Der Kreis Coesfeld hat sein Impfangebot weiter ausgeweitet. © dpa
Corona-Impfung

Schwerter Hausärzte über Astrazeneca: „Es ist ein vernünftiger Impfstoff“

Seit fast zwei Wochen dürfen Hausärzte gegen Corona impfen – zunächst nur mit Biontech. Ab Montag (19.4.) wird in den Praxen auch mit Astrazeneca geimpft.

Am 19. April (Montag) erhalten Hausarztpraxen, die Corona-Impfungen anbieten, zusätzlich zum Impfstoff Biontech auch Astrazeneca. Während einige Länder alle Personengruppen mit diesem Vakzin durchimpfen, ist anderswo der Einsatz umstritten oder wurde inzwischen gänzlich gestoppt. In Deutschland wird der Impfstoff aktuell nur für Menschen über 60 Jahre empfohlen. Wie gehen Schwerter Hausärzte damit um?

Dr. Theo Spanke sagt zum Thema: „Es ist durchaus mehr Aufklärungsarbeit vorhanden, die geleistet werden muss.“ Er habe bereits einige abneigende Reaktionen von Patienten erfahren, „andere wiederum sind aber auch froh, dass sie so schnell geimpft werden können“, sagt er.

Er selbst würde bei Verunsicherungen lediglich fachärztlich aufklären, die finale Entscheidung liege immer bei seinen Patienten, wie Theo Spanke betont. „Überredet wird keiner“, sagt er.

Allerdings gebe es behördlich noch viele Unklarheiten, so der Schwerter Hausarzt. „In vielen Dingen wissen wir noch nicht, wie es am 19. laufen wird. Es werden auch täglich gleich mehrere Entscheidungen und Erkenntnisse verändert oder gekippt“, sagt er.

Impfstoff wird nicht geliefert

Das sagt auch Dr. Beate Henschel. Sie bekräftigt allerdings, dass vor allem im Hinblick auf das exponentielle Wachstum der Corona-Fälle „dringend“ weiter geimpft werden müsse. „Das Risiko, an Corona zu erkranken, ist ungleich höher“, sagt sie. „Allerdings ist bei uns auch das Problem, dass wir nur wenig Impfstoff haben.“

Beispielsweise habe ihre Praxis die Lieferung für 60 Dosen Biontech zugesprochen bekommen. „Wir haben uns auf die Lieferung vorbereitet und viele Patienten angerufen“, sagt Beate Henschel. Dann, eine Woche später, erfuhr sie, dass lediglich 18 Dosen Biontech geliefert werden konnten. Der Rest der Lieferung wurde mit Astrazeneca gefüllt.

„Das ist natürlich ärgerlich für uns“, sagt die Hausärztin. „Nicht nur, dass wir dann die doppelte Arbeit haben und alle noch einmal anrufen müssen – einige Patienten können schlicht nicht mehr geimpft werden, weil sie bestimmte Vorerkrankungen haben.“ Dazu gehörten beispielsweise jüngere Menschen oder Thrombose-Risikogruppen.

Einige der angerufenen Patienten hätten nach dem zweiten Anruf dem Termin nicht mehr zugestimmt, als sie erfuhren, nun doch Astrazeneca zu bekommen. Dr. Beate Henschel zeigt sich verständnisvoll: „Ich weiß nicht, ob das in dem Moment wirklich Ablehnung oder Trotz war, aber ich denke, dass die Leute dann auch ein Recht haben, ärgerlich zu sein.“

„Es ist ein vernünftiger Impfstoff“

Auch die Hausärztin Dr. Catrin Hartmann-Böhm hat ähnliche Probleme bei der Lieferung. Generell sei „die Verunsicherung riesengroß“, sagt sie. Verübeln könne sie dies ihren Patienten nicht. „Als Laie bekommt man inzwischen natürlich den Eindruck, dass es sich um keinen validen Impfstoff handelt“, sagt sie.

Sie selbst wurde bereits geimpft – mit Astrazeneca. Das teile sie im Aufklärungsgespräch auch ihren Patienten mit, so Catrin Hartmann-Böhm. Sie betont, wie gering das Risiko einer Sinusvenenthrombose sei. „Dagegen kennt inzwischen fast jeder Menschen, die eine Erkrankung mit Corona durchmachen mussten, teilweise sogar mit schwerem oder tödlichen Verlauf“, sagt sie. „Es sollte eigentlich keine Diskussionen geben.“

Dennoch höre sie oft dieselben Sätze im Behandlungsgespräch. „Jeder möchte gerne geimpft werden, aber nur die wenigsten mit Astrazeneca“, erzählt Catrin Hartmann-Böhm.

Auch Dr. Beate Henschel sagt, dass in Aufklärungsgesprächen immer sofort nach der Art des Vakzins gefragt werde. Dabei sei die Wirkung beider Impfstoffe sogar ziemlich gleich, wie sie sagt: „Momentan liegt die Wirksamkeit 14 Tage nach der ersten Impfung bei 85 Prozent – bei beiden Impfstoffen“, sagt sie. „Die Datenlage ist momentan so, dass man sagen kann: Es ist ein vernünftiger Impfstoff.“

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