Sachverständiger wirft Schwerter Stadtentwässerung Abzocke vor - Politik legt jetzt nach

hzKanalsanierung in Schwerte

Schwere Vorwürfe hatte der Sachverständige Guido Meiering erhoben: Bei ehrlicher Begutachtung müssten die Bürger 80 Prozent weniger für die Kanalsanierung ausgeben. Die WfS hakt nach.

Schwerte

, 29.05.2019, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kritik an überteuerten Kanalsanierungen für private Hausanschlüsse lässt die Wählervereinigung für Schwerte (WfS) aktiv werden. Der unabhängige Sachverständige Guido Meiering hatte von „Abzocke“ in der Ruhrstadt berichtet und in diesem Zusammenhang auch Vorwürfe in Richtung Stadtentwässerung (SEG) erhoben.

Fragenkatalog an die Stadtentwässerung geschickt

„Wir halten es für möglich, dass durch die momentane Praxis der SEG für die Bürger der Stadt Schwerte unnötige finanzielle Belastungen entstehen und sehen es aus diesem Grund auch als Aufgabe der Politik, die Interessen der Bürger geltend zu machen“, erklärt WfS-Fraktionsvorsitzender Andreas Czichowski. In einem Brief an die SEG, in dem er vier Fragen formuliert hat, möchte er wissen, welche Verfahren zur Dichtheitsprüfung der Kanäle momentan in Schwerte zulässig sind. „Falls eine der drei technisch zulässigen Verfahren - optisches Verfahren, Füllstandsprüfung und Druckluftprüfung - nicht anerkannt wird, bitten wir Sie, zu erläutern, auf Grund welcher Rechtsgrundlage dieser Ausschluss begründet ist“, bohrt der WfS-Fraktionschef weiter und möchte dafür auch Sachgründe erfahren. Abschließend heißt es: „Wir bitten Sie zusätzlich zu erläutern, warum Ihrer Auffassung nach nicht alle drei Methoden zur Dichtheitsprüfung gleich gut geeignet sind.“

Sachverständiger wirft Schwerter Stadtentwässerung Abzocke vor - Politik legt jetzt nach

Andreas Czichowski, Vorsitzender der WfS -Fraktion im Rat hat Fragen an die SEG. © Foto: Andreas Czichowski

Meiering: Geforderte Sanierungen oft unnötig aufwendig

Gutachter Meiering, der auf der offiziellen Liste der „Sachkundigen für Zustands- und Funktionsprüfung privater Abwasseranlagen“ des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) geführt wird, hatte unter anderem darüber geklagt, dass eine anerkannte Methode zur Funktionsprüfung der Kanäle in Schwerte nicht anerkannt werde.

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Er geht davon aus, dass vielfach erheblich zu aufwendige Sanierungen verlangt würden. „Bei ehrlicher Begutachtung müsste 80 Prozent weniger dafür ausgegeben werden“, hatte er gesagt. Manchmal würden Bagatellschäden, die eigentlich gar nicht zu einer Sanierungspflicht führen sollten, viel zu stark bewertet. Daran habe er selbst aber kein Interesse, da er nur die Überprüfung anbiete, aber keinerlei Sanierungsmaßnahmen verkaufe.

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Mit einer beweglichen kamera können Rohre auf Dichtheit geprüft werden. © picture alliance / dpa

Unterschiedliche Fristen für die Reparatur

Weil Schwerte zu großen Teilen in einer Wasserschutzzone liegt, fordert ein Gesetz von den Hausbesitzern eine Zustands- und Funktionsprüfung ihrer Abwasseranlagen. Schmutzwasserrohre, die vor 1964 verlegt wurden, mussten bis Ende 2015 untersucht werden. Für jüngere Gebäude endet diese Frist erst Ende 2020. Nach Vorliegen des Gutachtens sollen große Schäden binnen sechs Monaten, mittlere innerhalb von zehn Jahren repariert werden. Bei Kleinschäden ist gar nichts nötig, so Meiering.

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