Die Feuerwehrleute mussten lange warten, bis sie in die Umbauspannanlage der Stadtwerke vorrücken durften. Erst musste alles stromlos und geerdet sein. © Heiko Mühlbauer
Mega-Blackout in Schwerte

Retter wussten, was im Umspannwerk passierte – aber durften nicht hin

Lange dauerte es, bis die Feuerwehrleute zu dem Brand im Umspannwerk vordringen durften. Erst musste alles stromlos sein. Beim Warten erfuhren die Retter, wie es zu dem Unglück gekommen war.

Solange die drei mächtigen Transformatoren ruhig vor sich hinbrummen, ist alles in Ordnung in der Stadt. Laternen, Heizungen und Computer sind an. Die Respekt einflößenden Geräte an der Hagener Straße bilden das Herzstück der Schwerter Elektrizitätsversorgung. Mit einer Höchstspannung von 110.000 Volt nehmen sie den von Garenfeld herüberkommenden Kraftwerksstrom in der Umspannanlage der Stadtwerke an, um ihn für die Weiterverteilung auf 10.000 Volt zu reduzieren. In dieser gefährlichen Umgebung einen Brand zu löschen, stellte die Schwerter Feuerwehr beim Mega-Stromausfall am Mittwochmorgen (24.2.) vor eine große Herausforderung.

Beim Wiederanfahren nach Reinigungsarbeiten gab es einen Knall

„Brennt Feuer nach Schaltvorgang im Umspannwerk.“ So lautete die Alarm-Meldung, die um 9.46 Uhr über die Kreis-Leitstelle auf der Rettungswache an der Lohbachstraße einlief. Schon eine Minute später seien die ersten Fahrzeuge ausgerückt, berichtet Einsatzleiter Ralf Jürgens weiter. Beim Eintreffen auf dem Gelände an der Hagener Straße 71 – etwas versteckt zu erreichen über die Meischede – seien seine Kollegen dort schon von Stadtwerke-Mitarbeitern empfangen worden, die Näheres zum Unglücksgeschehen berichten konnten: Nach Reinigungsarbeiten – so hieß es – sollte eine Anlage wieder angefahren werden. Dabei habe es einen Knall gegeben. Danach brannte es in dem Gebäude, das direkt hinter den drei riesigen Haupt-Transformatoren der Stadt steht.

Das Erdgeschoss des zweistöckigen Hauses sei bereits stark verraucht gewesen, so Ralf Jürgens weiter: „Man sah Feuer, aber viel Rauch.“ Davor hätten sich die Feuerwehrleute zwar mit Pressluftatmern schützen können, doch sie konnten aus einem anderen Grunde nicht hinein: Das Betreten war verboten und lebensgefährlich, solange der Strom eingeschaltet war. Zuerst mussten die Stadtwerke-Techniker den Strom herunterfahren und die Anlagen erden. Weil die dafür vorgesehenen Stellen im Gebäude nicht erreichbar waren, mussten sie zu dem anderen Ende des Kabels fahren und die Erdung dort vornehmen. Das habe man mit etwa einem Dutzend Leitungen machen müssen.

Drei mächtige Transformatoren reduzieren im Umspannwerk an der Liethstraße den ankommenden Strom aus der 110.000-Volt-Überlandleitung für die Verteilung im Stadtgebiet auf 10.000 Volt. Im zugehörigen Schaltgebäude dahinter brach der Brand aus.
Drei mächtige Transformatoren reduzieren im Umspannwerk an der Liethstraße den ankommenden Strom aus der 110.000-Volt-Überlandleitung für die Verteilung im Stadtgebiet auf 10.000 Volt. Im zugehörigen Schaltgebäude dahinter brach der Brand aus. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

„Die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken war sehr gut“, lobt der Einsatzleiter, dessen Leute schließlich um 11.13 Uhr zum Löscheinsatz ins Innere vordringen konnten. Die mehr als einstündige Wartezeit zuvor hatten sie genutzt, um von außen in der Tür zum Treppenhaus einen Lüfter in Stellung zu bringen, der Rauchschäden vermeiden sollte. Außerdem bereiteten sie draußen einen Löschangriff vor, um notfalls ein mögliches Übergreifen der Flammen auf das übrige Gebäude verhindern zu können.

Letztlich wurden die Flammen mit Sand erstickt

Der Einsatz des Lüfters zahlte sich aus. Als ein Löschtrupp unter Atemschutz zum Feuer vordrang, war die Sicht schon wieder gut. Um kein Wasser einzusetzen, versuchten die Retter, die Flammen mit CO2-Löschern zu ersticken, die den Flammen den Sauerstoff entziehen. Sobald das Gas verflogen war, entzündeten sich die geschmolzenen Kabel-Isolierungen wegen ihrer hohen Temperatur aber wieder. Deshalb wurde in einer Mülltonne eilig Sand herbeigeschafft. „Nach fünf Schippen Sand auf den Plastikhaufen war das Feuer aus“, beschreibt es Ralf Jürgens im Nachhinein ein wenig flapsig. Aber das Wichtigste war natürlich: „Wir brauchten innendrin nicht einen Tropfen Wasser. Es haben keine elektronischen Bauteile durch Wasser Schaden genommen!“ Wer weiß, wielange es sonst gedauert hätte, die Stromversorgung in Schwerte wieder in Gang zu bringen.

Rund um den Mega-Stromausfall hatte die Feuerwehr viele zusätzliche Aufgaben zu leisten. Als Ansprechpartner waren beispielsweise Einsatzkräfte auf dem Postplatz und auf dem Cavaplatz postiert, da telefonische Notrufe nur eingeschränkt möglich waren.
Rund um den Mega-Stromausfall hatte die Feuerwehr viele zusätzliche Aufgaben zu leisten. Als Ansprechpartner waren beispielsweise Einsatzkräfte auf dem Postplatz und auf dem Cavaplatz postiert, da telefonische Notrufe nur eingeschränkt möglich waren. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Vorsorglich nahmen die Feuerwehrleute noch einige Platten des doppelten Fußbodens auf und kontrollierten alles mit einer Wärmebildkamera auf versteckte Glutnester, bevor sie gegen 13 Uhr den Unglücksort an die Stadtwerke übergeben hatten und zur Wache zurückgekehrt waren. Im Einsatz waren neben dem Führungsdienst und der Hauptamtlichen Wache noch die Löschzüge Schwerte-Mitte und Westhofen.

Beatmungs-Patienten gingen zu Hause die Akkus zur Neige

Rund um den Mega-Stromausfall gab es aber auch für die anderen Feuerwehrleute jede Menge Arbeit. Der Löschzug Villigst besetzte die Wache an der Lohbachstraße, um zusammen mit dem Löschzug Geisecke viele weitere Einsätze zu übernehmen. In mehreren Häusern mussten Personen aus steckengebliebenen Fahrstühlen befreit werden. Vor ernsten Problemen standen auch Kranke, die zu Hause auf Inhalations- und Beatmungsgeräte angewiesen waren, deren Akkus zunehmend leerer wurden. Am Hospiz wurde deshalb ein Notstromaggregat aufgebaut. Für andere Betroffene orderte man zusätzliche Rettungs- und Notarztwagen, um sie notfalls in Krankenhäuser bringen zu können. Dafür stand auch ein Rettungszug aus Unna samt Leitendem Notarzt bereit.

Einsatzleiter: Gut, dass das Ganze nicht beim Wintereinbruch passierte

„Gut, dass das Ganze nicht vor zwei Wochen passiert ist“, sagt Ralf Jürgens und klingt dabei ein wenig erleichtert. Da hatte der sibirische Winter mit Schnee und eisigen Minusgraden die Ruhrstadt fest im Griff. Die Feuerwehr war mit Schneeketten gerüstet. Aber nicht auszumalen, wenn beispielsweise in Krankenhäusern und Altenheimen die Heizungspumpen mangels Strom ausgefallen wären.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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