Leer ist die Wandnische zwischen den Einkaufswagen von Lidl und dem Eingang zur Bäckerei Grobe, wo der Geldautomat der Volksbank gehangen hat. © Reinhard Schmitz
Volksbank Schwerte

Nach LKA-Warnung: Volksbank baut Geldautomaten am Lidl Schützenstraße ab

Schon wieder ein Geldautomat weniger. Erst ließ die Volksbank das Gerät am Edeka in Holzen abmontieren. Nun ist auch das am Lidl im Gänsewinkel weg. Es gab einen Warnhinweis des Landeskriminalamtes.

Im Wind flattert eine Pappe mit der Aufschrift „Frisch gestrichen“. Das ist alles, was an der Fassade des Lidl-Marktes an der Schützenstraße noch daran erinnert, dass an dieser Stelle seit der Eröffnung des Einkaufszentrums immer ein Geldautomat zu finden war.

Die Volksbank hat ihn abschrauben und die Wandöffnung zumauern lassen. Er war zu einer Gefahr geworden, vielleicht sogar für Leib und Leben. Denn wegen der Art der Montage war er ins Visier von Verbrecherbanden gerückt.

Das Landeskriminalamt hatte die Volksbank gewarnt

„Vom Landeskriminalamt gab es einen Warnhinweis, dass insbesondere Außengeräte die höchste Gefahrenstufe für Sprengungen haben“, erklärt Lars Kessebrock, Niederlassungsleiter der Volksbank Schwerte. Derartige Geldautomaten wie der am Lidl, die frei zugänglich an Hausfassaden hängen, lassen sich nicht durch zusätzliche Maßnahmen wie nächtliches Türenschließen oder Vernebelungsanlagen gegen Angriffe sichern.

Dazu kommt, dass die Kriminellen ihre Vorgehensweise geändert haben. Seitdem die Geräte so ausgestattet sind, dass man kein Gas mehr zur Sprengung hineinleiten kann, sind die Banden auf harten Sprengstoff umgestiegen.

Am Lidl-Einkaufszentrum an der Schützenstraße gibt es keinen Geldautomaten der Volksbank mehr.
Am Lidl-Einkaufszentrum an der Schützenstraße gibt es keinen Geldautomaten der Volksbank mehr. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Der erzeugt einen bedrohlichen Schaden“, sagt Lars Kessebrock. Denn dieser Sprengstoff sei um einiges stärker als Gas. Oft würden die Gebäude durch die Explosion so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass sie anschließend von einem Statiker geprüft werden müssten.

Im Bereich der Dortmunder Volksbank, der Mutter der Volksbank Schwerte, sei im vergangenen Jahr noch ein Geldautomat auf dem Höchsten gesprengt worden: „Tresorteile flogen durch die Gegend.“ Manchmal könnten es auch ganze Fassadenteile sein, die herumgeschleudert werden.

Es war einer der letzten Außenautomaten der Dortmunder Volksbank

Deswegen – so der Niederlassungsleiter – habe man sämtliche Standorte auf den Prüfstand gestellt und für sie Gefährdungslagen festgelegt: „Am Lidl war einer der wenigen Außenautomaten, die wir noch hatten.“ Personenschaden sei dort bei einem nächtlichen Angriff vielleicht nicht unbedingt zu erwarten gewesen: „Aber wir wollten verhindern, dass Lidl und die Bäckerei Grobe so in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, dass sie vielleicht ein paar Wochen nicht öffnen können.“

Vermessen hatten sich die Täter, die 2017 durch das Dach in den Bedienerraum hinter dem Geldautomaten einsteigen wollten: Der Durchbruch führte sie stattdessen in die benachbarte Bäckerei-Filiale.
Vermessen hatten sich die Täter, die 2017 durch das Dach in den Bedienerraum hinter dem Geldautomaten einsteigen wollten: Der Durchbruch führte sie stattdessen in die benachbarte Bäckerei-Filiale. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Das sei der Grund für die Entscheidung zum Abbau des Gerätes an der Schützenstraße gewesen, sagt Lars Kessebrock. Der Automat war in der Vergangenheit schon zweimal zum Ziel von Kriminellen geworden, die es allerdings auf andere Weise versucht hatten als die Sprenger-Banden. Durch Einbrüche in das winzige Hinterzimmer, von dem aus das Gerät gefüllt wurde, wollten sie an das Geld kommen.

Im Juni 2013 drangen Unbekannte über die Bäckerei-Filiale und eine Zwischentür in den Raum ein, lösten dabei aber einen stillen Alarm aus. Der damalige Bäckerei-Inhaber Günter Aßhoff wurde davon um 1.20 Uhr geweckt und alarmierte die Polizei. Bevor die Fahnder eintrafen, waren die Täter jedoch schon über alle Berge – ohne Beute.

Einbruchsversuch durch das Dach scheiterte 2017 jämmerlich

Ebenfalls erfolglos blieben die Kriminellen, die im Februar 2017 durch das Flachdach in den Raum hinter dem Geldautomaten einsteigen wollten. Sie hatten sich vermessen und stemmten das Loch an der falschen Stelle in die Decke: Die Öffnung führte nur in den Verkaufsraum der Bäckerei.

Volksbank-Leiter Lars Kessebrock erinnert daran, dass auch die Sparkasse ihren Außengeldautomaten am Markt aus Sicherheitsgründen abgebaut habe. Sein eigenes Institut verabschiedete sich vor einem Monat von dem Geldautomaten in der Selbstbedienungsfiliale am Edeka in Holzen.

Der sei nicht mehr wirtschaftlich gewesen, weil immer häufiger mit Karte bezahlt werde, hieß es. Die Volksbank Schwerte betreibt jetzt noch sechs Geldautomaten: drei in der Hauptstelle an der Kuhstraße und jeweils einen in Westhofen (in Kooperation bei der Sparkasse), Ergste und in Hennen.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt