Heiko Klanke vom Friedrich-Bährens-Gymnasium hatte eine gute Idee, um die geforderten Corona-Schnelltests auch tatsächlich schnell zu machen. © FBG
Corona-Schnelltests

Schulleiter verrät Schnelltest-Trick: So geht’s noch schneller

Schnelltests heißen zwar so. Doch soll man sie in der Klasse durchführen, rauben sie nicht nur Nerven, sondern vor allem Zeit. Ein Schulleiter hat sich Gedanken gemacht - und hatte eine Idee.

Meine Schwiegermutter sagt es immer wieder: „Schlau sind sie alle – pfiffig muss man sein!“ Recht hat die Frau. Eine pfiffige Idee zum Nachmachen kommt jetzt aus Schwerte. Hier hat sich ein Schulleiter Gedanken gemacht, wie man die lästigen Schnelltests auch tatsächlich schnell hinter sich bringen kann.

Denn es ist schon eine Herausforderung, zweimal pro Woche Hunderte Schüler zu testen. Und dann noch Zeit für den kostbaren Unterricht übrig zu haben. Heiko Klanke, Leiter des Friedrich-Bährens-Gymnasiums in Schwerte, hatte nach der erste Testphase sprichwörtlich die Nase voll. Denn die Testerei dauerte einfach zu lange.

„Das war schon alles sehr umständlich“

„Als die erste Mail zu den Tests kam, habe ich mir mit den Kollegen die Anleitung angesehen. Das war schon alles sehr umständlich“, erzählt er. Das Problem beim Test, das die meiste Zeit verschlingt: Die Schüler müssen während der Testphase auf ihren Stühlen sitzen bleiben. Und die Lehrerin oder der Lehrer muss ihnen die kleinen Plastik-Reagenzgläschen mit der Pufferlösung einzeln reichen.

Dafür braucht ein Pädagoge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 Stundenkilometern schon eine Weile. Lösung in zwei Gläschen füllen und an zwei Schüler verteilen – Check. Lösung in zwei weitere Gläschen füllen und an zwei weitere Schüler verteilen – Check. Und so weiter und so fort. Selbst Powerwalker mit durchschnittlich 8,5 Stundenkilometern kommen da in Zeitnot, bis die komplette Klasse versorgt ist.

„Einen halben Meter Tests bitte!“

Wie schön wäre es, wenn die Testentwickler auch an eine Vorrichtung gedacht hätten, mit der man zehn oder zwanzig Gläschen gleichzeitig transportieren kann. Wie in der Kneipe, wenn man „einen halben Meter Bier“ bestellt. Leider war dem nicht so.

Doch Heiko Klanke gehört halt zu der pfiffigen Sorte. „Weil ich Techniklehrer bin, habe ich mir überlegt, dass wir eine Vorrichtung brauchen, um möglichst viele Reagenzgläschen gleichzeitig verteilen zu können“, erklärt er. Zuerst habe er an die herkömmlichen Reagenzglas-Ständer gedacht, die fast jede Schule hat. Klanke: „In unserem molekularbiologischen Labor gab es solche Holzständer, aber die waren zu groß für die Testgläschen.“

Selbst ist das Team

Da heißt es: Selbst ist der Mann. Beziehungsweise das Team. „Mein Kollege Oliver Hühn und ich haben Holzstücke aus Weichholz genommen und mit entsprechenden Bohrlöchern versehen, die zur Größe der Behälter passen“, erzählt Klanke. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen und dem Hausmeister habe man dann in der Freizeit in den Technikräumen der Schule im Akkord insgesamt 50 Behälter produziert.

Sieht einfach aus, der Testverteiler aus Holz. Aber auf die Idee muss man erstmal kommen.
Sieht einfach aus, der Testverteiler aus Holz. Aber auf die Idee muss man erst mal kommen. © FBG © FBG

Jetzt können Klanke und Co. ihren Schülerinnen und Schülern beim Schnelltest das Holzklötzchen herumreichen, und jede bzw. jeder nimmt sich sein oder ihr Behältnis heraus. „Das ist einfach sehr praktisch und vor allem zeitsparend“, erklärt der Schulleiter.

Andere Kollegen hatten sich bereits an Vorrichtungen aus Lego oder Duplo versucht. „Doch das ist einfach nicht stabil genug“, erklärt der Schulleiter. Er freut sich darüber, dass es gut geklappt hat mit dem Testverteiler. Ein Patent wird er aber vermutlich nicht darauf anmelden. „Wer Lust hat, darf das gerne nachmachen“, sagt er und lacht.

So baut man den „Klank’schen“ Testverteiler:

  • Man nehme ein Stück Kantholz, möglichst Weichholz wie Kiefer oder Fichte. Dicke ca. 5 Zentimeter.
  • Die Länge des Holzstücks sollte mindestens ca. 20 bis 25 cm betragen, sodass man bequem in ein oder zwei Reihen zwischen 12 und 20 Löcher hineinbohren kann.
  • Achtung: Je nach Hersteller sind die Plastikgläschen verschieden dick. Für die meist verwendeten Testkits von Siemens Healthcare passt ein Bohrloch-Durchmesser von 10 mm.
  • Die Löcher sollten zwischen 25 und 27 mm tief sein, damit die Gläschen, die ja mit Flüssigkeit gefüllt sind, nicht umkippen.
  • Zum Schluss macht es Sinn, den Testverteiler zu lackieren. So kann er nach dem Gebrauch mit einem Spray o.ä. desinfiziert werden. Um die einzelnen Klassen zu unterscheiden, kann man den Klotz auch gleich farbig markieren.
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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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