Schmutzige Geschäfte mit verschmutzten Einfahrten, Terrassen und Dächern in Schwerte

hzWarnung vor Abzocke

Die Einfahrt vermoost, die Terrasse schmutzig, die Dachrinne voller Laub. Das verlockende Reinigungsangebot von Firmen entpuppt sich leider auch in Schwerte oft als teure Abzocke.

Schwerte

, 20.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Werbeflyer ähneln sich wie ein Ei dem anderen: Vorher-Nachher-Bilder von gereinigten Terrassen und Hauseinfahrten, Frühlings- und Sommerrabatte, der Nano-Langzeitschutz und immer wieder die Wörter „Garantie“ oder „garantieren“. Die Bilder bleiben gleich, die Firmennamen, Rufnummern und Firmenadressen wechseln. Die vermeintlich seriösen Steinreiniger haben Hochsaison. Der Wunsch nach gepflegten Außenanlagen rund ums Haus auch.

Das Unkraut kommt schnell wieder, das Geld nie

Wenn das Reinigungspersonal wieder weg ist, hinterlässt es oftmals einen unzufriedenen Kunden mit leerem Portemonnaie. Und die bittere Erkenntnis, auf eine unseriöse Abzocke hereingefallen zu sein. Eine Frau aus Westhofen hat uns Anfang Mai ihre Erfahrungen mit dieser Masche geschildert. Sie hat 1370 Euro für ein paar Stunden unsachgemäßer Arbeit bezahlt. Und kaum eine Chance auf Wiedergutmachung.

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Angelika Weischer, Leiterin der Schwerter Verbraucherzentrale, hat häufig mit der immer gleichen Masche zun tun: „Die Firmen verteilen Flyer und lassen sich von Kunden anrufen. Damit entfällt das Widerspruchsrecht des Verbrauchers, das er etwa hat, wenn er an der Haustür überrumpelt wird.“ Nach dem Kundengespräch werde dann ein meistens ungenauer Auftragszettel gekritzelt, auf dem zum Beispiel nur „Terrassenreinigung“ steht. Angelika Weischer: „Dann machen sich die Leute an die Arbeit, sind meistens ruckzuck fertig, können gar kein vernünftiges Ergebnis vorlegen und verlangen ihr Geld - viel Geld.“

Der ortsansässige Handwerker verdient das größere Vertrauen

In der Regel sei das zu viel Geld für die geleistete Arbeit, weiß Angelika Weischer aus vielen Gesprächen mit Verbrauchern, die nach einem solchen Vorfall ihren Rat eingeholt haben. Weil danach aber meist nichts mehr zu machen sei, rät sie allen Hausbesitzern dringend dazu, vor der Erteilung eines Auftrages einen ortsansässigen Handwerker um ein Angebot zu bitten. „Viele Verbraucher sind erstaunt, um wie viel die Firma aus der Nachbarschaft am Ende günstiger ist.“

Habe man den Auftrag allen Warnungen zum Trotz vergeben und zweifle dann an der Qualität der Arbeit, solle man auf gar keinen Fall sofort bezahlen. „Der Kunde geht einen Werkvertrag über eine Dienstleistung mit dem Unternehmen ein. Das schuldet dem Kunden Erfolg und eine detaillierte, kontrollierbare Rechnung. Darauf hat man Anspruch.“

Die Wirklichkeit sehe allerdings so aus, dass das Auftreten der Firmenvertreter die Kunden einschüchtere, vor allem alleinstehende ältere Frauen zahlten dann schon aus Angst. Das ging auch der Westhofenerin so: „Ich fühlte mich unwohl mit den drei Männern und habe bezahlt.“ Anschließend ging sie zur Verbraucherzentrale und zur Polizei. Aber auch die kann nicht viel machen. Polizeisprecher Thomas Röwekamp weiß von seinen Kollegen aus dem Betrugsdezernat, dass eine Täuschungsabsicht schwer nachzuweisen ist. Und die Wucherpreise seien wiederum eine Angelegenheit fürs Zivilrecht.

Steine, Dächer, Teppiche, Polster - Briefkastenfirmen reinigen alles

Angelika Weischer hat erlebt, dass die Adressenangaben auf den Werbeflyern oft ebenso lügen wie die versprochenen Leistungen. Überprüft man die angegebenen Adressen bei Google Maps, sieht man auf den Satellitenbildern kaum mal ein Firmengebäude, meist handelt es sich um Wohnblocks. „Briefkastenfirmen“, ist Angelika Weischer überzeugt.

Steinreinigung ist übrigens nicht das einzige Feld, das den Verbraucherschützern Sorge bereitet: Dachrinnenreinigung und Dachreparaturen, Teppich- und Posterreinigung und sogar die Entfernung von Wespennestern eignen sich offenbar vortrefflich zur Abzocke von Verbrauchern. Für alles gilt der Rat der Verbraucherberater: Fragen Sie den ortsansässigen Handwerksbetrieb und unterschreiben Sie nichts an der Haustür.

Mit Selbstbewusstsein Betrügern ein Schnippchen schlagen

Tipps von der Polizei

Um vor allem älteren Verbrauchern zu helfen, Betrugsmethoden zu erkennen und sich gegenüber aufdringlichen Firmen richtig zu verhalten, veranstaltet die Verbraucherberatung am Dienstag, 2. Juli, ab 16 Uhr in der Beratungsstelle am Westwall einen Info-Nachmittag gemeinsam mit Kriminalhauptkommissarin Petra Landwehr von der Abteilung für Vorbeugung und Opferschutz der Polizei im Kreis Unna. Sie will auch zeigen, wie man mit selbstbewusstem Auftreten Betrügern die Tour vermasseln kann. Anmeldungen unter Tel. (02304) 942260 oder per E-Mail an schwerte@verbraucherzentrale.nrw
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