Der Eschenweg ist eigentlich eine ruhige Wohngegend. Aber nicht morgens zu Schulbeginn. Da drängeln sich Eltern-Taxi, Fußgänger und Radfahrer: Denn Straße und Fußweg sind eng.

Schwerte

, 05.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Ende der 40er-Jahre die ersten Siedler an Eschenweg und Co. ihre Häuser errichteten, waren Autos in Schwerte eher selten. Das bildete sich auch beim Entwurf der Siedlung ab: Große Grundstücke mit Möglichkeiten zur Kleintierhaltung, aus heutiger Sicht eher kleinere Häuser und vor allem eine enge Straße mit einem Mini-Bürgersteig.

Die Häuser sind durch Anbau größer geworden, die Kleintierhaltung ist Laufe der Zeit mehr oder weniger verschwunden, aber die kleine Straße und der an einigen Stellen nur 60 Zentimeter breite Bürgersteig sind geblieben.

Und damit einher gehen die heutigen Verkehrsprobleme in der Siedlung. Denn die Siedlung liegt auf einem viel genutzten Schulweg.

Am Nachmittag ist es entspannt

Am Nachmittag ist die Verkehrssituation entspannt, sagt Bernd Adwernat. Er ist der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Grünstraße. In den 90er-Jahren zog er in das Viertel. Eine schöne Wohngegend sei das, hier nahe der Ruhr und doch nah zur Innenstadt. Wenn eben das Verkehrsproblem nicht wäre.

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Bernd Adwernat zur Verkehrssituation am Eschenweg

Anders sieht es am frühen Morgen aus. Da fahren die Autos dicht an dicht. Zumeist Eltern, die ihre Kinder zur Gesamtschule am Gänsewinkel bringen. Und je näher es auf den Schulbeginn zugeht, desto häufiger wird das hier geltende Tempolimit von 30 km/h überschritten. Das führt auch deshalb zu gefährlichen Situationen, weil natürlich auch Schüler zu Fuß, per Fahrrad oder Mofa die Straße nutzen. Und zwar im wörtlichen Sinne: Denn der Bürgersteig reicht gerade dazu, hintereinander herzugehen. Das führe oft dazu, dass Schüler nebeneinander auf der Straße gehen, so Adwernat.

Eigentlich sollte der Verkehr über Schützenstraße führen

„Bevor seinerzeit die Gesamtschule gebaut worden ist, hatte man seitens der Stadt Schwerte den Anwohnern versichert, dass dieser Verkehr in erster Linie über Schützenstraße und den hinteren Teil der Grünstraße laufen sollte“, sagt der Siedlersprecher. Gefühlt fahre jedoch jeder über den vorderen Teil der Grünstraße zur Schule. Und seit die Schulen nach dem Corona-Lockdown wieder geöffnet haben, werde der Schulbus offensichtlich von vielen gemieden. „Hierfür sollte sich die Lokalpolitik innovative Lösungen einfallen lassen, um die allmorgendliche Schüler-Taxi-Karawane aus dem Wohngebiet zu verbannen“, so der Siedlersprecher.

Wenn der Paketdienst kommt, ist die Verkehrssituation selbst am sonst verkehrsarmen Nachmittag eng am Eschenweg.

Wenn der Paketdienst kommt, ist die Verkehrssituation selbst am sonst verkehrsarmen Nachmittag eng am Eschenweg. © Heiko Mühlbauer

Ein anderer Teil des Verkehrsproblems ist auch hausgemacht. Denn ohne Bürgersteig und mit großem Altbaubestand fehlen schlichtweg Parkplätze. Viele Anwohner parken also zumindest ihren Zweitwagen an der Straße. Die ist aber so eng, dass dies schon zu Problemen führte, als die Feuerwehr mit ihrem Leiterwagen zu einem Kaminbrand anrückte.

Eigentlich ist Parken an vielen Stellen verboten

Die Straßenverkehrsordnung schreibe aber vor, dass mindestens eine Fahrbreite von 3,05 Metern bleiben müsse und auch vor Einmündungen ein Abstand zu halten sei. Wenn das eingehalten würde, gebe es kaum noch Gefahrenstellen. Und schließlich würden die parkenden Autos, zumindest dann, wenn sie regelkonform abgestellt sind, ja auch den fließenden Verkehr bremsen.

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„Die durch verkehrswidriges Parken verursachten Gefahrenstellen sind einfach zu beseitigen, indem die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes sich einmal des „ruhenden Verkehrs“ im Wohngebiet annehmen würden“, sagt Adwernat.

Stadt hat Chance zur Verbesserung verpasst

Grundsätzlich versteht er nicht, warum die Stadt, als sie vor etwa 15 Jahren die Grundstücke am untersten Teil der Grünstraße vermarktet hat, die Straße total eng beließ und damit den größten Engpass im gesamten Viertel entstehen ließ.

„Der Stadt Schwerte ist deutlich der Vorwurf zu machen, dass die Grundstücke seinerzeit offenbar unter dem Aspekt des maximalen Gewinns vermarktet worden sind. Sehr gut hätten damals die Fahrbahn und insbesondere der lächerlich schmale Gehweg unter Verzicht auf den maximalen Erlös auf normales Maß verbreitert werden können.“

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Im Wahlkampf hatte die CDU bei einer ihrer Stadtrundfahrten den Eschenweg besucht. Adwernat bezweifelt aber, dass man dabei die richtigen Schlüsse gezogen hat. Die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 wie in der anschließenden Presseerklärung der CDU gefordert, sei nämlich längst umgesetzt.

Vorfahrtsschilder wurden abgenommen

„Die Schilder der 30 km/h Zonen-Geschwindigkeitsbeschränkung stehen bestimmt seit 30 Jahren an allen Zufahrten zum Wohngebiet. Offensichtlich werden sie nicht wahrgenommen, auch nicht von den Mitgliedern der CDU“, so Adwernat. Und auch die Schilder, die den Fahrern auf dem Eschenweg die Vorfahrt gewähren, seien längst abgehangen. Nur die Zeichen Vorfahrt achten an den kleinen Seitenstraßen stehen noch. Aber auch das führt kaum zu verhaltener Fahrweise, da die meisten Anlieger und die Fahrer, die diese Strecke häufig nutzen, von der Regelung wissen.

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