Nach mehr als 44 Jahren verschwindet der Name Rewe Hannig aus der Schwerter Geschäftswelt

hzBetreiber-Wechsel

Das Ende einer Dynastie:1975 kam Wolfgang Hannig nach Schwerte, um den größten Supermarkt der Stadt zu eröffnen. Sein Sohn Daniel Hannig kehrt dem Lebensmittel-Einzelhandel den Rücken.

Geisecke

, 31.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rewe und Hannig. Untrennbar stand das mehr als 44 Jahre lang als fester Begriff für den Lebensmittel-Einkauf in Schwerte. Jetzt verschwindet der große Kaufmannsname aus dem Blickfeld. Daniel Hannig (46) zieht sich aus dem Supermarkt im Geisecker Einkaufszentrum Zwischen den Wegen zurück, um beruflich noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen.

Mutter Christel Hannig (72) geht in den Ruhestand

„Wenn, dann jetzt“, entschloss sich Daniel Hannig nach reiflicher Überlegung zu dem Schritt. Anlass, sich noch einmal Gedanken über die berufliche Zukunft zu machen, hatte für den studierten Betriebswirtschaftler eine weitere Veränderung in der Familie gegeben. Seine Mutter Christel Hannig, der er in Geisecke stets zur Seite gestanden hatte, möchte mit 72 Jahren endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Unverhofft hatte sie im Mai 2011 noch einmal wieder ins Geschäft zurückkehren müssen, als ihr Ehemann Wolfgang Hannig plötzlich im Alter von nur 64 Jahren gestorben war. Sie erbte die Gesellschaftsanteile am Unternehmen.

Als Kunde bleibt Daniel Hannig erhalten

Den viel zu frühen Tod seines Vaters hatte Daniel Hannig bestimmt bei seiner Entscheidung auch irgendwo als Mahnung im Hinterkopf. Wie lange kann man als Selbstständiger ständige Arbeitstage von zehn bis zwölf Stunden durchstehen, die in Urlaubszeiten durchaus auch von 5.30 bis 21.30 Uhr dauern können? Die Branche hat sich in fast 20 Jahren verändert, die Konkurrenz auch. Aber vor allem ist der Papierkram ausgeufert:. „Das hält einen von dem eigentlichen Geschäft ab: das Verkaufen auf der Fläche und die Kundenkontakte. Das ist schade.“ Denn Hannig war es stets ein Anliegen, für seine Kunden sichtbar und ansprechbar zu sein. „Schade“, sagen jetzt viele zum Abschied. Aber der Ex-Chef zieht ja nicht weg, bleibt seinem Wohnort in Rheinen treu. „Ich bin doch nicht aus der Welt - und die Familie Drath macht einen guten Job“, sagt er. Die gewohnten Mitarbeiter würden eins zu eins übernommen: „Und als Kunde werde ich dem Landen auch erhalten bleiben.“

Seit 1975 in Schwerte ein Begriff

Nur der Name „Rewe Hannig“ verschwindet für immer von den Plakaten und Prospekten. Die Schwerter hatten ihn schätzen gelernt, seit Wolfgang Hannig im Jahre 1975 den früheren Kontra-Markt an der Wilhelmstraße (heute: Askania) übernommen und unter dem Namen R-Kauf eröffnet hatte. Der Verkaufsprofi, der in jungen Jahren schon seine Mutter in ihrem Lebensmittelgeschäft im Rahmedetal bei Altena unterstützt hatte, leitete in der Ruhrstadt nun den damals größten Supermarkt mit 1150 Quadratmetern Fläche und 40 Mitarbeitern. Als in Geisecke das Einkaufszentrum Zwischen den Wegen errichtet wurde, richtete er dort 1996 einen zweiten Markt mit separatem Getränkemarkt ein.

Weinfachmarkt Weinkultur eröffnet

Sohn Daniel stieg nach dem Abschluss seines Studiums im Jahre 2000 in das Unternehmen ein. Gleichzeitig eröffnete er im September 2005 ebenfalls in dem Gewerbegebiet Zwischen den Wegen seinen Weinfachmarkt „Weinkultur“. Plan war es, dass er den Standort Schwerte nach dem Umzug in den neugebauten Rewe-Markt an der Margot-Röttger-Rath-Straße übernehmen sollte, dessen Eröffnung am 14. Juli 2011 stattfand. Sein Vater Wolfgang Hannig wollte dann die Geschäfte in Geisecke weiterführen. Bei Tätigkeitsfelder waren schon gesellschaftsrechtlich getrennt voneinander organisiert.

Tod von Wolfgang Hannig macht Pläne zu Makulatur

Doch der plötzliche Tod von Wolfgang Hannig, wenige Wochen vor dem von ihm seit Jahren erträumten Umzug zur Margot-Röttger-Rath-Straße, warf mit einem Mal alle Pläne über den Haufen. „Alles geht nicht“, erklärt Daniel Hannig: „Wir mussten uns auf das Wesentliche konzentrieren.“ Und das Kerngeschäft war nun einmal der Rewe in Geisecke. 1350 Quadratmeter Verkaufsfläche wollten dort betrieben werden, dazu weitere 600 Quadratmeter in dem benachbarten Getränkemarkt. Deshalb wurde die Weinkultur im Mai 2013 geschlossen, der Rewe an Bahnhof ging im September 2013 an den neuen Betreiber Filips.

Nie mehr Lebensmittel-Einzelhandel

Zur Übergabe-Inventur bleibt der Rewe in Geisecke am heutigen Donnerstag, 31. Januar, geschlossen. Ab Freitag, 1. Februar, wird er dann von der Kaufmannsfamilie Drath weiterbetrieben, die bereits zwei Geschäfte in Menden und ein weiteres in Iserlohn führt. Sie kann die Aufgaben auf viele Schultern verteilen, weil auch die beiden Söhne im Unternehmen mitwirken. Daniel Hannig indes will nach einem aufreibenden Lebensabschnitt „erstmal Abstand gewinnen, herunterfahren und neu starten“. Wohin sein Weg führt, kann er noch nicht sagen. Aber er betont: „Nicht mehr in den Lebensmittel-Einzelhandel.“

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