Mit viel Liebe zum Detail hat Gunther Gerke die Operettenbühne im Keller seines Wohnhauses gestaltet. © Reinhard Schmitz (A)
Immobilie der Woche

Operettentenor baut sich ein eigenes Theater im Keller seines Wohnhauses

Eine Bar oder eine Sauna haben so manche im Keller ihres Einfamilienhauses. Operettentenor Gunther Gerke baute sich das wohl kleinste Theater des Ruhrgebiets in sein Wohnhaus.

Heizöltanks raus, gestreifte Polstersitze und Cappuccino-Theke rein. Ein stilvolles Theatercafé unter der Spiegelkugel krönt als Sahnehäubchen die wohl kleinste Operettenbühne der Welt. Hinter der unscheinbaren Fassade eines 70er-Jahre-Bungalows im Schwerter Ortsteil Ergste hat sich Gunther Gerke, Direktor der Schwerter Operettenbühne, sein Traumreich geschaffen, wo die 50er-Jahre stillzustehen scheinen.

Theater für 31 Gäste

Exakt 31 Gäste können durch den Samtvorhang in den Zuschauerraum mit den roten Samtsesseln eintreten. Dann wird das Schildchen „Heute ausverkauft“ an das Kassenhäuschen gehängt.

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Das Theater im Einfamilienhaus

Ein Handgriff, der zu jeder Vorstellung gehört wie das Happy-End zur Komödie.

Andere bauen sich einen Swimmingpool

„Andere bauen sich eine Bar oder einen Swimmingpool im Keller – dann baust du dir eben ein Theater“, dachte sich der beliebte Tenor Gunther Gerke, als er sein Häuschen zu Weihnachten 1999 erworben hatte. Das Drehbuch des Lebens hatte vorgesehen, dass sein Bruder Christian eine Schreinerlehre absolvierte. Er packte kräftig mit an, die Empore für den Zuschauerraum und die Bühne zu zimmern.

Seinen besonderen Charme erhielt das Theater aber durch die liebevolle Ausgestaltung. Das Kassenhäuschen beispielsweise, das Gunther Gerke zufällig beim Abriss des Stadttheaters Plettenberg retten konnte. Die Loge in der obersten Sitzreihe – wie alle Plätze mit Alu-Schildchen nummeriert. Oder die Kristallleuchter, die Garderobenmarken, die Himmelstapete – und, und, und. Nicht sattsehen kann sich das Auge an den Details, von denen es immer wieder neue zu entdecken gibt.

Schlagersängerin Elfi Graf im Scheinwerferkegel

Dann lenken die Scheinwerferkegel die Aufmerksamkeit auf die nicht minder nostalgisch ausgestattete Bühne, von der sich sogar schon Schlagersängerin Elfi Graf („Herzen haben keine Fenster“) bezaubern ließ. Eigentlich zelebriert auf den Brettern aber natürlich die Schwerter Operettenbühne ihre Heimspiele.

Mutterglück und Krankheitspech und dann die Corona-Pandemie haben die Aufführungen zuletzt leider arg eingeschränkt. Selbst die Proben des Ensembles waren lange zum Pausieren gezwungen. Gunther Gerke kann es kaum erwarten, den Vorhang wenigstens hin und wieder für geladene Gäste öffnen zu können.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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