Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Echten Schwerter Kaffee, den gibt es. Der Wachmacher ist das Hobby eines Familienvaters aus Ergste - er röstet seinen „crackpotcoffee“ zuhause. Eine Ergster Mischung gibt es bald zu kaufen.

Ergste

, 01.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Werkzeug, Fahrräder und Gerümpel: Das sind Gegenstände, die sich wohl in den Kellern vieler Menschen stapeln. Eine funktionsfähige Röstmaschine für Kaffeebohnen wird man nur in wenigen Untergeschossen finden. Bei Nils Pröpper aber, da ist es anders. Der Ergster hat sich einen eigenen Raum für sein Hobby eingerichtet - und produziert den braunen Wachmacher unter dem Namen „crackpotcoffee“ nicht mehr nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen Kaffeetrinker.

Das „Ergster Ruhrgold“ hat Pröpper seinem Dorf gewidmet - ein reiner Arabica-Kaffee, „gemacht in Ergste, für Ergster und all diejenigen, die eine Beziehung zu Ergste haben“, so heißt es auf der Homepage.

Nils Pröpper (40) röstet Kaffee mit Whisky und Lavendel in seinem Keller in Schwerte

Das „Ergster Ruhrgold“ ist der Kaffee von Ergstern für Ergster. Bald gibt es ihn im Café Note zu kaufen. © Aileen Kierstein

Dann gibt es in Pröppers Inventar noch andere wohlklingende Sorten, wie zum Beispiel den „Rainflower“ - seine Bohnen werden in offenen Lagerhäusern dem indischen Monsunregen ausgesetzt und werden dadurch besonders mild - oder den „Lavender Hug“. Die Rohbohnen reifen mit frischem Lavendel aus Pröppers Garten, werden also wortwörtlich von den lila Kräutern umarmt, und bekommen dadurch eine feine Note. Das hat Pröpper sonst noch nirgends gesehen.

Was ist eigentlich „Arabica“?

Wie ein Stempel prangt es auf vielen Kaffeeverpackungen: 100% Arabica. Arabica ist weltweit die am meisten verwendete Kaffee-Bohne. Die Bohnen zeichnen sich durch einen milden Geschmack, feine Säure und wenig Koffein aus.

Die „crackpot creatives“ sind Kaffee-Sorten, die der 40-Jährige selbst entwickelt, die ursprüngliche Kaffee-Sorte um ausgefallene Aromen erweitert. Der „Whisky-Turf“ ist dabei wohl die mutigste seiner Kreationen. Man nehme Arabica-Bohnen aus Äthiopien und einen zehn Jahre alten Single Malt Whisky.

Nach wenigen Wochen Lagerung ist der Whisky mit seinem Aroma in den Bohnen aufgegangen - und wird später im Kaffee oder Espresso deutlich. „Die Mischung polarisiert. Manche mögen ihn nicht. Und manche sagen nach der zweiten Tasse: Das ist mein neuer Lieblingskaffee“, erzählt Pröpper über seine Kreation. Gerade hat er noch einen „crackpot creative“ mit Vanille in Planung.

Im Wettbewerb mit den Großen

Ursprünglich kommen die Bohnen aus Indien, Äthiopien oder Kolumbien. Nach der Ernte sieht die Kaffeefrucht aus wie eine kleine Kirsche, in ihrem Kern verbirgt sich dann die helle Bohne. Nils Pröpper holt diese dann höchstpersönlich in Hamburg ab - dem „Home of Beans“ nahe der Speicherstadt. Dort bekommt er seine Kaffeesäcke - am letzten von 95 Toren ist die einzige Verladestelle ohne Lkw-Rampe - und kann mit frischer Ware zurück in die Ruhrstadt fahren.

Die Quote zeigt noch einmal, wie ungewöhnlich der Weg von Pröppers Ein-Mann-Rösterei ist. Zu seinen Konkurrenten gehören riesige Röstereien und Unternehmen, die sich mit ihren unzähligen Kaffeesorten in den Supermarktregalen drubbeln.

Davon kann auch Mark Czogalla ein Lied singen. Der Bonner kennt sich aus auf dem Markt, ist Kaffee-Trainer und gibt regelmäßig Workshops in der Bonner Kaffeeschule. Vom Anbau über die Aufbereitung, das Rösten und die Zubereitung – Czogalla will Kaffeegenuss neu definieren und vermitteln.

Auch er ist vor kurzem mit seiner eigenen kleinen Rösterei gestartet und weiß: „Es ist verdammt schwer, aber es macht auch verdammt viel Spaß.“ Man müsse nur die richtige Lücke finden zwischen dem Kaffee für „Billigkonsumenten“ und dem teuren Luxusprodukt. Und das ist im Moment leichter als sonst: „Viele Kaffeetrinker wollen wieder weg vom Massenprodukt. Der Genuss steht mehr denn je im Vordergrund.“ Und da kommen die kleinen Kaffee-Röstereien, wie die von Mark Czogalla und Nils Pröpper ins Spiel.

Am Ende geht es um das Feintuning

Pröppers Chancen auf dem Kaffee-Markt stehen also gar nicht so schlecht - auf dem Schwerter Markt dürfte es noch leichter werden. Mehrere Jahre war er auf der Suche nach der Röstmaschine, die nun in seinem Keller ihren Zweck mehr als nur erfüllt.

Rund 5000 Euro kostet das Schmuckstück - verhältnismäßig günstig - und mit ein paar Handgriffen hat er sie zu einer echten Profimaschine aufgerüstet. „Die Temperaturüberwachung läuft digital, per Computer. Damit kann ich haargenau arbeiten“, erklärt er. Denn am Ende geht es nur um das Feintuning.

Nils Pröpper (40) röstet Kaffee mit Whisky und Lavendel in seinem Keller in Schwerte

Die Röstmaschine von Nils Pröpper: Hier wird der Kaffee im Keller hergestellt. © Aileen Kierstein

Wenn die Bohnen knacken, ist der Kaffee perfekt

Zwischen 210 und 230 Grad: So heiß muss es im Innenraum des Rösters sein, wenn die Bohnen hineinfallen. Zwischendurch abgekühlt auf 150 Grad und dann erneut erhitzt, dauert es ungefähr 20 Minuten, bis ein Kilo Kaffeebohnen zur Perfektion geröstet ist.

First und second crack?

Der Laie merkt sich: Beim ersten Knacken der Bohne hat man klassischen Filterkaffee. Je näher es an den second crack geht, desto bitterer und schokoladiger wird das Aroma - ein typischer Espresso. Dazwischen liegen nur wenige Minuten Röstung.

Das ist in der Regel zwischen dem „first“ und dem „second crack“, wenn die Bohnen knacken und Luft austritt. Um zu bestimmen, wann seine Bohnen so sind, wie gewollt, zieht Pröpper während des Röstvorgangs regelmäßig Proben. „Klassische Handarbeit“, resümiert der 40-Jährige.

Handarbeit ist auch das anschließende Verpacken in die braunen Papierbeutel. „Ich will meinen Kaffee so ökologisch wie möglich halten. Das war mir wichtig“, sagt er. Nur von Innen sind die Tüten beschichtet, damit das hart erkämpfte Aroma nicht verfliegt. Dann bekommt jede Sorte noch das Etikett mit dem pink-geflügelten Kaffeebecher und einen Stempel - der Ritterschlag, so hat Nils Pröpper den letzten Schritt getauft.

Mit Kaffeemaschine auf dem Beifahrersitz im Stau

Eigentlich hat der Ergster Familienvater seinen Kaffee immer nur für sich selbst gemacht. Vor rund acht Jahren hat er damit angefangen - dem Wachmacher war er aber schon immer verfallen, zeigt ein wirklich skurriles Beispiel: „Als Student habe ich in den Beifahrersitz meines Golf 2 eine Filterkaffeemaschine eingebaut. Im Stau habe ich dann Kaffee gekocht“, erinnert er sich und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Heute trinkt er nur noch Espresso, Frau Monique braucht immer viel Milch zum Kaffee - beide trinken selbstverständlich nur die Eigenproduktion. „Wenn man für ein paar tausend Euro einen Kaffeeröster kauft, und nur seinen eigenen Bedarf deckt, da kann man natürlich mal die Frage stellen: Macht das Sinn?“, sagt er lachend.

Also kann jetzt jeder Mensch in den Genuss vom Kaffee aus dem Ergster Keller kommen. Einen Online-Shop gibt es schon, Monique Pröpper kümmert sich um Vertrieb und Kundenpflege - gerade noch Freunde und Verwandte. Ab April kann aber jeder Schwerter die braunen Papierbeutel mit dem „Ergster Ruhrgold“ für 4,50 Euro pro 200 Gramm aus dem Café Note mit nach Hause nehmen. „Es geht los, ist voll da“, freut sich der Ergster.

„Früher war es einfach meine Spinnerei“

Relativ schnell haben Nils Pröpper und Café-Inhaber Christoph Wiesweg zusammengefunden. „Es ist ein regionales Produkt, die Idee ist toll und die Verpackung schön. Sowas unterstützt man gerne“, sagt Wiesweg über den crackpotcoffee. Für den Ausschank hat Wiesweg aber anderen Kaffee gefunden. „Und soweit sind wir auch noch gar nicht. Die Mengen können wir nicht liefern“, sagt Pröpper.

Jetzt lesen

Wenn er nicht gerade Kaffee röstet, betreut der Ergster übrigens digitale Transformationsprojekte. „Unseren zeitlichen Kapazitäten mit einem regulären Job und zwei Kindern sind natürlich knapp. Man muss alles irgendwie planen und auch stemmen können“, sagt Monique Pröpper. Manchmal müsse sie ihren Mann etwas bremsen.

Vor ein paar Monaten war das noch nicht so. „Da war es einfach meine Spinnerei“, sagt ihr Mann. Aber dafür steht der crackpotcoffee (neben knackenden Bohnen und Kaffeepötten) auch: für den Kaffee eines Crackpots eben, einen Exzentriker oder Verrückten. Schon immer war es Pröppers Idee, aus seinem ungewöhnlichen Hobby etwas richtig Außergewöhnliches zu machen. Und er ist mitten auf dem Weg.

Lesen Sie jetzt