Die griechisch-orthodoxe Kirche Zwölf-Apostel-Kirche von Kafarnaum liegt wunderschön am Uferhang des Sees Genezareth. Dort lebt Vater Irinarchos. © Sebastian Reith
Mönche und Eremiten

Schwerter Fotograf erkundet Klöster des heiligen Landes

Der Nahe Osten liefert ein wahres Potpourri an religiösen Sehnsuchtsorten. Der Schwerter Fotograf Sebastian Reith widmet sich nun in einem Bildband den Klöstern und Mönchen vor Ort.

In der Nachbetrachtung seiner Reise nach Israel bringt es Sebastian Reith auf den Punkt. „Wir sind den Weg nachgegangen, den Jesus an seinen letzten zwei Tagen erlebt hat. Wir haben authentische Zellen gesehen, wo er bis zum Prozess eingesperrt war. Die Enge war zu spüren“, schildert der Fotograf und Journalist aus Schwerte, der mittlerweile in Dortmund lebt.

Reith, der für Lensingmedia arbeitet, besuchte Israel im Jahr 2019 bereits zum fünften Mal. Aber auf seinem Weg durch das heilige Land war er nicht alleine unterwegs: Zusammen mit Michael Ragsch, Journalist und Moderator bei Radio Bochum, und Nadir Mauge, Fotograf und Filmemacher aus Bethlehem, erkundete er die Klöster Israels.

Komplexe religiöse Lage in Israel

Daraus entstand ein Buch. Unter dem Titel „Väter des Heiligen Landes – Zu Besuch in Klöstern Israels und Palästinas“ schildert Autor Ragsch seine Eindrücke von den religiösen Stätten. Er trifft sich mit den Mönchen vor Ort, fragt sie nach ihren Beweggründen für ihr Dasein. Zudem bettet er die Klöster immer wieder in ihren historischen Kontext ein.

Das Kloster St. Gerasimos hat einen wunderschönen Innenhof und befindet sich im Jordantal nahe der jordanischen Grenze.
Das Kloster St. Gerasimos hat einen wunderschönen Innenhof und befindet sich im Jordantal nahe der jordanischen Grenze. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Der Journalist beschreibt die Entstehungsgeschichte der Abteien. Bei vielen von ihnen wird deutlich, wie komplex und kompliziert die religiöse Lage in Israel ist – nicht nur zwischen Juden, Muslimen und Christen. Auch innerhalb der christlichen Konfessionen gibt es Spannungen – wie etwa zwischen äthiopischen und koptischen Christen.

„Kein Urlaub mit Freizeitvergnügen, sondern eine Erkundungsreise“

Die teils herausragenden Fotos für den Bildband liefern Mauge und Reith. „Wir wollten den biblischen und historischen Hintergrund der Klöster erkunden und dies dabei mit Fotos dokumentieren“, schildert Sebastian Reith. „Wir wollten zeigen, wie die Brüder, die sich Gott verschrieben haben, leben.“

2013 reiste er zum ersten Mal nach Israel. Damals war es noch „ein privater Urlaub“, wie der Journalist es nennt. Alle weiteren Trips waren dagegen „kein Urlaub mit Freizeitvergnügen mehr, sondern eher eine Erkundungsreise“.

In der Grabeskirche teilen sich sechs Konfessionen Verwaltung, Räume und Zeitfenster - ein komplizierter und verschachtelter Ort, an dem es an manchen Tagen viel zu voll ist.
In der Grabeskirche teilen sich sechs Konfessionen Verwaltung, Räume und Zeitfenster – ein komplizierter und verschachtelter Ort, an dem es an manchen Tagen viel zu voll ist. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Die Kamera war stets mit dabei. Auch für das 2015 erschienene Buch „Am Heiligen Grab“ steuerte Reith bereits die Fotos bei.

Ein Mönch mit Facebook-Account

Und wie sieht es mit der eigenen Religiosität aus? Er sei nicht getauft, aber der Bezug zur Kirche sei da. „Es ist super spannend, die historischen Orte zu erkunden. Gerade in Israel gibt es eine hohe Dichte von Schauplätzen, die in biblischen Erzählungen vorkommen – vor allem in und um den See Genezareth und die Stadt Jerusalem.“

Fotograf und Journalist Sebastian Reith, hier bei einem Israel-Besuch im Jahr 2013, lieferte die Fotos für ein Bildband zu Klöstern in Israel und Palästina.
Fotograf und Journalist Sebastian Reith, hier bei einem Israel-Besuch im Jahr 2013, lieferte die Fotos für ein Bildband zu Klöstern in Israel und Palästina. © Privat © Privat

Besonders die Zwölf-Apostel-Kirche von Kafarnaum hat es ihm angetan. „Der Garten lädt zum Verweilen ein und zum Beobachten der Pfaue, die hier ihre Räder schlagen.“ Die strahlend weiße Kirche fällt vor allem wegen ihrer Kuppeln auf – diese sind alle knallrot. Im Kloster wohnt Vater Irinarchos. Ein „offener, moderner Vertreter seiner Zunft mit eigenen Facebook-Account“, wie Autor Ragsch ihn beschreibt.

„Man merkt, dass man in einer Krisenregion ist“

Auch das Kloster St. Gerasimos ist Reith in lebendiger Erinnerung geblieben. Es gilt als „Versteck der heiligen Familie“. Hier sollen Maria und Josef mit dem Jesuskind in einer Höhle auf der Flucht nach Ägypten Unterschlupf gefunden haben, wenn man Kapitel 2 des Matthäus-Evangeliums folgt. Das Kloster hat mehrere Werkstätten, wo unter anderem Kerzen und Mosaike hergestellt werden.

Spannend: Um das Kloster herum ist militärisches Sperrgebiet. Auch ein Thema, um das man in Israel nicht vorbeikommt: die militärische Sicherheit. „Man spürt die politische Situation und merkt, dass man in einer Krisenregion ist. Die Polizei ist sehr präsent und meist auch stark bewaffnet“, berichtet Sebastian Reith. Er sagt jedoch auch: „Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt.“

Infos zum Buch

  • Väter des Heiligen Landes: Zu Besuch in den Klöstern Israels und Palästinas
  • Verlag: Medien-GmbH Heiligenkreuz
  • Preis: 29,90 Euro
  • ISBN: 978-3903602090
Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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