Schwerte hinkt beim Klimaschutz im Bundesvergleich weit hinterher - warum das so ist

hzKlimaschutz in Schwerte

Ein Gutachten bescheinigt der Stadt: In Schwerte hat sich beim Umweltschutz deutlich weniger getan als im Rest der Republik. So drastisch sind die Zahlen, und das sind die Gründe.

Schwerte

, 16.08.2019, 13:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elektroautos für den Bauhof, Solardächer auf Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden, wenn es um das Klima geht, ist die Stadt eigentlich bemüht. Bereits 1992 brachte man die ersten Pläne für den Klimaschutz auf den Weg. Der Erfolg hielt sich aber in Grenzen. Denn Schwertes CO2-Bilanz hinkt im Bundesvergleich weit zurück. Und noch schlimmer wird es im Hinblick auf die Klimaziele der Bundesregierung: Die will bis zum Jahr 2030 immerhin 55 Prozent der Treibhausgase, die im Jahr 1990 angefallen sind, einsparen. Schwerte hängt da weit hinterher.

Das geht aus einem Bericht der Stadtverwaltung zur Sondersitzung des Umweltausschusses hervor. Der will dem Thema Klima am 27. August (17 Uhr im Bürgersaal des Rathauses, Rathausstraße 31) eine eigene Sitzung widmen.

Die Zahlen des Energieverbrauchs und der CO2-Belastung in Schwerte wurden von einem externen Gutachter ermittelt, erklärte Stadtsprecher Ingo Rous auf Anfrage.

Der Klima-Gutachter kam zu folgendem Ergebnis:

Von 1990 bis 2010 stieg der Energieverbrauch in Schwerte an. Es gibt zwar energieeffizientere Geräte, aber die Verbraucher betreiben nunmal immer mehr davon. 1,28 Millionen Megawattstunden verbrauchten die Schwerter und ihre Unternehmen 1990. Mit dieser Menge an Energie könnte man einen modernen Fernseher rund 1,02 Millionen Jahre betreiben.

Bis 2010 stieg der Energieverbrauch sogar noch um zehn Prozent auf 1,4 Millionen Megawattstunden, bevor er bis 2017 wieder gesunken ist. Aber eben nur um insgesamt 10,7 Prozent (verglichen mit 1990). Bundesweit ging der Energieverbrauch in der selben Zeit um 28 Prozent zurück.

Allerdings nutzte man Energiequellen, die weniger CO2 in die Luft stießen. Denn die Emission an den klimaschädlichen Gasen sank um immerhin 18,8 Prozent im selben Zeitraum von 511.000 auf 415.000 Tonnen. Doch selbst wenn die Tendenz anhält, wird das nicht ausreichen, um 2030 jene 55 Prozent einzusparen, die den Klimazielen Deutschlands entsprechen. „Aus diesem Grund müssen die Maßnahmen der Stadt fortgeführt und intensiviert werden“, betont die Beigeordnete Bettina Brennenstuhl.

Warum sieht die Schwerter Bilanz im Vergleich so schlecht aus?

Die Gutachter räumen ein, dass die Stadt durch ihre Lage an zwei Autobahnen, auf einen größeren Teil der Emissionen gar keinen Einfluss hat. Außerdem ist Schwerte ein Industrie-Standort und verfügt über wenige eigene Energieressourcen. Während in die Bundesbilanz auch Windenergieparks im Norden oder große Solaranlagen im Süden einfließen, hat sich in der Ruhrstadt in diesem Bereich in der Vergangenheit nur wenig verändert. Im NRW-Vergleich würde die Stadt deutlich besser abschneiden, hieß es aus Reihen der Stadtverwaltung.

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Das wurde bislang in Schwerte fürs Klima getan

Dabei hatte die Stadt Schwerte bereits 1992 ein CO2-Minderungskonzept beschlossen. Doch das Thema wurde zwar erkannt, aber mehr oder weniger nicht abgearbeitet. 2012 und 2013 kam es auf die Tagesordnung zurück. Ganz im Stil der Zeit hieße es nun Integriertes Kommunales Klimaschutzkonzept. 44 Maßnahmen hatte man damals festgeschrieben: Die reichten von der Einstellung einer Klimamanagerin über die Sanierung der öffentlichen Gebäude bis zu Förderung von Elektroautos.

Immerhin 31 der Maßnahmen haben man schon bearbeitet, so Brennenstuhl. Allerdings hat die Stadt natürlich nur begrenzte Möglichkeiten, denn die Rahmenbedingungen setzen Bund und Land, sowie die Bürger.

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Das sagen die Politiker zum Thema

Das findet auch die CDU, die in ihrem Antrag zur „Klimakonferenz“ der Stadt darauf hinweist, das Klimaschutz bezahlbar bleiben muss. Das ist er natürlich für die Stadt dort, wo andere zahlen. Und deshalb fordert man einen Ausbau des Schienenverkehrs und eine Entlastung der B236. Außerdem müsse man eine Verlagerungsoffensive des Güterverkehrs auf die Schiene starten“, so der stellvertretende CDU-Vorsitzende Hans-Georg Rehage.

Diese Meinung steht dem Antrag der Grünen entgegen: Die listen 14 Punkte auf, die man möglichst schnell angehen soll, um den jüngst beschlossenen „Klimanotstand“ entgegenzuwirken.

Eine noch längere Liste mit Unterpunkten hat die WfS veröffentlicht. Die Wählergemeinschaft will 38 Punkte zum Klimaschutz in Schwerte auf ihre Machbarkeit überprüfen.

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