Reportage: Hitzewelle lockt Besucher ins Elsebad – auch unsere Autorin

hzElsebad

Es ist heiß, da ist Schwimmen gehen die Lösung. Und genau das tun viele im Elsebad während der aktuellen Hitzewelle. Unsere Autorin hat getestet wie die Lage im Elsebad bei der Hitze ist.

Ergste

, 09.08.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ist das eine Hitze“, das ist wohl der Satz den Arbeitskollegen, Freunde und Familie von mir derzeit am häufigsten hören. Also, ab ins Schwimmbad.

Jetzt lesen

Auf dem Weg nach Schwerte hatte ich nur einen Gedanken: „Bitte lass es noch genügend Schattenplätze geben.“ Denn ein Sommer-, Sonne,- Hitzefan bin ich nun wirklich nicht. Auf dem Parkplatz drubbelt es sich. Ich fahre einmal, zweimal, dreimal alle Abzweigungen ab, bis eine Frau mit ihrem Wagen wegfährt. Es ist anscheinend voll.

An der Kasse angelangt stelle ich fest, keine irre lange Schlange, nur zwei Menschen sind vor mir dran. Vor mir in der Reihe steht eine Mutter mit Kind, der Vater steht schon im Bad und wartet auf den Rest der Familie. Sie dreht sich um und will wieder raus, sie hatte etwas vergessen. Prompt wird sie vom Badpersonal aufgefordert doch bitte nicht durch den Eingang nach draußen zu gehen – keine Reaktion. Auch nach dem zweiten und dritten Mal reagiert die Frau nicht. Erst nach einem eindringlicheren Bitten, hört sie und geht durch einen Seitenausgang zu ihrem Auto. „Aha, fängt ja gut an“, denke ich mir.

Kinderlachen, Pommes und Schatten

Ich bezahle, gehe links herum in Richtung Wiese, ziehe mich schnell um und suche mir einen Schattenplatz. Ich war ewig nicht im Freibad. Etwas überfordert lasse ich den Blick schweifen und sehe ein Fleckchen Wiese hinter den Kinderschaukeln und direkt unter riesigen Bäumen, für das ich mich entscheide.

Im Schatten lässt es sich gut aushalten.

Im Schatten lässt es sich gut aushalten. © Laura Schulz-Gahmen

Ungefähr zehn Minuten dauert es, bis ich mich an die Geräuschkulisse und den harten Boden gewöhnt habe. Und dann bin ich auf einmal entspannt. Es ist nicht zu warm, der Boden kühlt meinen kalkweißen und mit Sonnenöl besprühten Körper – es ist herrlich. Ich beobachtete die Menschen um mich herum, viele gestählte Körper und auch viele nicht so gestählte Körper bekomme ich zu sehen. Ich muss mich also doch nicht in ein Zelt hüllen – Erleichterung. Kinder kreischen, lachen, essen Eis und Pommes. Plötzlich ist schon mehr als eine halbe Stunde vergangen und es zieht mich ins Wasser.

Untern den großen Bäumen liegt es sich gut und auch die kleinen Wolken stören nicht.

Untern den großen Bäumen liegt es sich gut und auch die kleinen Wolken stören nicht. © Laura Schulz-Gahmen

Ich gehe in Richtung Becken. Klar, in eine andere Richtung geht es ja auch nicht, wegen Corona. Ich fische mir eines der blauen Bändchen für den Beckenbereich aus einem der Behältnisse und rede kurz mit einer der Aufsichten. „Stop, hier darfst du nicht durchgehen“, ermahnt die Frau auch gleich einen kleinen Jungen. Ich gehe weiter zum Becken. „Oha, ganz schön kalt“, denke ich. „Aber deswegen bist du ja hier, Du Mimose“, appelliere ich an mein Selbst und lasse mich ins Wasser gleiten. Im Einbahnstraßen-Prinzip wird hier geschwommen, die meisten halten sich dran. Ab und zu sieht man einen Rückenschwimmer, der nicht sieht, wie nah er anderen kommt, aber das wird ihm schnell gesagt. Alles gut, keine Panik.

Die Bademeister haben den vollen Überblick über das Becken.

Die Bademeister haben den vollen Überblick über das Becken. © Laura Schulz-Gahmen

Ich ziehe also schnell ein paar Bahnen und gehe wieder in Richtung Wiese. Mein Bändchen gebe ich natürlich wieder ab, damit ein anderer dafür ins Wasser kann, denn die Zahl der Beckenbenutzer ist begrenzt. Auf der Wiese treffe ich Thomas Wild, er ist im Vorstand des Fördervereins des Elsebads.

Er erzählt mir: „Wir sind einfach so froh, dass wir wieder geöffnet haben. Auch darüber, dass alles relativ entspannt läuft.“ Es gibt keine Voranmeldungen und so viele wie ins Elsebad rein dürfen, aufgrund der Corona-Bestimmungen, sind bisher nicht gleichzeitig da gewesen. Insgesamt dürfen 1700 gleichzeitig ins Bad, „am Freitag sind wir das erste Mal knapp an die 1000 dran gekommen.“

Thomas Wild, Vorstand des Fördervereins Elsebad.

Thomas Wild, Vorstand des Fördervereins Elsebad. © Laura Schulz-Gahmen

Ich frage ihn, ob sich denn alle an die Mindestabstände und die Einbahnstraßen halten. Er antwortet: „Wir sind natürlich anwesend und gucken, dass die Mindestabstände eingehalten werden. Wir sprechen die Leute auch drauf an.“ Wer sich völlig den Corona-Regeln im Elsebad verweigert, dem wird Hausverbot erteilt. Erst am Sonntagmorgen habe Betriebsleiter Mohammed Ansari mehrere Leute des Bades verwiesen, weil sie sich nicht an die Regelung mit den Bändchen hielten. „Aber in der Regel reicht eine freundliche Ermahnung“, sagt Thomas Wild.

Langsam bekomme ich Hunger, viele watscheln in ihren Flip-Flops mit einem Tablett voll Pommes an mir vorbei. „Jetzt reicht‘s, ich will auch“, denke ich mir und verabschiede mich von Thomas Wild. Ich ziehe mich schnell um und reihe mich in die Warteschlange am Kiosk ein, wo auch auf Abstand geachtet wird – „So muss das sein.“ Mit meinen Pommes in der einen Hand und meinem Körbchen in der anderen sehe ich mich um und suche einen Platz zum Essen. Tische und Stühle gibt es nicht, wegen Corona.

Fachangestellter für Bäderbetriebe, Hendrik Buschhaus.

Fachangestellter für Bäderbetriebe, Hendrik Buschhaus. © Laura Schulz-Gahmen

Da entdecke ich Hendrik Buschhaus, er ist Fachangestellter für Bäderbetriebe im Elsebad. Auch er hat Hunger und macht gerade Pause. Er erzählt, dass die Hitze dafür sorgt, dass es endlich mal wieder voll ist im Freibad. „Trotz Corona klappt es bei uns sehr gut, weil uns viele Badegäste auch dabei unterstützen, die Baderegeln durchzusetzen“, sagt er.

Kinder und Jugendliche springen ins Schwimmbecken.

Kinder und Jugendliche springen ins Schwimmbecken. © Laura Schulz-Gahmen

Manche Gäste seien gegen die Regeln allerdings renitent. Der Großteil halte sich an die Regeln und die Gäste freuen sich einfach, dass sie bei der Hitze hier sein können. Wir essen zusammen und reden noch ein bisschen, dann mache ich mich auf den Weg zum Ausgang. Ich gebe meinen Zettel mit Daten ab und denke: „Das war nicht mein letzter Besuch im Elsebad.“

Lesen Sie jetzt