Mit 18 Jahren hat sich Niklas Burkart als Modedesigner selbstständig gemacht. Wie er mit seiner neuen Kollektion einen Beitrag zum Klimaschutz leisten will und was er nach dem Abi vorhat.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 22.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Kinderzimmer von Niklas Burkart sieht aus wie ein Saustall. Zumindest behauptet das seine Mutter. Der Abiturient kann darüber nur lachen. Schließlich ist er selbst Herrscher über das Chaos, das er in seinen eigenen vier Wänden fabriziert hat.

Seine Abiturprüfungen hat der 18-Jährige vor kurzem am Ruhrtal-Gymnasium abgelegt. So ganz nebenbei – diesen Eindruck kann man zumindest bekommen, wenn man mit ihm über seine Projekte spricht. „Ich hatte das Glück, dass ich mit der Schule nie große Probleme hatte und mir das Lernen nicht so schwer gefallen ist“, so Burkart.

Transferdruckpresse steht im Kinderzimmer

Als Modedesigner hat sich der Schüler direkt mit Erreichen der Volljährigkeit selbstständig gemacht. Sein Kinderzimmer im Elternhaus dient dabei als Produktionsort, Verwaltungszentrale und Logistikzentrum des Kleinunternehmers. Einen großen Tisch hat er sich dafür zusätzlich in den Raum geschafft, auf dem die vorgefertigten Schnittmuster mit einer Transferdruckpresse veredelt werden.

„Es ist bisher noch nicht so, dass ich mit Aufträgen erschlagen werde“, gibt Burkart zu. Und dennoch kann er sich nicht über zu wenig Beschäftigung beklagen. Vier bis fünf Stunden pro Tag widme er sich mindestens seinen Kollektionen und der Weiterentwicklung des „caph“-Labels. „Ich bin nicht so der Partygänger“, sagt er. Der Nebenjob sei daher vor allem sein größtes Hobby.

Schwerter Abiturient Niklas Burkart will mit eigener Modekollektion das Klima retten

Die Presse zum Bedrucken der Shirts steht in Niklas Zimmer im Elternhaus. © Foto: Manuela Schwerte

Mit seiner neuesten Kollektion möchte er aber nicht nur Geld verdienen, sondern vor allem seinen ganz persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Inspiriert wurde er durch die „Fridays-for-Future“-Bewegung, an deren Demonstrationen er selbst teilgenommen hat. „Ich hatte aber den Eindruck, dass da viele einfach mit dem Strom schwimmen und dort hingehen, weil es alle anderen auch machen“, so Burkart. „Ich wollte mich nicht einfach nur dazustellen, sondern lieber selber etwas machen.“

Für jedes verkaufte T-Shirt werden fünf Bäume gepflanzt

Also entwicklete er die Marke „Safety Earth“. Schlichte, weiße T-Shirts, versehen mit dem Markenlogo, bei denen die Botschaft im Mittelpunkt steht. Pro verkauftem Shirt pflanzt er mit Hilfe der Organisation OneTreePlanted fünf Bäume im Amazonas oder in Ghana. „Bis jetzt sind schon mehrere Bäume gepflanzt worden und ich hoffe, dass ich dadurch auch selbst nochmal auf die Abholzung des Regenwaldes aufmerksam machen kann“, so Burkart. Finanziell bleibt dabei für ihn nicht viel hängen, aber darum gehe es ihm auch nicht. „Vielleicht sehen die Leute dabei ja auch meine anderen Artikel“, so seine Hoffnung.

Zwei Kollektionen hat er unter seinem Label „caph“ bereits entwickelt und veröffentlicht. Was die vier Buchstaben bedeuten? „Nichts. Ich fand, dass nicht alles immer eine tiefgründige Bedeutung haben muss. Wichtiger als der Name war mir der Fokus auf die Kollektionen, die sich offensichtlich stark nach meinen Stylevorstellungen richtet“, lautet seine Erklärung. T-Shirts und Hoodies in schwarz, blau und weiß hat er mit den beiden Kollektionen „FW18“ und „SPRING19“ herausgebracht. Entstanden sind sie durch eigene Vorlieben sowie viel Kreativität und Experimentierfreude. „Ich habe mir zum Beispiel mal schwarz-rote Schuhe besorgt, hatte aber kein passendes T-Shirt dazu. Deshalb habe ich mir das dann einfach selbst gemacht.“

Alles begann mit selbst bemalten Sneakers

Schwerter Abiturient Niklas Burkart will mit eigener Modekollektion das Klima retten

So sehen die Sneaker aus seiner Kollektion aus. © Foto: Manuela Schwerte

Neben den Herrenoberteilen entwirft Niklas Burkart auch eigene Sneaker, mit denen sein Weg in die Modebranche vor anderthalb Jahren auch so richtig angefangen hat. „Ich habe damals im Internet ein Video gesehen, in dem gezeigt wurde, wie man selbst Schuhe bemalen kann“, erinnert er sich. Zunächst gestaltete er die Sneaker für sich und seine Freunde. Mittlerweile ist sein Kundenkreis deutlich größer geworden. Einzige Werbeplattform ist dabei Instagram, wo er unter dem Markennamen „Hypeartelier“ zu finden ist. Mehr als 700 Follower hat Burkart bereits. Wer einen Wunsch für seine ganz individuellen Schuhe hat, kann ihn dort anschreiben. Das Geschäft läuft gut: Mit den bemalten Sneakern verdient er mehr Geld als mit den beiden Modekollektionen.

Trotzdem soll das „caph“-Label langfristig für ihn im Vordergrund stehen. Vor allem bei der Gestaltung würde er künftig noch gerne etwas kreativer werden und die schlichte Kleidung nicht nur mit den Marken- und Kollektionslogos verzieren. „Das ist aber momentan noch den geringen Möglichkeiten geschuldet“, so Burkart. Am liebsten würde er die Artikel extern produzieren lassen, um mit Bedruckungsmaschinen arbeiten zu können und nicht nur auf 08/15-Schnittmuster zurückgreifen zu müssen. „Aber ich weiß natürlich, dass das sehr schwierig wird und vielleicht auch niemals klappt.“

Nach dem Abi geht‘s zum BWL-Studium nach Münster

Deshalb hat der Abiturient zunächst einmal das Studium im Blick. Ihn zieht es weg aus der Ruhrstadt, er will in Münster Betriebswirtschaftslehre studieren. Lernen, wie man ein Unternehmen aufbaut und weiterentwickelt. „Eigentlich interessiere ich mich für die Richtung Unternehmensberatung und Marketing“, so Burkart.

Eine eigene Wohnung hat er in der Domstadt bereits gefunden. 30 Quadratmeter wird er dort bald alleine beziehen. Genügend Platz also für einen Studenten, sodass auch der Tisch mit der Transferdruckpresse mit nach Münster ziehen kann. Denn bestimmt wird es auch in der neuen Wohnung nicht minder chaotisch zugehen. Nur, dass sich die Mutter dann nicht mehr darüber beschweren kann.

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