Siedlung von Familie Ahlers: Stadt Schwerte will den Plan für die Bebauung ändern

hzDrohender Haus-Abriss

Lässt sich der Hausabriss der Familie Ahlers aus Schwerte noch verhindern? Die Politiker beschäftigen sich mit der Frage, wie Häuser in der Siedlung aussehen dürfen. Doch das reicht nicht.

Schwerte

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Flachdach, spitzes Dach, wie viele Geschosse? Wie dürfen die Häuser in der Siedlung „In der Meischede“ in Schwerte aussehen? Seit den 60er-Jahren regelt das ein Bebauungsplan. Vor 59 Jahren gab es den ersten Entwurf, seit 54 Jahren dann die veränderte Fassung, die seitdem gilt und alles regelt.

Beziehungsweise: die eigentlich alles regeln würde. Doch es gibt rechliche Bedenken. Seit langem. Schon 1990, also vor 29 Jahren, ließ der Kreis Unna die Stadt Schwerte wissen: So, wie ihr das damals verabschiedet habt, ist das wohl nicht rechtmäßig. Die Details aus dem Schwerter Plan würden nicht zu einigen allgemeinen Bestimmungen passen, die überall gelten.

Die Schlussfolgerung, die man ab den 90er-Jahren im Rathaus zog: Gut, dann wenden wir den Bebaungsplan eben nicht mehr an. Was man wiederum als nicht allzu problematisch ansah, da die Obere und Untere Meischede ohnehin schon bebaut waren. Mit anderen Worten: So dringend werde man den Bebaungsplan nicht mehr benötigen, denn alle Häuser stehen ja.

Das Ahlers-Urteil aus dem Dezember 2016 machte es dringender

Problematisch wurde es unter anderem durch den Fall der Familie Ahlers. Die kaufte 2013 ein Haus mit Flachdach am Ende einer Reihe und baute ein Dachgeschoss darauf - nach eigenen Angaben, weil es aus dem Schwerter Rathaus mündlich geheißen habe, das sei kein Problem.

Wurde es doch, weil ein Nachbar klagte. Und weil das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen im Dezember 2016 zwei Dinge entschied: Das ganze Haus in der neuen Form darf dort so nicht mehr stehen, weil die Baugenehmigung der Stadt Schwerte nicht in Ordnung war. Und der ganze Bebauungsplan für die Siedlung ist nicht rechtmäßig.

Plan aus den 60er-Jahren soll weg - ohne Ersatz

Deshalb handelt die Stadt nun: Am Dienstag, 2. Juli, steht der Bebauungsplan auf der Tagesordnung im Ausschuss für Stadtentwicklung auf der Tagesordnung. Genauer: Die Politiker sollen abstimmen, dass man den Plan aus den 60er-Jahren ersatzlos streicht. Denn einen neuen Plan für die Siedlung hält man im Rathaus weiterhin nicht für notwendig. Es stehe ja schon alles, heißt es. Und darüber hinaus gebe es allgemeine baurechtliche Bestimmungen.

Also keine Hoffnung für Familie Ahlers auf eine nachträgliche Regelung und somit Legalisierung des nagelneuen Hauses: „Die Hoffnung, auf diesem Weg etwas zu erreichen, haben wir schon längere Zeit nicht mehr“, erklärte Markus Ahlers am Mittwoch: „Uns bringt das nichts.“

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Stattdessen setze man weiterhin auf die Gespräche mit der Stadt und dem Nachbarn: Könne es nicht ein „Austauschmittel“ geben - also einen neuen Plan von einem Architekten, wie man das Haus so umbauen kann, dass niemand mehr etwas dagegen hat? „Da sind wir, beziehungsweise: Da ist unser Anwalt in den Verhandlungen.“

Markus Ahlers‘ Hoffnung: Vielleicht könne es wenigstens ein Obergeschoss geben, das später Platz biete für ein Kinderzimmer.

Für die Wohnung der Mieterin, die sich aktuell in Etage 1 befinde, gebe es natürlich keine Zukunft. Immerhin, so Ahlers: Durch den Einspruch gegen den Haus-Abriss, den die Stadt angeordnet hatte, herrsche jetzt Ruhe bis zu einer weiteren Entscheidung der Richter. So habe die Mieterin auch länger Zeit, sich etwas Neues zu suchen.

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Stadt will bald einladen zu einer abendlichen Info-Veranstaltung

Interessant übrigens: Rein rechtlich ist es egal, ob eine Stadt einen Plan aufstellt oder einkassiert. In beiden Fällen muss sie die Öffentlichkeit denselben Regeln entsprechend informieren. Als eine Art „freiwillige Leistung“, wie es aus dem Rathaus heißt, wird es eine Abendveranstaltung zu dem Thema geben. Zumindest wenn die Politiker in den kommenden Wochen auch darüber positiv abstimmen.

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