Nach Pannenserie – Millionen Euro teure Züge der Ardeybahn rollen jetzt zurück nach Polen

hzDeutsche Bahn

Bahnkunden haben es gemerkt. Auf der Ardeybahn (RB 53) und nicht nur dort fahren wieder alte Züge. Und das obwohl die Bahn für viele Millionen jüngst neue Züge gekauft hat. Hier die Gründe.

Schwerte

, 04.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er fährt, und fährt, und fährt. Dieses Sprichwort gilt nicht nur für den legendären VW-Käfer auf der Straße. Es trifft auf der Schiene auch auf den feuerroten Triebwagen namens Talent zu, der vor über 20 Jahren erstmals aus den Fabrikhallen von Bombardier-Talbot rollte und modernen Zugkomfort auf die Regionalbahn 53 (Iserlohn-Schwerte-Dortmund) brachte. Als Retter in der Not hat die Deutsche Bahn jetzt einige der unverwüstlichen und immer noch schicken Fahrzeuge zurückgeholt, weil ihre nagelneuen Nachfolger aus polnischer Produktion zu Pannen-Weltmeistern geworden sind.

Ein Viertel der Polen-Züge fällt jeden Tag aus

„Wir haben eine sehr hohe Ausfallquote“, klagte ein Bahnsprecher aus Düsseldorf: „Pro Tag stehen durchschnittlich 10 der 36 Züge nicht zur Verfügung.“

Deshalb wurden als Ersatz ältere Modelle aus anderen Regionen Deutschlands zusammengezogen - sogar vom Bodensee, wie Aufschriften an den Seitenwänden verraten. Damit will die Deutsche Bahn die Betriebssicherheit gewährleisten und verhindern, dass man wegen des Ausfalls von Polen-Zügen ständig kurzfristig umdisponieren muss.

Nach Pannenserie – Millionen Euro teure Züge der Ardeybahn rollen jetzt zurück nach Polen

Ältere, aber zuverlässige Züge vom Bodensee helfen auf der Regionalbahn 53 auf. © Reinhard Schmitz

„Technische Störung“ - diese Meldung hörten Reisende nach Dortmund immer wieder, seit die bei der Firma Pesa in Bydgoszcz gebauten Triebwagen ab Jahresanfang zum Einsatz kamen. Schon die Lieferung der 36 Exemplare für das sogenannte Sauerlandnetz der Bahn hatte sich wegen technischer Probleme um zwei Jahre verzögert. Dass sie Anwohner der Gleise mit einer Lautstärke wie von Düsenjägern nervten, war noch eines der geringeren Probleme.

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Viel folgenschwerer war die Unzuverlässigkeit. Ständig kam es zu Störungen an den Türen, dann streikte die Klimaanlage oder die Wagenkupplung. Pendler berichteten sogar von mehrfachem Liegenbleiben auf offener Strecke. Pünktliches Ankommen wurde dadurch zum Lotteriespiel.

Mängel sollen im Rahmen der Garantie behoben werden

„Wir sind absolut nicht zufrieden mit der Qualität“, erklärte noch am Mittwoch der Bahnsprecher. Er rechnete damit, dass es wohl noch einige Zeit dauern werde, bis die Probleme im Rahmen der Gewährleistung behoben sind. Für die Abstellung der Mängel werden die Züge nach und nach zu einer „Rollkur“ wieder ins Herstellerwerk nach Polen geschickt. Ab November sollen die ersten von dort zurückkommen: „Wir hoffen, dass es danach stabil läuft.“

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Denn billig waren die Fahrzeuge nicht, die erstmals aus dem östlichen Nachbarland beschafft worden sind. Rund 2,5 Millionen Euro müssen sie pro Stück gekostet haben. Laut einem Rahmenvertrag sollen den 36 Exemplaren für das Sauerlandnetz noch weitere 434 folgen - für insgesamt 1,2 Milliarden Euro.

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