Ruhrtalradweg: Die Radfahrer sind schuld, die Fußgänger auch, die Hundebesitzer erst recht

hzKlare Kante

Wer ist schuld daran, dass es so viel Streit gibt auf dem Ruhrtalradweg in Schwerte? Ganz eindeutig: die Radfahrer. Und die Fußgänger. Und die Hundebesitzer erst recht. Ein Rundumschlag.

Schwerte

, 29.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ja, ich war schnell. Ich hatte es eilig - und es wäre eigentlich auch kein Problem gewesen. Zwischen der B236 in Ergste und der Eisenbahnbrücke in Wandhofen war es: Hunderte Meter geradeaus, alles einsichtig, niemand dort außer zwei Fußgängern. Die früh schon in meine Richtung blickten, dann weiter nebeneinander standen, schließlich doch einen Schritt zur Seite traten, mir dann aber etwas hinterherriefen.

Was genau, das verstand ich nicht, ich war zu schnell. Aber aus den Wortfetzen entnahm ich: Genau darum ging es.

Szene Nummer zwei

Andere Szene, anderer Tag, einige Meter weiter, der echte Ruhrtalradweg zwischen Wandhofen und Bootshaus: Zwei Frauen gingen nebeneinander her und unterhielten sich. Ich überlegte kurz: Klingeln? Besser nicht. Zu aggressiv. Lieber abbremsen, ganz langsam heranpirschen, meist ergibt sich links oder rechts dann eine Lücke, die breit genug ist für mich und mein Fahrrad.

Die Reaktion: erschrocken. „Wieso klingeln Sie denn nicht einfach?“

Szene Nummer drei

Szene Nummer drei, wieder woanders auf dem Ruhrtalradweg. Ein Vater mit Kind vor mir, ich klingele, er reißt den Nachwuchs zur Seite, sagt nichts, aber funkelt mich böse an.

Ja wie denn nun, liebe Fußgänger? Wie soll ich‘s denn machen? Am besten nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren?

Ich bin ja gerne bereit, das Tempo zu drosseln. Wenn es voll ist, bin ich der Erste, der das tut. Der Stärkere muss auf den Schwächeren achten: der Autofahrer auf den Radfahrer, der Radfahrer auf den Fußgänger - und selbst die E-Biker, E-Scooter-Fahrer, Kinder auf normalen Rollern müssen sich in diese Liste einfügen. An die richtige Stelle zwischen schnelleren und langsameren Verkehrsteilnehmern, die sich arrangieren müssen.

Aber wenn der Weg frei ist? Was dann?

Der Radfahrer ist schuld. Das denkt der Fußgänger doch, oder? Soll der doch abbremsen. Und dass der Fußgänger so denkt, hat auch seine Gründe. Man muss sich doch nur einmal umschauen an einem normalen Sommertag auf dem Ruhrtalradweg: Da rattern die Gruppen von Rennrädern und Mountainbikes durch als wäre es das Zeitfahren bei der Tour de France, als wären die Fußgänger in Wahrheit nur anfeuernde Fans - die springen ja immer erst im letzten Moment zur Seite.

Dann sind da die E-Biker, einige nach vielen Jahrzehnten Rad-Abstinenz wieder zurück im Sattel, darunter eine Maschine, die fast von alleine auf 25 km/h beschleunigt.

Wann haben Sie zum letzten Mal bei Tempo 25 versucht, mit dem Rad auszuweichen? Als Alltags-Radfahrer kann ich Ihnen sagen: Nicht so einfach, wenn plötzlich ein Hund oder ein Kind vors Rad springt.

Und wieso springt der Hund überhaupt zur Seite? Ist es nicht die Aufgabe von Herrchen oder Frauchen das Tier eng bei sich zu halten? Zumindest dort, wo es so eng ist wie auf dem Ruhrtalradweg? Trifft den Halter nicht eine Teilschuld, wenn etwas passiert? Muss man für den Auslauf ausgerechnet dorthin, wo es eng ist?

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Ideal wäre etwas anderes

Hundewiesen für die Tierfreunde. Wanderwege zum gemütlichen Schlendern an der Ruhr. Plus asphaltierte Radwege. Alles schön getrennt, damit jeder seinen eigenen Bereich hat und keiner mehr auf den anderen achten muss.

Geht nicht, sagen Sie? Zu wenig Platz? Na dann: Lassen Sie uns endlich anfangen, besser aufeinander zu achten, statt auf den anderen zu zeigen. Radfahrer, Fußgänger, Hundebesitzer, Eltern - einfach alle.

Da vorne - Ihre Nase. Fassen Sie sich mal dran!

Mache ich auch - tut nicht weh! Zumindest nicht so sehr wie ein Unfall auf dem Ruhrtalradweg.

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