Die neuen Regelungen in der Straßenverkehrsordnung sollen auch für mehr Sicherheit im Radverkehr sorgen. Dabei müssen sich aber vor allem die Autofahrer auf einige Neuerungen einstellen.

Schwerte

, 03.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Sicherer, klimafreundlicher und gerechter.“ Mit diesen Worten präsentierte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die aktualisierte Straßenverkehrsordnung, die am 28. April in Kraft getreten ist. Die neuen Vorschriften sollen auch Radfahrer besser schützen. Es gibt Schwerter, denen sind neue Gesetze nicht genug.

„Fahrradfahrer müssen besser geschützt werden“

Monika Rosenthal vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Schwerte begrüßt die neuen Regelungen. Sie findet: „Fahrradfahrer müssen besser geschützt werden.“ Allerdings brauche es hierfür zuallererst mehr und sicherere Radwege in der Stadt.

Gesetze könnten zwar helfen, gefährliche Situationen zu vermeiden, oft würden diese Situationen bei entsprechender Infrastruktur aber garnicht erst entstehen. Als Beispiel nennt Rosenthal die Kreuzung am Ostentor: „Da müssen Fahrradfahrer über die Fußgängerampel über die Straße. Lkw sehen die Radfahrer dann oft nicht.“

Die neue Regelung, dass Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ab sofort nur noch in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen dürfen, sei daher grundsätzlich sinnvoll.

Die Ostentor-Kreuzung ist einer der Unfallschwerpunkte in der Stadt. Auch Radfahrer sind hier gefährdet.

Die Ostentor-Kreuzung ist einer der Unfallschwerpunkte in der Stadt. Auch Radfahrer sind hier gefährdet. © Dennis Görlich

Wunsch nach einer Fahrradstraße durch die Stadt

Besser findet Rosenthal aber die Idee von eigenen Wegen für die Radfahrer. „Mein Wunsch wäre es, so mit dem Rad fahren zu können, dass man garnicht erst in Kontakt mit den Autos kommt.“

Dann würden, so hofft sie, noch mehr Schwerter auf den Drahtesel umsteigen. Rosenthal sieht nämlich folgendes Problem: „Viele fahren selbst die kurzen Strecken mit dem Auto, weil sie Angst haben, mit dem Rad zu fahren.“ Diese Angst müsse den Menschen durch entsprechende Infrastruktur genommen werden. „Eine Fahrradstraße durch Schwerte, das wäre doch was.“

Dass solche Straßen auch im Zentrum grundsätzlich denkbar wären, wurde in dem bereits 2016 von der Stadt veröffentlichten „Mobilitätskonzept 2025“ dargelegt. Die neuen Regelungen zur Straßenverkehrsordnung ermöglichen es den Kommunen sogenannte Fahrradzonen – ähnlich den Tempo-30-Zonen – einzurichten, bei denen der Radverkehr dann Vorrang hat.

Umbau der B236: Ohne Stau sicher durch Schwerte

Vor allem aber bei größeren Bauvorhaben sollten die Interessen der Radfahrer mehr berücksichtigt werden, so Rosenthal. „Gerade mit dem Umbau der B236 wäre es gut, dass den Radfahrern künftig etwas angeboten wird, ohne Stau sicher durch Schwerte zu kommen.“

Dabei gehe es immer darum, eine gemeinsame Lösung für Autofahrer und Radfahrer zu finden. „Wir leben ja nicht im Krieg mit Autofahrern“, betont Rosenthal.

Unterschiedliche Situationen im Straßenverkehr würden aber oft zu einem Konflikt zwischen Radlern und Autofahrern beitragen. So sind Einbahnstraßen in Schwerte meist für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben. „Viele Autofahrer wissen das aber nicht.“

Monika Rosenthal von der ADFC-Ortsgruppe Schwerte sieht in Schwerte noch viel Potential für den Radverkehr.

Monika Rosenthal von der ADFC-Ortsgruppe Schwerte sieht in Schwerte noch viel Potential für den Radverkehr. © Foto: Bernd Paulitschke

Der jetzt vorgeschriebene Abstand von 1,5 Metern beim innerörtlichen Überholen von Fahrrädern könnte diesen Konflikt noch verschärfen, da oft nicht ausreichend Platz auf den Straßen zur Verfügung steht.

Stadt will Radverkehr bis 2025 verdoppeln

Vielleicht macht auch deswegen der Radverkehr in Schwerte einen Anteil von nur 6,5 Prozent aus. „Gerade in einer Stadt wie Schwerte, in der viele Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können, ist das zu wenig“, findet Monika Rosenthal. Zum Vergleich: Im gesamten Kreis Unna liegt der Radverkehrsanteil bei durchschnittlich 12 Prozent.

Die Stadt hält daher weiterhin an ihrem Ziel fest, den Anteil am Radverkehr auf 13 Prozent im Jahr 2025 zu verdoppeln. Zudem soll die Zahl der Radverkehrsunfälle verringert werden. Ein erster Schritt dahin soll durch die jetzt angepasste Straßenverkehrsordnung kommen. Dabei gibt es für Autofahrer aber mehr zu beachten, als für Radfahrer.

Im Überlick: Das ändert sich für Autofahrer

  • Autofahrer müssen mindestens 1,50 Meter Abstand halten, wenn sie Radfahrer oder Fußgänger überholen.
  • Außerhalb geschlossener Ortschaften sind es sogar zwei Meter. Auf Schutzstreifen für Fahrradfahrer, also mit einer Linie auf der Fahrbahn markierten Radwegen, gilt für Autos ein generelles Halteverbot.
  • An Straßen mit getrennten Radwegen müssen Autofahrer nun mindestens acht Meter Abstand von Einmündungen halten. Vorher waren fünf Meter vorgeschrieben.
  • Künftig gibt es die Möglichkeit, sogenannte Fahrradzonen – ähnlich den Fahrradstraßen – einzurichten. Dort gilt eine Höchstgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge von 30 km/h.
  • Ein neues Schild verbietet das Überholen von einspurigen Fahrzeugen (Fahrrad, Motorroller) mit mehrspurigen Fahrzeugen, wie etwa Pkw.
  • Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dürfen künftig nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen.

Im Überlick: Das ändert sich für Radfahrer

  • Radfahren auf dem Gehweg wird teurer. Statt 15 Euro werden nun mindestens 25 Euro fällig. Das Fahren auf Radwegen in falscher Richtung wird mit 55 statt 15 Euro bestraft.
  • Radfahrer dürfen künftig nebeneinander fahren, wenn sie dabei keine Verkehrsteilnehmer behindern.
  • Auf Fahrrädern, die für die Personenbeförderung ausgestattet sind, dürfen auch Personen über das siebte Lebensjahr hinaus transportiert werden.
  • Der grüne Pfeil an Ampeln gilt nun auch für Radfahrer, die den Radweg nutzen. Zusätzlich wird ein Grünpfeilschild nur für Radfahrer eingeführt.
  • Ein weiteres neues Schild kann künftig Park- und Ladeflächen für Lastenfahrräder ausweisen.
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