Udo Stopfel wurde in der Notfallpraxis der Hausärzte am Marienkrankenhaus nicht behandelt, weil der Computer streikte. © Heiko Mühlbauer
Hausärztlicher Notdienst

Notfallpraxis: Arzt schickt Patienten weg, weil Computer nicht hochfährt

Der Arm schwillt nach einem Insektenstich bedenklich an. Damit ging Udo Stopfel zur hausärztlichen Notfallpraxis. Doch dort schickt man ihn nach Dortmund, weil der Computer nicht lief.

Die Notfallpraxis des hausärztlichen Notdienstes ist direkt am Marienkrankenhaus untergebracht. Hier sollen Patienten behandelt werden, die zwar dringend ärztliche Behandlung brauchen, aber nicht in die Notaufnahme des benachbarten Krankenhauses müssen.

Das soll auch die Notfallmediziner in der Klinik entlasten. Soviel zur Theorie, in der Praxis machte Udo Stopfel andere Erfahrungen, zumindest, als er am 21. Mai, einem Freitag, die Praxis aufsuchte.

Insektenstich ließ den Arm anschwellen

Der Schwerter hatte sich auf dem Tennisplatz einen Insektenstich zugezogen und der Arm war schon bedenklich angeschwollen. „Ich dachte, da lässt du besser mal einen Arzt draufschauen“, erklärt er. Und weil es schon nachmittags war und die meisten Ärzte geschlossen hatten, suchte er die Notfallpraxis auf. Es war gegen 16 Uhr und er war der erste Patient.

„Die Frau in der Aufnahme war auch sehr freundlich“, betont Udo Stopfel. Man müsse nur kurz den Computer hochfahren und schon könne es losgehen, habe sie ihm versprochen. Udo Stopfel nahm kurz Platz und hörte im Wartebereich, dass der Computer offensichtlich nicht hochfuhr. Die Frau habe offensichtlich mit dem Servicetechniker telefoniert und verschiedene Sachen letztlich vergeblich versucht, während der Patient wartete.

Zur Praxis nach Dortmund geschickt

„Nach etwa 30 Minuten bin ich dann nach vorne und habe gefragt, was los ist und ob ich jetzt nicht auch ohne den Computerstart behandelt werden kann“, sagt Udo Stopfel. Daraufhin sei die Arzthelferin in einem Raum verschwunden, in dem offensichtlich der Arzt war.

Den habe er zwar aus dem Raum heraus gehört, aber nicht zu Gesicht bekommen. Seine Auskunft: Er solle in die Notfallpraxis nach Dortmund fahren, hier könne man ohne den Rechner nichts tun. Die Notfallpraxis in Dortmund befindet sich an den Städtischen Kliniken in der Beurhausstraße.

Wütend verließ der Patient die Notfallpraxis und fuhr zu einer benachbarten Apotheke. Als es seinen Arm zeigte, riet ihm die Apothekerin: „Damit sollten sie mal zum Arzt gehen.“ Nachdem Udo Stopfel seine Geschichte erzählt hatte, gab ihm die Frau dann doch eine Salbe mit. Doch auch mit Salbe habe es vier Tage gedauert, bis der Arm wieder abgeschwollen war. Und was letztlich die Schwellung ausgelöst hat, weiß er bis heute nicht.

KVWL: „Das soll so nicht laufen“

Die Notfallpraxis am Marienkrankenhaus wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) betrieben. Deren Sprecherin Vanessa Pudlo erklärte am Donnerstag (27.5.) auf Anfrage: „Eine Behandlung wäre natürlich auch ohne den Computer möglich gewesen, das soll so nicht laufen.“ Sie versprach, dass die KVWL dem Fall nachgehen werde.

Die Notfallpraxis am Marienkrankenhaus soll sich um hausärztliche Notfälle kümmern, wenn die Praxen geschlossen haben.

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