Nächster Leerstand in Innenstadt wegen „stinkender Ruine nebenan“

hzAn der Hüsingstraße

Die Innenstadt ist ab November um ein leeres Ladenlokal reicher. Aus der Hüsingstraße entfernt sich ein weiteres Geschäft. Die Inhaberin rechnet mit der Fußgängerzone ab.

Schwerte

, 17.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Umzug Ende Oktober wird Bettina Wiegand nicht leicht fallen. Denn eigentlich hängt sie sehr an dem Haus in der Hüsingstraße 5, in dem sie seit fünf Jahren mit ihrem Geschäft beheimatet ist. „Ein schönes, renoviertes, altes Stadthäuschen“, wie sie selbst sagt.

Doch die Entwicklung der Fußgängerzone frustriert die 61-jährige Inhaberin schon seit langem. „Der Hauptgrund für den Umzug ist die schlechte Entwicklung der unteren Hüsingstraße“, so Wiegand. Blumen Risse ist schon raus, auch Rossmann wird sein Ladenlokal bald räumen. „Die Hüsingstraße ist leider nicht mehr das, was sie mal war. Das ist keine 1A-Lage mehr“, findet die Geschäftsfrau.

„Eine furchtbare Ruine“

Auch über die Nachbarimmobilie mit der Hausnummer 7, das ehemalige Alt Schwerte, ärgert sich Wiegand: „Eine furchtbare Ruine ist das. Es stinkt entsetzlich und dahinter lassen sich die Obdachlosen nieder.“ Beim Verlassen ihres Geschäfts steige einem direkt ein unangenehmer Geruch in die Nase. Der Blick richtet sich auf ein unschönes, leerstehendes Ladenlokal.

Der Schandfleck in der Hüsingstraße: Das Gebäude des ehemaligen Alt Schwerte, das sich direkt neben „Ma petite passion“ befindet, verfällt seit Jahren.

Der Schandfleck in der Hüsingstraße: Das Gebäude des ehemaligen Alt Schwerte, das sich direkt neben „Ma petite passion“ befindet, verfällt seit Jahren. © Maximilian Stascheit

Dabei sein den Verantwortlichen das Problem durchaus bewusst. „Die Parteien haben alle reagiert und versuchen, den Misstand zu beheben“, weiß Wiegand um die Bemühungen. Auch Stadtmarketing-Chef Michael Kersting, der für das Leerstandsmanagement in der Innenstadt verantwortlich ist, betont gegenüber unserer Redaktion, dass dort „Dinge passieren“ sollen.

Keine Perspektive in der Fußgängerzone

Bis es so weit sei, könne es aber noch dauern, befürchtet Bettina Wiegand. Und selbst eine Renovierung verspreche für sie zunächst keine Besserung: „Im Prinzip gab es hier für mich zwei Möglichkeiten: Entweder ich bleibe neben einer stinkenden Ruine oder ich verschwinde hinter einem Bauzaun.“

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Bewusst nach einer Alternative umgesehen habe sie sich jedoch nicht. Doch als das Angebot des City-Centers kam, dort ein ebenerdiges Geschäft zu beziehen, nahmen die Pläne für den Umzug Formen an. „Das bringt einen natürlich zum Nachdenken“, erzählt sie.

Mehr Verkaufsfläche am neuen Standort

Der schlechte Ruf des City-Centers sei ihr durchaus bewusst. „Aber ich komme dort in ein frisch renoviertes und vollkommen stylisches Lokal.“ Außerdem habe sie sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, habe an der Hüsingstraße nicht mehr ausreichend Platz, um ihre Ware angemessen zu präsentieren. Dort verteilt sich ihr Sortiment auf zwei Mal 35 Quadratmeter im Erdgeschoss und der 1. Etage, die sich jedoch nicht komplett für den Verkauf nutzen ließen. Im City-Center erwarte sie eine 83 Quadratmeter große, ebenerdige Verkaufsfläche.

„Ich hoffe, dass da noch weitere gute Mieter einziehen werden“, so Wiegand. Durch die Renovierung erfahre das City-Center ihrer Meinung nach eine deutliche Aufwertung. Und auch die Umgestaltung des Marktplatzes sei für sie ein starkes Argument für den Wechsel zum neuen Standort.

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Ohnehin habe sie in ihrem Geschäft wenig Laufkundschaft. Sie sei viel auf Schlossmärkten und Lifestyle-Events unterwegs, auf denen sie ihre Visitenkarten verteile. „Die meisten Kunden kommen ganz gezielt zu mir“, so Wiegand.

„Ma petite passion“ mit langer Tradition in Schwerte

Auch in Schwerte hat sich die Diplom-Textilingenieurin längst einen Namen gemacht. Nach ihren ersten Berufsjahren als fest angestellt Modedesignerin in einer großen Firma wagte sie mit 40 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. Zunächst von Zuhause aus, ab 2005 dann mit einem eigenen Atelier in der Hüsingstraße.

In den Anfangsjahren war sie jedoch nur in der 1. Etage ihres heutigen Ladenlokals beheimatet, während ihre Freundin Susanne Hömberg das Erdgeschoss als Ausstellungsfläche für die Tischlerei ihrer Familie nutzte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das kleine Geschäft zum Geheimtipp für Liebhaberinnen hochwertiger Modeartikel. Die kleine Fläche im Obergeschoss reichte nicht mehr aus.

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2010 zog Wiegand zum ersten Mal um - in ein Lokal in der Mährstraße. Fünf Jahre hielt es sie dort, ehe sie in das Haus in der Hüsingstraße zurückkehrte. Die Tischlerei Hömberg hatte ihren Betrieb inzwischen eingestellt, sodass „ma petite passion“ sich nun auf beiden Etagen ausbreiten konnte. „Die Vermieter haben damals immer wieder angerufen. Ich habe auch immer noch ein super gutes Verhältnis zu ihnen“, so Wiegand. Umso schwerer falle ihr nun der Abschied.

Inhaberin denkt noch nicht ans Aufhören

Mit dem Wechsel ins City-Center folgt nun also schon der vierte Umzug des Bekleidungsgeschäfts. Wenn es nach der Inhaberin geht, dürfe es diesmal gerne länger Bestand haben als fünf Jahre.

Denn ans Aufhören denkt die 61-Jährige noch lange nicht. „Ich habe nach wie vor unglaublich viel Spaß daran.“ Ihr selbsterklärtes Ziel: „Sofern es wirtschaftlich tragbar ist, möchte ich mindestens noch bis 70 weitermachen.“

Wie es in ihrem jetzigen Lokal weitergeht, steht bislang noch nicht fest. „Wir sind mit den Eigentümern in Kontakt und loten die Potenziale aus, wie das Gebäude weitergenutzt werden kann“, so Michael Kersting.

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Erst einmal aber wird die Hüsingstraße ab November um ein weiteres leeres Geschäft reicher sein. Das alte Stadthäuschen, an dem Bettina Wiegand so sehr hängt, befindet sich in der unmittelbaren Nachbarschaft damit immerhin in bester Gesellschaft.

Termin für den Umzug

Bis Ende Oktober hat „Ma petite passion“ noch in der Hüsingstraße 6 geöffnet. Ab dem 2. November finden die Kunden das Geschäft von Bettina Wiegand im City-Center. Die offizielle Einweihungsfeier ist für den 7. November geplant.

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