Notdienstpraxis am Marienkrankenhaus ohne Vorankündigung geschlossen

hzGesundheit in Schwerte

Die Notdienstpraxis am Marienkrankenhaus in Schwerte ist ab sofort bis auf Weiteres geschlossen. Die Kassenärztliche Vereinigung schuf Fakten – zum Ärger von Ärzten und Klinik.

Schwerte

, 03.11.2020, 11:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verärgerte Patienten in der Ambulanz des Krankenhauses, böse Anrufe von der überlasteten Notdienstpraxis in Unna und ein völlig überraschter Notdienstkoordinator. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe schloss am 1. November die Notdienstpraxis am Marienkrankenhaus. Informiert hatte man im Vorfeld offensichtlich nur die Arzthelferinnen, die auf die umliegenden Notfallpraxen verteilt wurden.

Niemand informierte Krankenhaus und Ärzte

„Niemand hat uns im Vorfeld Bescheid gesagt“, sagt Dr. Thomas Fisseler. Der Allgemeinmediziner aus Villigst organisiert den hausärztlichen Notdienst in Schwerte. Er sei genauso überrascht gewesen, wie das benachbarte Marienkrankenhaus. Dort trafen nämlich die Patienten ein, die eigentlich am Abend noch dringend zu einem Hausarzt mussten. „Für mich bleibt es leider unerklärlich, dass wir nicht frühzeitig über die Schließung und die Hintergründe informiert worden sind“, so Krankenhauschef Jürgen Beyer.

So hätte man im Krankenhaus die Möglichkeit gehabt, auf die zu Recht völlig überraschten und unzufriedenen ambulanten Notfälle, die die Notdienstpraxis aufsuchen wollten, adäquat zu reagieren. Letztlich mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ambulanz den gesamten Ärger über sich ergehen lassen. Und schließlich sei auch noch ein erboster Anruf aus der Notdienstpraxis in Unna beim Marien eingegangen, man möchte doch bitte keine Patienten mehr nach Unna schicken, sondern diese in der Notdienstpraxis in Schwerte behandeln.

Praxis hatte auch mit geringer Frequenz zu kämpfen

Koordinator Fissler räumt ein, dass die Notdienstpraxis am Marienkrankenhaus immer wieder mit mangelnder Nutzung zu kämpfen hatte. Zuletzt sank die Frequenz noch einmal deutlich. „Viele Menschen hatten Angst, sich dort mit Corona anzustecken“, glaubt Fissler. Letztlich sei dies aber nicht nur ein Rechenexempel. „Die Institutionen des Gesundheitswesens dienen schließlich nicht dem finanziellen Profit, sondern der Lebensqualität“, erklärt er. Das sei ähnlich wie bei der Kultur.

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Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) betonte man, dass es nicht um die Finanzen gegangen sei, sondern um den bauliche Zustand der Praxis. Man könne in Schwerte nicht ohne erheblichen baulichen Aufwand hier Patienten mit ansteckenden Infektionen von nicht ansteckenden Patienten trennen. Die Schließung sei zunächst nur vorübergehend, betonte eine Sprecherin. Außerdem gebe es im Umfeld ausreichend Notdienstpraxen.

Der Fehler in der Kommunikation sei bedauerlich, räumte Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der Bezirksstelle der KVWL ein. Der zuständige Kollege sei krank. Man habe aber Dr. Fisseler zumindest telefonisch informiert.

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Die nun für die Schwerter zur Verfügung stehenden Notdienstpraxen seien aber relativ weit weg, vor allem für Menschen, die nicht mit dem Auto zur Praxis kommen, entgegnet Fisseler. Mit dem Fahrrad käme man da, wenn man krank sei, nicht hin. Und er betont, dass nun auch die Schwerter Ärzte, die den sogenannten Sitzdienst in der Praxis gemacht haben, den nun in einer anderen Praxis machen müssen.

Im Frühjahr als Corona-Testzentrum genutzt

Der ärztliche Notdienst im Pfarrer-Stelzner-Haus am Marienkrankenhaus in Schwerte war ein Angebot, das die Notfallambulanz des Krankenhauses entlasten sollte. Erst vor einigen Jahren war man dort in die neuen Räume gezogen. Die Praxis, in der außerhalb der Sprechzeiten niedergelassene Ärzte ihren Notfalldienst verrichteten, war abends, am Wochenende sowie mittwochsnachmittags geöffnet. Im Frühjahr war die Praxis schon einmal geschlossen, weil man dort vorübergehend ein Corona-Testzentrum eingerichtet hatte.

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