Raser auf der Gasstraße werden zur Gefahr für Schüler, Eltern und Senioren

hzSchwerter Innenstadt

Viele Grundschüler sind hier unterwegs, auch viele Ältere mit Rollatoren - und die Gasstraße in Schwertes Innenstadt ist eine Spielstraße. Doch oft kommt es hier zu gefährlichen Szenen.

Schwerte

, 27.09.2019, 12:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Menschen, zwei Geschichten - und doch gleichen sich die Szenen: Stefan Simon war auf dem Weg, seine Tochter aus der Grundschule abzuholen. Emmi Beck war mit dem Rollator unterwegs. Beide begegneten Autofahrern auf der Gasstraße.

Auf der wenige hundert Meter langen Strecke entlang des Stadtparks ist eigentlich Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Als Schutz für Park-Besucher und Anwohner. Am Anfang der Einbahnstraße - also an der Ecke Bahnhofstraße - liegt der Schulweg für viele Kinder, die die Friedrich-Kayser-Schule (FKS) besuchen. Am Ende - also an der Beckestraße - steht das Haus am Stadtpark, also ein Seniorenzentrum. Und dazwischen befinden sich auch Wohnungen, in denen viele Ältere wohnen.

„Einige fahren mit 60 km/h durch die Straße“

„Da gibt es einige, die fahren mit 60 km/h hier durch die Straße“, schätzt Emmi Beck. Das sei vor allem so schlimm, seitdem die Bahnhofstraße gesperrt und die Gasstraße lange Zeit die Umleitung gewesen sei.

Einmal, als sie mit dem Rollator unterwegs gewesen sei, hätte ein Autofahrer sie fast umgefahren. Damit nicht genug: Als sie sich beschwert habe, sei sie auch noch bedroht und übelst beleidigt worden, erklärte die Seniorin in dieser Woche bei einem offiziellen Diskussions-Termin im Stadtpark.
Man müsse ja auf die Straße, denn der Bürgersteig sei so gestaltet, dass man mit Rollatoren hängen bleibe. Insofern gut und wichtig, dass das dort eine Spielstraße sei.

„Bleibe mit meinen 120 Kilogramm einfach mal stehen“

„Wir erleben das genau so“, pflichtet Stefan Simon bei. Er ist Elterpflegschaftsvorsitzender an der FKS, bringt seit Jahren seine Töchter zur Schule oder holt sie nachmittags ab. Auch er sei auch schon vielen Rasern begegnet, auch er habe sich schon beschimpfen lassen müssen, wenn er andere auf die Schrittgeschwindigkeit hingewiesen habe.

Immerhin habe er einen Vorteil gegenüber den Senioren, merkt Simon schelmisch schmunzelnd an: „Ich mache es dann so, dass ich mit meinen 120 Kilogramm einfach kurz vor dem Auto stehenbleibe. Darf ich ja auch, ist ja eine Spielstraße.“

Generell ist es aber auch Simon ernst. Er wünscht sich häufigere Kontrollen.

Polizei kontrolliert häufig und darf die Geschwindigkeit schätzen

„Wir kontrollieren da schon alle Nase lang“, unterstreicht Bernd Pentrop, der Sprecher der Polizei im Kreis Unna. Das Problem sei schon lange bekannt, aber er nehme die Anregung gerne entgegen und weise die Kollegen darauf hin, dass es Sorgen gebe.

In Spielstraßen, erläutert Pentrop, müssten seine Kollegen nicht zwingend mit dem Lasergerät stehen und die exakte Geschwindigkeit messen. Dort dürften Polizisten ja auch schätzen, indem sie schauen, ob sich ein Auto tatsächlich so langsam bewegt wie die Fußgänger.

In diesem Fall gebe es ein generelles Verwarngeld von 15 Euro und keine Strafe, die sich an der exakten Geschwindigkeitsüberschreitung orientiere. Die Vorteile, so Pentrop: weniger Aufwand und vor allem eine „direkte verkehrserzieherische Maßnahme“. Der Autofahrer werde direkt nach dem Vergehen mit dem Zu-Schnell-Fahren konfrontiert und nicht erst nach Wochen.

Schrittgeschwindigkeit

Wie hoch sind Bußgelder, die in der Spielstraße drohen?

Abgesehen von den 15 Euro, die die Polizei pauschal durch Schätzen ermitteln kann, gelten dort die üblichen Regeln für Geschwindigkeitsüberschreitungen: bis zu 10 km/h drüber macht 15 Euro, 11 bis 15 km/h mehr macht 25 Euro, 16 bis 20 km/h mehr ergibt 35 Euro - und bei 21 km/h mehr sind es 80 Euro plus ein Punkt in Flensburg. Für Wiederholungstäter gilt: Ab 26 km/h drüber kann es einen Monat Fahrverbot geben - und 100 Euro Strafe. Bedenkt man, dass in Spielstraßen nur rund 7 km/h erlaubt sind, sind das keine unrealistischen Werte.
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