Verlieren reine Männer-Vereine in Schwerte ihre Gemeinnützigkeit?

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz will Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit entziehen. Gibt es tatsächlich noch reine Männervereine in Schwerte? Wir fragen nach.

Schwerte

, 17.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Interview mit einer Sonntagszeitung hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erklärt, dass Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, eigentlich nicht gemeinnützig sind. Deshalb sollten sie auch ihre Steuervorteile verlieren.

Diese Aussage hat in Deutschland für Wirbel gesorgt. Politiker anderer Parteien fürchten um deutsches Brauchtum, wenn Männergesangsvereine oder Schützenvereine ihre Gemeinnützigkeit verlieren. Außerdem gebe es ja auch reine Frauenvereine, ob Scholz auch daran gedacht habe. Wie reagieren die Schwerter Vereine?

Von der Diskussion nicht betroffen

Eine kleine Umfrage unter Schwerter Vereinen ergab, dass die Gruppen der Ruhrstadt zu der Diskussion ein ähnliches Verhältnis haben, wie Teflon zu Wasser – es perlt an ihnen ab.

Da sind zunächst die Männergesangsvereine. Für sie würde sich besonders viel ändern. Nicht nur interne Strukturen, sondern auch die Literatur, die man einstudiert. Doch der MGV Liedertafel Schwerterheide 1887 wäre von so einer Gesetzesänderung nicht betroffen. Der Vorsitzende Hans Scheit meldet, dass sein Chor wie viele seiner Art gar kein eingetragener Verein ist und somit auch keine Gemeinnützigkeit besitzt.

Spendenquittungen ausstellen

Hans Scheit nennt vor allem einen Grund für diesen Verzicht auf Steuervorteile: Bequemlichkeit. „Man muss die Gemeinnützigkeit immer wieder neu nachweisen, das ist ein unheimlicher Aufwand. Das fanden wir bei unserem geringen Umsatz nie lohnenswert.“

Der Männergesangverein Sängerbund Ergste 1864 war bis zu seiner Selbstauflösung vor zwei Jahre gemeinnützig. Der letzte Vorsitzende Günter Brünger hätte die Gemeinnützigkeit nicht missen wollen. „Das Honorar für den Chorleiter, die Einnahmen bei den Konzerten, die Gema-Gebühren, die Mitgliedsbeiträge – als Chor hat man ständig mit Geld zu tun. Und mit Gemeinnützigkeit kann man an vielen Ecken sparen und auch Spenden annehmen.“

Geschäftsführerin, Schatzmeisterin, Schützenkönigin

Auch über das Schützenwesen wird im Zusammenhang mit Scholz‘ Vorschlag diskutiert. In einigen Gegenden Deutschlands scheint es demnach noch immer für Frauen gesperrte Schützenvereine zu geben.

Darüber kann Rüdiger Sokolowski, Chef des Bürgerschützenvereins Schwerte von 1436 nur lachen: „Bezogen auf Schwerte ist diese Diskussion Schwachsinn. Da wollte der Scholz vor dem Parteitag mal einen raushauen und hat sich vertan.“

Was Rüdiger Sokolowski meint: In allen Schwerter Bürgerschützenvereinen sind Frauen nicht nur längst als Mitglieder zugelassen, sondern engagieren sich in Vorständen und treten zum Königsschießen an.

Der Wandel wurde vollzogen

„Beim Umzug marschieren die Frauen nicht immer mit, dann sieht es so aus, als gäb‘s nur Männer im Verein, das ist aber nicht so“, versichert Sokolowski.

Bekannt dafür, nur Männer als Mitglieder aufzunehmen sind auch die Wohltätigkeitsvereine Lions-Club und Rotary-Club.

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Die Rotarier haben den Wandel bereits vollzogen, sie nehmen seit zwei Jahren auch Frauen als Mitglieder auf. Heute ist der aktuelle Präsident Hans-Werner Spieker froh, dass sein Club zeitgemäß gehandelt hat, bevor es die erste Idee einer gesetzlichen Zwangs-Regelung gab.

Männerclub und Frauenclub

Der Schwerter Lionsclub hat sich schon vor vielen Jahren eine Struktur gegeben, die Diskriminierung ausschließt. Für den geselligen Teil des Vereinslebens gibt es den reinen Lions-Männer-Club und den Lions-Caelestia-Club für Frauen. Der Männerclub ist kein eingetragener Verein und muss deshalb nicht fürchten, dass jemand die Gemeinnützigkeit anzweifelt.

Die zweite Säule des Club ist das Sammeln und verteilen von Spenden. Dafür ist der Förderverein des Lions-Clubs zuständig. Der ist gemeinnützig und dort wirken Männer und Frauen nebeneinander.

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