb ist dort der Märkische Kreis zuständig.

Jetzt lesen

Sorge um Gesundheit, Tierwelt und den Blick ins Grün

Zurück nach Unna: Hesse und Gey brachten die wesentliche Argumente der Ergster Bürger vor:

  • Die Windräder würden Lärm mit sich bringen und somit gesundheitliche Schäden für die Anwohner.
  • Der Schattenschlag wirke sich sicher schlecht auf das vegetative Nervensystem der Menschen aus.
  • Auch Artenschutz komme zum Tragen. Man sorge sich um Rotmilane, um die Kraniche und Störche, die dort regelmäßig im Frühjahr und Herbst durchziehen, zudem um Fledermäuse.
  • Viele Anwohner würden zudem das „schöne hügelige Landschaftsbild in Gefahr sehen“. Es heißt: „Das Naherholungsgebiet Ergster Wald, das sogar in der grünen Farbe unseres Wappens von Ergste symbolisiert ist, wird vernichtet.“
  • Schließlich bleibe die Sorge, dass der „Klimaspender Wald durch Zuwegungen und Fundamente verkleinert“ werde.
  • Wann entscheidet denn nun der Kreis Unna? Landrat Makiolla und Dezernent Holzbeck konnten nur einen großen Zeitrahmen nennen. Ende 2020, vielleicht auch erst Anfang 2021 werde man die Windräder genehmigen oder nicht.

Jetzt lesen

Kreis Unna hat weitere Unterlagen angefordert

Was bis dahin noch passieren muss? Die Abo Wind habe zwar alle Unterlagen eingereicht, hieß es von den Verantwortlichen beim Kreis Unna. Dennoch habe man weitere Infos bei der Firma angefordert. Inhaltlich seien einige Gutachten noch nicht ausreichend. Deshalb sei die Frist verlängert worden.

Was Makiolla unterstrichen habe, so die Verantwortlichen der Bürgerinitiative nach dem Treffen: Der Kreis Unna werde alles „ergebnisoffen prüfen“. Ganz gleich, ob der Bescheid am Ende positiv oder negativ sein werde – in jedem Fall solle er so rechtssicher wie möglich sein.

Mit anderen Worten: Der Kreis Unna will sich möglichst sicher fühlen, falls es nach der Entscheidung zu einer Klage kommt. Eine solche ist zumindest nicht unwahrscheinlich.

Rathaus lehnte ein Windrad ab, die Politik gleich beide

Bei Verfahren wie diesen ist es üblich, dass der Kreis bei der betroffene Stadt um ein „gemeindliches Einverständnis“ bittet. Die Fachleute im Rathaus in Schwerte hatten erklärt, gegen das eine Windrad – das am Waldrand – spreche nichts. Das am Feldrand würde allerdings in einem Bereich liegen, für den man sich schon vor langer Zeit festgelegt habe: hier kein Windrad.

Die Politiker in Schwerte waren einen Schritt weiter gegangen. Man lehnte beide ab, auch als Zeichen. Nur die Grünen enthielten sich bei dieser Abstimmung, mit dem Hinweis: Beim Kreis Unna gebe es die Experten, die zwischen Energiewende und Landschaftsschutz abwägen würden, und die würden schon korrekt entscheiden.

Lesen Sie jetzt