Ein Stück Schwerter Kneipengeschichte haben die Bürgerschützen in ihrem Schützenkeller verwahrt: Der Tresen samt Barhockern stammt aus der längst verschwundenen Sportlerklause an der Beckestraße. © Reinhard Schmitz
Geheimnisvoller Ort

Sagenumwobener Schützenkeller hütet Schätze aus der Kneipengeschichte

Tief unter der Kuhstraße haben die Bürgerschützen ihren Treffpunkt gebaut. Der Schießstand genügt aktuellsten Ansprüchen. Aber drumherum ist Schwerter Kneipengeschichte versammelt.

Steil führt die breite Steintreppe von der Kuhstraße aus in die Tiefe. Sind das die Stufen, die früher die Diskogänger zum legendären Black Bottom nahmen? „Nein“, beendet Rüdiger Sokolowsky alle Träumerei.

Das war direkt nebenan, wo jetzt der Dartclub sein Zuhause hat. In seinem unterirdischen Reich, dem Schützenkeller des Bürgerschützenvereins, gibt es nur noch eine verschlossene Verbindungstür hinüber.

In dem Keller wurden früher Herrenschuhe verkauft

Aber der Schützenkeller hütet ebenfalls ein Geheimnis aus der Stadtgeschichte. „Hier unten war früher die Herrenabteilung des Schuhgeschäfts Hennecke“, erklärt Rüdiger Sokolowsky.

Der Traditionsladen, in dem sich viele ihre Salamander-Lurchi-Hefte mit den Schreibschrift-Reimgeschichten abholten, hatte seinen Haupteingang eigentlich gegenüber an der Rathausstraße, aber auch diese Katakomben. Davon geblieben sind ein paar Leuchtstoffröhren unter der Decke und die lange Sitzbank an der Wand, die Kunden beim Anprobieren nutzten.

Schützenkönig Heinrich I. (Kochanek) testet den in der Coronazeit modernisierten Luftgewehr-Schießstand im Schützenkeller an der Kuhstraße.
Schützenkönig Heinrich I. (Kochanek) testet den in der Coronazeit modernisierten Luftgewehr-Schießstand im Schützenkeller an der Kuhstraße. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Alles andere haben die Bürgerschützen nach der Übernahme der Räumlichkeiten ab 1995/96 in Eigenregie mit viel Engagement zu ihrem Treffpunkt gestaltet. Mit Küche, Toilettenanlagen, Abstellraum und dem langen Luftgewehr-Schießstand, der jetzt nach veränderten Sicherheitsbestimmungen erneut komplett umgebaut worden ist.

„Die Sicherheit im Schießen ist gewährleistet“, erklärt der Vereins-Vorsitzende. Weil die schwarze Holz-Verlattung am Kopfende nicht mehr zulässig war, wurde sie gegen eine große Metallplatte getauscht. Auch die Beleuchtung musste heller werden. Jetzt strahlen die Lampen mit 3000 Lumen.

Ihren Schützenschrank mit der historischen Kompaniefahne haben die Bürgerschützen mit ihrem Vorsitzenden Rüdiger Sokolowsky aus dem Saal der früheren Gaststätte Laternchen an der Mährstraße gerettet. Er passte nach dem Umzug genau unter die Decke ihres Schützenkellers.
Ihren Schützenschrank mit der historischen Kompaniefahne haben die Bürgerschützen mit ihrem Vorsitzenden Rüdiger Sokolowsky aus dem Saal der früheren Gaststätte Laternchen an der Mährstraße gerettet. Er passte nach dem Umzug genau unter die Decke ihres Schützenkellers. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Zehn Meter lang ist die Bahn, an deren Ende die winzige Schießkarte mit den Zielscheiben getroffen werden will. „Man muss das Gewehr ganz ruhig halten“, rät Rüdiger Sokolowsky. Meistens gebe man beim Training drei Schuss ab.

Dann schnellt die Karte auf einer Art Seilbahn zum Schützen, damit er seine Treffsicherheit kontrollieren kann: „Es ist ein Sport. Was es ausmacht, ist die Konzentration.“ Derzeit ist Ferienpause, aber September geht es freitagsabends alle 14 Tage wieder los.

In der Sportlerklause an der Beckestraße/Ecke Ladestraße wurden Ende 1996 die Zapfhähne hochgedreht. Den Tresen halten die Bürgerschützen in ihrem Schützenkeller in Ehren.
In der Sportlerklause an der Beckestraße/Ecke Ladestraße wurden Ende 1996 die Zapfhähne hochgedreht. Den Tresen halten die Bürgerschützen in ihrem Schützenkeller in Ehren. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Der Keller lässt sich aber auch zum Feiern nutzen. Mit ein paar Handgriffen ist die lange Trennwand zur Schießbahn beiseite geschoben, und ein großer Saal entsteht. Über der langen Tischreihe hängen die Ahnengalerie der Könige, Streitäxte und riesige gekreuzte Zweihand-Schwerter, mit denen man früher für die Majestäten Spalier stand.

Der Tresen wurde aus der abgerissenen Sportlerklause gerettet

Und die Schützen wären nicht Schützen, wenn sie nicht noch mehr Tradition aufbewahren würden. In eine Ecke passt genau die schwere Eichenvitrine mit der Kompaniefahne, die früher im längst verschwundenen „Laternchen“ an der Mährstraße stand. Und gezapft wird stilecht unter dem Tresendach der längst abgerissenen „Sportlerklause“ an der Beckestraße.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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