Polizei beleidigt und dann gefesselt worden - Radfahrer (70) sucht einen Arzt als Zeugen

hzZwischen Schwerte und Hagen

Was geschah wirklich am 17. Mai nach einem Unfall auf der Stadtgrenze von Schwerte und Hagen? Die Polizei hatte behauptet, ein Radfahrer habe die Sperrung ignoriert. Er schildert das anders.

Ergste

, 29.05.2019, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Norbert Brinkmann war auf dem Weg nach Hause, zurück von Ergste nach Barthey. Der drahtige 70-Jährige saß auf dem Rennrad, so wie häufig. Im Rucksack habe er etwa 15 leere Flaschen gehabt.

Rund um den Parkplatz in Ergste in der Nähe der A45 finde man die oft. Er sammele sie, nehme sie mit, ein kleiner Leergut-Zuverdienst. An diesem Nachmittag habe eine Flasche sogar gar nicht mehr in den Rucksack gepasst. Brinkmann steckte sie vorne ins Radrenn-Trikot.

Radfahrer sah LKW-Chaos an der A45-Abfahrt in Ergste

So sei er dann vorbeigekommen an der Unfallstelle in der Nähe der A45-Abfahrt Ergste, hinter der die Straße geradeaus nach Hagen gesperrt gewesen sei. Für Autos und vor allem für Lastwagen. „Das war ein reines Chaos“, erinnert sich Brinkmann. Viele Lkw, die eigentlich nach Hagen gewollt hätten, hätten direkt eine 180-Grad-Wende zurück auf die Autobahn hingelegt. Gefährlich sei das gewesen, so Brinkmann. Polizisten seien auf dieser Seite des Unfalls aber nicht gewesen.

Mit seinem Rad passte der 70-Jährige locker am Unfall vorbei. Ein Auto lag auf dem Dach, doch das habe ihn gar nicht so sehr interessiert. Er sei stattdessen hinter der Unfallstelle zu den Polizisten hingefahren. Auf der anderen Seite sei es doch gefährlich mit den Lkw. Wäre es nicht besser, dort auch einen Polizeiwagen hinzustellen, dort auch direkt zu sperren?

Die Antwort sei knapp und nicht gerade freundlich gewesen, erinnert sich Brinkmann: Das sei Aufgabe der Polizei, nicht seine.

Der Streit zwischen Radfahrer und Polizist eskalierte schnell

Er habe wohl etwas überreagiert, gesteht der Rentner. Jedenfalls sei es schnell verbal eskaliert. Und nachdem der Polizist ihm zugerufen habe „Verpissen Sie sich!“ habe er geantwortet mit: „Sie sind selbst ein Pisser.“

Ja, eine Beamtenbeleidigung, das müsse er zugeben. Mit der folgenden Reaktion des Polizisten habe er aber nicht gerechnet, sagt Brinkmann. Als er weiterfahren wollte, sei er vom Rad gerissen und auf den Boden geworfen worden. Hände nach hinten gedreht, Handschellen um, ein Fuß im Rücken zum Fixieren. „Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher.“

Zum Glück sei die Glasflasche vor seiner Brust nicht zersprungen. „Ich lag ja auf dem Bauch, Helm und Rucksack noch auf.“

Die Polizei hatte den Konflikt wie folgt beschrieben: Der Radfahrer „widersetzte sich körperlich einer Personalienfeststellung und musste kurzfristig gefesselt werden.“

Ein Arzt hielt an, wurde aber von der Polizei weggeschickt

Blutergüsse an Rippen und Oberschenkeln seien die Folgen gewesen, erklärt Norbert Brinkmann. Und dass man ihm gesagt habe: „Wenn Sie noch ein Wort sagen, verbringen Sie die Nacht in einer Einzelzelle.“

Ab da sei er natürlich ruhig gewesen. Vorher habe er aber schon vorbeifahrenden Autofahrern zugerufen, dass sie bitte ein Foto von der Szene machen sollten.

Und einer habe auch angehalten und sei ausgestiegen. Er sei Arzt, habe der gesagt, erinnert sich Brinkmann. Und ob er vielleicht helfen könne.

Nein, danke, man habe alles im Griff, hätten die Polizisten gesagt „und den Mann wieder wegkomplimentiert“.

„Diesen Arzt suche ich als Zeugen“, sagt Brinkmann. Nicht etwa, weil er sich über die Polizisten beschweren wolle. Aber falls man ihm jetzt die Beleidigung und vor allem den Widerstand gegen die Beamten vorwerfe, wolle er sich schon verteidigen. Und da könnte eine Zeugenaussage schon helfen. Sonst bliebe ja nur das, was er sage - und wie die Polizisten die Szene auslegen würden.

Zeuge gesucht

Wo sich der Arzt melden kann

Sie sind derjenige gewesen, der sich in der Situation der Polizei gegenüber als Arzt vorstellte? Dann melden Sie sich bei uns per Mail oder unter Tel. (02304) 910244. Wir stellen dann den Kontakt zu Norbert Brinkmann her.
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